Der Auftritt

Die Abgründe der deutschen Occupy-Bewegung sind nicht zu übersehen: Da wären zum Beispiel die Holocaust-Leugner im Occupy-Camp in Düsseldorf, der Querfront-Auftritt eines Occupy-Aktivisten in Berlin und die NS-Apologie in Frankfurt. Dort empfiehlt ein Occupy-Camper den Besucher_innen die ersten Jahre des Nationalsozialismus als Orientierungsmodell.

Der Occupy-Aktivist erklärt, dass der „frühe Nationalsozialismus schon solche Ansätze hatte, die auch interessant waren“, wenn man das einmal„geschichtlich betrachtet“. Doch in Frankfurt sind nicht nur NS-Apologeten, sondern auch Aktivist_innen aktiv, die sich auf die Verschwörungsfilme der Zeitgeist-Reihe beziehen.

Einer dieser Zeitgeist-Fans ist der Occupy-Aktivist Wolfram Siener, der vom Spiegel als „charismatische Führungsfigur“ bezeichnet wurde und nach den Märschen vom 15.10.2011 zu einem kleinen Medienstar der Bewegung avancierte. Ein weiterer Wortführer ist Frank Steg­mai­er, der bereits bei den rechtspopulistischen „Freien Wählern“ aktiv war.

Bei derartigen Aktivist_innen verwundert es überhaupt nicht, dass die Verschwörungsband „Die Bandbreite“ ein Podium geboten bekam. Die Band, um den Musikpädagogen Marcel Wojnarowicz, verpackt verschwörungsideologische Inhalte in sich nicht immer reimende Reime.

Sie besingt unter anderem die Aids-„Lüge“, den 11. September 2001 und zahlreichen anderen Verschwörungstheorien. Auf dem neuesten Album ist die Anti-Feministin Eva Herman im Intro zu hören. „Nenne mich ruhig einen Revisionist“, heißt es in einem anderen Lied. „Hahaha – antideutsche Antifa“, lacht Wojnarowicz in einem weiteren Song.

Das„Dortmunder Antifa-Bündnis“ hat einige Texte der Band untersucht. Es seien „se­xis­ti­sche, an­ti­se­mi­ti­sche und NS-​re­la­ti­vie­ren­de Song­tex­te“, urteilen die Antifaschist_innen.

Am 10.12.2011 durfte die Band trotz alledem auf einer Demonstration der Occupy-Bewegung in Frankfurt auftreten. Dort bot sie ein buntes Potpourri aus ihrem musikalischen Programm an. Der Frontmann der Band stand auf dem Lautsprecherwagen und beschallte die Demonstrant_innen, die sich als die 99 Prozent bezeichnen. Unterstützt wurde er durch den Verschwörungsrapper „Kilez More“.

Nach dem Auftritt kam es am Occupy-Camp, das von Grünen, SPD und Linkspartei subventioniert wird, zu einem freundlichen Gespräch zwischen Marcel Wojnarowizc und einigen Occupy-Aktivist_innen, darunter auch Wolfram Siener.

Der Auftritt der Verschwörungsband war, vielleicht aufgrund der schlechten Erfahrungen, die die Band in Frankfurt gemacht hat, nicht im Internet angekündigt worden. Am 09.​10.​2009 hatten etwa 100 Menschen gegen einen Auftritt der „Bandbreite“protestiert. Zu Protesten ist es diesmal nicht gekommen. Bei diesem Auftritt der Verschwörungscombo gab es stattdessen Beifall durch die Occupy-Aktivist_innen.

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