Marsch nach Jerusalem

Ein „Internationales Komitee” ruft dazu auf, am 30. März 2012 in die israelische Hauptstadt zu marschieren, um sich gegen die angebliche „Judaisierung Jerusalems” zur Wehr zu setzen. In einem ersten Aufruf zum „Tag des Bodens” heißt es ganz martialisch, dass „Jerusalem und ganz Palästina” durch „alle Menschen der Welt (…) befreit” werden müsse. Was das bedeutet verdeutlicht ein Blick auf diejenigen, die diesen ersten Aufruf zuallererst im deutschsprachigen Raum veröffentlichten.

Es handelt sich um die „Antiimperialistische Koordination”, die auch ansonsten gegen den israelischen Staat mobil macht: „Die Zerstörung des Zionismus und eines so genannten Staates Israel ist der einzige Weg zur Gerechtigkeit”, forderte ein Kader der antisemitischen Gruppierung im Jahr 2003. In der Zeitschrift der Gruppe, die den bezeichnenden Namen „Intifada” trägt, wurde Ali Nasser Wafa’ Idris, die erste weibliche Selbstmordattentäterin, als Heldin, „die für ihr Volk lebte und starb”, gefeiert. Das Regime im Iran wird in dieser Zeitschrift ebenso verteidigt wie die antisemitische Hamas und das nicht mehr existente Baath-Regime im Irak.

Nun mobilisert nicht nur diese antisemitische Gruppierung nach Jerusalem. Es existiert ein weiterer internationaler Aufruf. In diesem Pamphlet heißt es:

Die Verteidigung und Befreiung Jerusalems sind Pflicht aller freien Menschen weltweit und wir rufen daher alle Institutionen, Organisationen und Individuen dazu auf dieser Pflicht nachzukommen.

Es sollte klar sein, was hier von wem befreit werden soll, zumal in dem Aufruf eine angebliche „Politik der Judaisierung” beklagt wird. In diesem Jargon ist auch der Rest der Aufrufes gehalten. Hier ist von dem „Recht der Palästinenser ihr Land zu befreien” die Rede. Dieser Aufruf zum „Tag des Bodens” dürfte sowohl die antisemitische Hamas als auch die Antisemiten aller Länder erfreuen, die schon immer gen Jerusalem marschieren wollten.

Ein weiterer Aufruf richtet sich an die europäischen Mitstreiter des Vorhabens. Hier wurde vorsichtiger formuliert. So ist, als würde das etwas ändern, die beklagte „‘Judaisierung’” in Anführungszeichen gesetzt worden. Es sind derartige kosmetische Korrekturen, die diesen Aufruf des deutschen Vorbereitungskomitees auszeichnen.

Von einer „Verteidigung und Befreiung Jerusalems” ist hier nichts zu lesen. Stattdessen finden sich wohlmeinende Worte von „Demokratie” und „Selbstbestimmung”, die doch nur gewählt wurden, um das offensichtliche Endziel, das in den anderen Aufrufen formuliert wird, zu verschleiern. Außerdem findet sich die übliche anti-israelische Hetze. Hier wurden die Text-Bausteine aneinandergereiht, die in jedem Aufruf und in jedem Flugblatt der Israel-Hasser zu lesen sind:„Siedlerkolonie” und „Apartheidsystem” sind nur zwei dieser sehr üblichen Bausteine, mit denen der israelische Staat verunglimpft wird.

Trotz oder gerade wegen der martialischen Aufrufe, in denen zur „Befreiung” aufgerufen und vor angeblicher „Judaisierung” gewarnt wird, haben sich einige Aktivist_innen zusammengefunden, die den Marsch auf Jerusalem tatsächlich unterstützen. Die deutsche Internetseite der „internationalen Bewegung” zeigt einige Unterstützer_innen, die mit ihrem Foto und einem kurzen Text zum Marsch mobilisieren.

Da wäre Greta Duisenberg, die Witwe des Eurobankers Wim Duisenberg. Sie „gilt als die bekannteste Antisemitin der Niederlande” und hält eine derartige Bezeichnung für einen „Ehrentitel”. Am 04. Mai 2011 störte sie zwei Schweigeminuten, die in den Niederlanden überall zu Ehren der Opfer des zweiten Weltkriegs abgehalten werden. Duisenberg saß im Restaurant „L’Entrecôte et les Dames”. Anstatt zu schweigen, telefonierte sie während der Schweigeminuten. Schließlich wurde die Polizei gerufen, um sie aus dem Restaurant zu entfernen, berichtete die niederländische Presse über diesen Skandal der Duisenberg.

Im Januar 2009 beteiligte sich die umtriebige Aktivistin an einer Demonstration in Amsterdam, dort wurde unter anderem die Parole „Hamas! Hamas, gebt den Juden das Gas” gerufen. In einem Interview mit „Islam Online” klagte Duisenberg über eine angebliche „jüdische Lobby in Holland”, die „sehr stark und mächtig” sei: Diese „spielt immer noch mit unseren Schuldgefühlen, obwohl der Holocaust 63 Jahre hinter uns liegt”, behauptete Duisenbert dort. Sie wirbt nun auf der offiziellen Seite des Marsches:

Zeigen wir unsere Solidarität und unser Engagement in dem wir gemeinsam nach Jerusalem marschieren.

Weitere Untersützung erfährt der Marsch durch eine Politikerin der Partei „Die Linke”. Es handelt sich um Annette Groth, die sich bereits an der „Free-Gaza”–Flotille beteiligte und dort die links-jihadistische Querfront traurige Realität werden ließ. Groth scheint mit der geforderten „Befreiung Jerusalems” kein Problem zu haben. Sie beklagt in ihrem Statement zwar keine „Judaisierung”, dafür bedient sie sich der Sprache, die von deutschen Israel-Hasser_innen gepflegt wird. Groth benennt die angeblichen„systematischen Menschenrechtsverletzungen an der palästinensischen Bevölkerung” und unterstützt daher „den Global March nach Jerusalem”.

Außerdem finden sich die üblichen Verdächtigen auf der Liste der Unterstützer_innen. Diese sind immer dann zur Stelle, wenn es darum geht, den israelischen Staat zu dämonisieren. Neben den „Palästina-Komitees”, die an verschiedenen Orten der Bundesrepublik ihr Unwesen treiben, findet sich dort die bereits erwähnte „Antiimperialistischen Koordination” (AIK). In Deutschland ist diese Querfront-Truppe eng mit dem Verein „Initiativ e. V.” aus Duisburg verbandelt, der ebenfalls als Unterstützung aufgeführt wird. Gemeinsam sammelte man in der Vergangenheit Gelder für Terroranschläge im Irak. Das in Duisburg gesammelte Geld wurde an die „Irakische Patriotische Allianz” (IPA) übergeben, einer Gruppe, die nach der Befreiung vom Regime an terroristischen Anschlägen gegen die amerikanischen Truppen beteiligt war. Von ähnlicher Qualität sind auch die weiteren Unterstützer des Marsches nach Jerusalem.

Am 30. März 2012 will dieser Zusammenschluss „einzelne Marschsäulen” formieren, um nach Jerusalem zu ziehen. Bis dahin werden sich sicherlich noch viele weitere Israel-Hasser und Antisemiten finden, die den Marsch unterstützen. Gesucht werden sie unter anderem über eine offizielle Facebook-Seite. Dort finden sich mehr als üble antisemitische Grafiken und Fotomontagen. So ist beispielsweise ein mit Davidstern versehener Totenschädel zu sehen, der mit seinen blutigen Händen ein palästinensisches Kind gefangen hält. Außerdem finden sich antisemitische Gleichsetzungen: Dort werden Fotos der Shoa mit Fotos aus Palästina montiert, um den Eindruck entstehen zu lassen, es handele sich um ähnliche Ereignisse.

Diese ekelhaften Grafiken und die ebenso ekelhaften Aufrufe zeigen deutlich auf, dass es hier nicht um den Frieden oder um die Menschen geht, die in der Region leben. Es geht um die „Verteidigung und Befreiung Jerusalems”. Der Aufmarsch zum „Tag des Bodens”, am 30. März 2012, soll ein weiter Baustein sein, um dieses Ziel aller Antisemiten bittere Realität werden zu lassen.

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