Hass & Nostalgie

Marx Bemerkung, dass sich „weltgeschichtliche Tatsachen“ das „eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce“ ereignen, lässt sich auch auf einige Zeitschriften übertragen, die das Erbe der „kommunistischen Bewegung“ vertreten wollen. Da wäre zum Beispiel die Zeitschrift „Offensiv“ (Hannover), die in unregelmäßigen Abständen erscheint. Dort finden sich Inhalte, die man eigentlich nur als Farce bezeichnen kann.

Kurz zusammengefasst vertritt die Redaktion der „Offensiv“ ein Geschichtsbild, das die Geschichte der„kommunistischen Bewegung“ in zwei Phasen unterteilt. Der Fixpunkt dieses Geschichtsbilds ist Josef Stalin. Bis zu seinem Tod im Jahre 1953 habe die „Bewegung“ nämlich die richtigen Ziele vertreten und sei zur klassenlosen Gesellschaft vorangeschritten; danach sei sie „revisionistisch entartet“. Bis heute würden die angeblichen Verantwortlichen und ihre Nachfolger_innen, die von der „Offensiv“ angegriffen werden, eine „offen konter-revolutionäre Rolle“ spielen.

Die Zeitschrift, die zu den Initiatoren einer Kleingruppe namens „Kommunistische Initiative“ (KI) gehört, sucht – ähnlich wie das große Vorbild – die Verräter in den eigenen Reihen. Das sind unter anderem sämtliche Politiker der UdSSR, von Chrustschow bis zum „CIA-Agent Gorbatschow“. Das sind aber auch viele andere „Linke“, die nicht zur „Initiative“ oder zum Umfeld der„Offensiv“ gehören. In dieser Zeitschrift finden sich wirre Angriffe auf andere „Linke“; die mit dem Stigma des Verrats „an den Grundprinzipien des wissenschaftlichen Sozialismus“ gebrandmarkt werden.

Wer die Monatszeitung aufschlägt, kann den Eindruck bekommen, eine Art Zeitreise in die 50er Jahre zu unternehmen, bloß das die Namen derer, die des „Revisionismus“ und Verrats bezichtigt werden, durchaus aktuell sein können. Die Forderung der Zeitschrift, nach „Aufbau einer breiten, demokratischen, anti-imperialistischen Volksfront unter Führung der Arbeiterklasse als Voraussetzung für den Sieg der proletarischen, sozialistischen Revolution“, könnte ebenfalls aus einer Publikation irgendeiner„Kommunistischen Partei“ der 40er oder 50er Jahren übernommen worden sein. Doch es sind Thesen aus dem Jahr 2010. Was einmal als Tragödie, als Schauprozess, daherkam, wiederholt sich als Farce, mit der nicht nur die Schauprozesse, sondern das gesamte Unrecht des „Sozialismus“ gerechtfertigt wird.

Da ist es nicht verwunderlich, dass der „Antizionismus“ zu den wichtigsten theoretischen Grundlagen gehört. Auch hier bewegt sich die „Offensiv“ auf den Spuren ihrer geistigen Vorfahren: „In der Sowjetunion, der ČSR und der DDR wurden Ende der 1940er- und Anfang der 1950er-Jahre Tausende von Menschen verhaftet, gefoltert und getötet, weil sie entweder als ‚Trotzkisten‘, als ‚Nationalisten‘ oder als ‚Zionisten‘ galten“.

In der „Offensiv“ werden diese Verfolgungen auch heute noch legitimiert. Hier sieht man sich durch fiese Unterwander_innen bedroht. So beklagt die „Offensiv“-Autorin Irene Eckert beispielsweise den angeblichen Zustand der deutschen „Linken“, die unter anderem „trotzkistisch unterwandert“ oder „gar prozionistisch-kriegerisch ausgerichtet“ sei. Schuld daran sind angebliche „rechte Kräfte, links gewickelt auftretend“.

Eckert ruft stattdessen zur Solidarität: „Zur uneingeschränkten Solidarität mit dem durch Boykott und mittels Atomkriegsdrohung angefeindeten islamischen Land Iran“; gegen den „Siedlerstaat Israel“, der nur aufgrund der „Gier nach Öl und anderen Schätzen“ existieren würde. So zumindest Irene Eckert, die aus ihrem Hass auf Israel kein Geheimnis macht. Kein Wunder, dass sie kein Problem damit hat, sich mit dem „‚Antisemiten‘ Ahmadinedschad“ und dessen mörderischem Regime zu verbünden.

Solche Solidarität mit den Antisemiten aus Nah-Ost ist der „Offensiv“ sogar so wichtig, dass sie Irene Eckert in einem Sonderheft zum Thema „Existenzrecht für Palästina“ ausführlichen Raum einräumte. Dort huldigte Eckart unter anderem Norman Finkelstein und erfreut sich an dessen – die Singularität der Shoa anzweifelnde – Aussage, dass „genauso viele irakische Kinder durch Krieg und US-Sanktionen getötet worden wie jüdische Kinder durch die Nazis“. Irene Eckert fordert stattdessen die „Entfesselung unseres Geistes“ und die Solidarität mit jenen Organisationen ein, die sich der Vernichtung Israels verschrieben haben.

Die „Offensiv“ veröffentlicht Texte, die eine Mischung aus Stalin-Kult und Ost-Nostalgie darstellen. Vermischt wird das ganze mit einem vorsintflutlichen „Anti-Imperialismus“, der vor allem dann benutzt wird, wenn es gegen Israel geht. Die Lektüre der „Offensiv“ zeigt anschaulich auf, in was für einem Zustand sich diese deutschen Sozialisten befinden.

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