Auf der Jagd nach Nazigold

In den 60er Jahren produzierte Desilu-Productions gleich zwei Serien, in denen neue Nazis als Gegenspieler tapferer Helden auftraten. Ein Beispiel ist die klassische Star Trek Episode Schablonen der Gewalt  In der Folge  beamten Kirk und Spock auf den Planeten Ekos, der durch eine obskure Diktatur beherrscht wird, die durch die ideologischen Formen des Nationalsozialismus geprägt ist. In der ersten Staffel der klassischen Serie Mission Impossible, die ebenfalls auf dem Studiogelände von Desilu entstand, traten ebenfalls Nazis auf. Die Episode Das Erbe der Väter nutzt junge Nationalsozialisten, die als Antagonisten agieren.

In dieser Episode reist das IMF-Team nach Zürich, um eine gewaltige Summe zu sichern, die die Nazis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in der Schweiz verwahrt haben. Das Team weiß, dass es vier Nachfahren gibt, die den Schatz sichern wollen, um ein neues Reich zu errichten. Die neuen Nazis besitzen vier Nummern, die gemeinsam genutzt werden müssen, um das Schließfach einer geheimnisvollen Person zu öffnen, die E. Brown heißt. Daher wird einer der Nazi-Nachfahren, Herr von Schneer, bereits am Flughafen ausgeschaltet. Rollin Hands (Martin Landau) übernimmt dessen Rolle, in der er zum fanatischen Deutschen mutieren muss.

(Achtung, Spoiler! Diese Rezension offenbart Teile der Handlung)

Die sich noch unbekannten Nationalsozialisten erkennen sich an ihrem Zeichen, das per Kreidezeichnung entsteht. Gemeinsam wird das Hakenkreuz gemalt, bevor sich die Nachfahren in einem Hotel versammeln, in dem sich die Handlung zu großen Teilen abspielt. In Zimmer 479 träumen Herr Bruckner, Herr Graff und Herr Wolf vom Vierten Reich, das durch den Schatz erschaffen werden soll. Sie treten in die Fußstapfen ihres Führers, dessen Buch als Inspirationsquelle dient. Adolf Hitlers Name hat sich allerdings gewandelt. Auf der Requisite, die von den Nazis gepriesen wird, heißt dieser Menschheitsverbrecher Adolph.

MI-Legacy01Rollin Hand, der den Nazi spielt, kann sich allerdings kaum für den Traum vom neuen Reich begeistern, was bald Misstrauen erregt. Letztendlich sind diese Nationalsozialisten aber plumpe Bösewichte, die mit ideologischen Phrasen hantieren. Sie kennen Teile der geheimnisvollen Nummer, die die Reichtümer für das Reich bringen soll. Das restliche IMF-Team erfährt die Zahlenkombination durch Hypnose, durch die ein Mitarbeiter der Bank sich seinem Tod sehr nahe wähnt. Die Methode führt ans Ziel, sodass das Team die Kombination des Schließfaches kennt, die Rollin Hand im Hotel-Fahrstuhl erfährt.

Dafür tarnt sich der Technikexperte Barney Collier (Greg Morris) als Passagier, der wie zufällig in den Fahrstuhl des Nazi-Nachwuchses gelangt. Durch eine kleine Ablenkung erhält Rollin Hand die Nummer. Es ist erstaunlich, dass sich die nationalsozialistische Gang nicht an der Hautfarbe des Technikers stört. Selbst als Collier auf den Anführer fällt, zeigt dieser kein Anzeichen von Ekel. Leider verpassen die Drehbuchautoren die Gelegenheit, den Rassismus der Nazis zu offenbaren, die an anderer Stelle der Episode von arischen Übermenschen träumen.

Das Schließfach enthält nur 30 Reichsmark, die sich in einem Briefumschlag befinden. Die bedröppelten Nazis entdecken auf dem Briefumschlag allerdings einen Mikropunkt, der den Teil einer Karte zeigt. Jeder besitzt eine Uhr, in der sich ebenfalls ein Punkt befindet. So wird der Standort des Schatzes enthüllt, bis Rollin Hand aufgeben muss, weil er keine Uhr besitzt. Der Meister der Verkleidung entkommt, indem er den Diebstahl des Chronometers vortäuscht, was die misstrauischen Kameraden zunächst glauben wollen. An dieser Stelle offenbart sich, dass das IMF-Team jederzeit die Kontrolle hat. Durch dieses wiederkehrende Muster leidet die Spannung, was für viele Episoden dieser ersten Staffel von Mission Impossible konstatiert werden kann..

Zwei verbleibende Nationalsozialisten und der männliche Teil des Teams treffen am Ende der Folge auf einem Friedhof aufeinander. Zuvor erforschen Barney, Rollin, Dan und Willy die Papp-Gruft, die sich als das Grab der Hitler-Geliebten Eva Braun entpuppt. Dabei werden historische Fakten gekonnt ignoriert. Nachdem sich Hitler und seine Lebensgefährtin in den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs zum feigen Freitod entschlossen hatten, verfügte der panische Diktator, dass die Überreste verbrannt werden sollten. Auf keinen Fall sollte sein Leichnam und der tote Körper seiner Frau durch die anrückende Roten Armee geborgen werden. So wurde auch Eva Braun in aller Eile durch einen Kammerdiener und durch SS-Schergen verbrannt.

In der Mission Impossible Folge öffnet das Team in der Gruft der Eva Braun zwei Särge. Der Zustand der Leichen ist zwar nicht zu sehen, allerdings verrät die Mimik der lebenden Anwesenden, dass die Toten nicht in bester Verfassung sind. Dass die Nazi-Braut und ihr Idol prunkvoll in der Schweiz begraben sein könnten, gehört zu den obskuren Details, die diese Episode auszeichnet. Nach der blutigen Schießerei vor der Gruft, die zugunsten des Teams entschieden wird, zeigt sich der Hitler-Schatz, der in den Wänden der Krypta verborgen war. Die Schüsse bringen Gold im damaligen Wert von 300 Millionen Dollar zum Vorschein. Der Schatz befindet sich in den Wänden, die das angebliche Grab der Eva Braun umschließen.

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Mit dem Fund endet diese Episode, die an ihren Ansprüchen scheitert. Indem historische Fakten verbogen werden, entsteht eine Geschichte, die der Thematik nicht gerecht wird. Die solide Kameraführung und die Arbeit der Akteure können die unglaubwürdige Handlung nicht retten. Schlimmer ist, dass der Vernichtungsdrang des Nationalsozialismus nicht thematisiert wird. An diesem Manko leiden allerdings auch andere Serien, die in den 60er Jahren entstanden. Die Mission Imposssible Episode Das Erbe der Väter ist leider keine Ausnahme.

 

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