Untergangsmythen

Am 14. April 1912 streifte das zum damaligen Zeitpunkt größte Passagierschiff der Welt einen Eisberg und versank im Atlantik. Etwa 1500 Menschen fanden den Tod. Schnell wurde der die Titanic zum Handlungsort zahlreicher Spielfilme und Romane.

Bereits im Jahr des Untergangs entstand der Stummfilm „Saved from Titanic“, in dem Dorothy Gibson, die den Untergang überlebt hatte, die Hauptrolle übernahm. In den Jahrzehnten nach dem Untergang erschienen Spielfilme, Dokumentationen, Sachbücher und Sensationsromane.

Einiges wurde hundertjährigen Jubiläum erneut auf den Markt gebrach. Noch einmal durfte sich Jack Dawson in James Camerons Kinofilm zum „König der Welt“ machen. Noch einmal versank die Titanic in diesem romantischen Kitschspektakel in den eisigen Fluten. Wer noch nicht genug hat kann die zahlreichen Ausstellungen begutachten, Dokumentationen auf N24 anschauen, Computerspiele spielen und Bücher verschlingen, die sich mit dem Untergang des Schiffes befassen und in denen oftmals an die Herzen gehenden Geschichten verbreitet werden.

Die Katastrophe ist aber auch eine Grundlage für verschiedene Mythen, die bereits kurz nach dem Untergang verbreitet wurden und die zum hundertjährigen Jubiläum eine Renaissance erleben dürfen. Bereits kurz nach dem Unglück wollte der ehemalige Seemann Peter Pryal den Kapitän der Titanic, Edward John Smith, gleich zweimal auf den Straßen Baltimores entdeckt haben, obwohl er doch mit dem Ozeanriesen untergegangen war.

Zur Freude der Klatschpresse stellte Pryal auf diese Weise den Tod auf der Titanic in Frage. Die damaligen Revolverblätter verbreiteten dieses Märchen nur zu gerne. Sie betrieben einen Scheckbuchjournalismus und kauften die kruden Geschichten von vermeintlichen Zeugen ein, die für ihre Behauptungen gut bezahlt wurden. Wenn keine Zeugen aufzutreiben waren, wurden einfach Geschichten erfunden. So verbreiteten sich Mythen und Märchen, die bis heute bekannt sind.

Der deutsche Doktor Friedrich Carl Quitzrau, der auf dem Schiff Mount Temple nach Kanada reiste, behauptete zum Beispiel, dass dieses Schiff der Titanic nicht zu Hilfe geeilt sei und stattdessen mit abgedunkelten Lichtern das Sterben beobachtet hätte. Die zeitgenössische Presse griff diese Behauptungen auf und Quitzrau hatte seinen kurzweiligen Zeitungsruhm.

Ernest Gill, ein Seemann von der Californian, verkaufte sich wiederum an die Bostoner Presse und behauptete, man habe von diesem Schiff den Untergang der Titanic beobachtet, ohne zu Hilfe zu eilen. Für etwas mehr als eine handvoll Dollar und ein wenig Ruhm schienen diese vermeintlichen Zeugen zu jeder Behauptung bereit zu sein. Hinzu kamen Falschmeldungen über unglaubliche Reichtümer und über angebliche Geschwindigkeitsrekorde, die durch verschiedene Presseagenturen verbreitet wurden und in die damaligen Spielfilme zum Untergang einflossen, mit denen auch antisemitische, anti-amerikanische und anti-britische Propaganda betrieben wurde.

In dem nationalsozialistischen Propagandafilm „Titanic“, der im Jahr 1943 gedreht wurde, wird der Untergang auf das Wirken der „Börsenspekulanten“ zurückgeführt, die die Titanic in ein Eismeer rasen lassen. „Das Geld ist der einzige Wert, an den ich glaube“, sagt der amerikanische Industrielle John Jacob Astor dort. Der Film, der auf einen vor, während und nach dem  Nationalsozialismus populären Sensationsroman des Autoren Josef Pelz von Felinau zurückgeht, sah sich derweil als „ewige Anklage gegen Englands Gewinnsucht“.

In diesem Machwerk agierte der deutsche Held Petersen gegen die angebliche „Weltordnung“ der„Spekulanten“. Der Nazi-Film, für den die Deutschen nach Kriegsende anstanden, verbreite einige Mythen, die sich bis heute großer Beliebtheit erfreuen: So wird dort zum Beispiel die Behauptung aufgestellt, dass die Titanic die schnellstmögliche Überquerung des Atlantiks zum Ziel gehabt hätte, um das imaginäre „Blaue Band“ zu gewinnen. Dabei war das schon aus technischen Gründen nicht möglich. Die Titanic hätte niemals die Geschwindigkeit erreichen können, die dafür notwendig gewesen wäre.

Später gingen allerlei verschwörungsideologische Goldgräber mit ihren Mythen über die Titanic hausieren und bezeugten bevorzugt Geschichten, die der Vater oder der Großvater von einem mittlerweile verstorbenen Zeitzeugen erfahren haben sollte. So erlangte William Diebel seine zwei Minuten Fernsehruhm. Er munkelte im September 1987 in der Fernsehsendung „Return of the Titanic“, die von Telly „Kojak“ Savalas moderiert wurde, von einer Geschichte, die seinem Vater im ersten Weltkrieg zu Ohren gekommen war: „Er behauptete, dass die Titanic in Wirklichkeit nie einen Eisberg gerammt hat. In Wirklichkeit sank sie aufgrund einer Explosion“.

Verschwörungsideologen konstruieren mit derartigen Märchen nun den Mythos eines gigantischen Versicherungsbetrugs, der gerne auch mit gewaltigen Explosionen und einem angeblich nicht vorhandenen Eisberg angereichert wird. Für viele Verschwörungsgläubige ist die echte Titanic niemals untergegangen. Stattdessen wurde sie durch ihr Schwesterschiff, die beschädigte Olympic, ausgetauscht und versenkt. Der gigantische Versicherungsbetrug wird zumeist einer Person angelastet, der Besitzer des Firmen-Konglomerats war, das die Titanic produzierte.

Es handelt sich um den amerikanischen Bankier J.P. Morgan, der in seiner Zeit nicht nur hohe Profite realisierte, sondern auch zum bevorzugten Hassobjekt verschiedener Anti-Amerikaner avancierte, die sich über dessen Knollennase belustigten und ihm eine Allmacht nachsagten, die dieser in der Realität nie besaß. Eigentlich wollte Morgan mit der Titanic reisen, hatte diese Reise jedoch abgesagt und vergnügte sich lieber im französischen Aix-les-Bains mit seiner Geliebten. Für Verschwörungsgläubige ist dieses belanglose Ereignis ein Hinweis darauf, dass Morgan aus guten Gründen auf die Reise verzichtet hätte. Schließlich sei er an der angeblichen „Verschwörung“ beteiligt gewesen, der die Titanic zum Opfer fiel.

Derartige Mythen wurden durch Robin Gardiner und Dan van der Vat popularisiert, die mit ihren Büchern die „Geschichte eines gigantischen Versicherungsbetrugs“. erzählen wollten. Das Buch über die angebliche „Titanic-Verschwörung“ erschien 1996 im renommierten Goldmann-Verlag. Hier verbreiteten Gardiner und Van der Vat ihre „Verschwörungstheorie“, in dem sie allerlei Mythen mit technischen Details, Gesellschaftstratsch und historischen Fakten vermischten. Hinzu kamen die typischen Suggestivfragen, mit denen – wie so oft – die Existenz einer Verschwörung nahe gelegt wird. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die Titanic in Wirklichkeit die beschädigte Olympic gewesen sein könnte. Die Eigner der Schiffe hätten einen „Austausch“ vorgenommen und die falsche Titanic  – mehr oder weniger bewusst – untergehen lassen.

Mit dieser Idee konnte auch ein anti-amerikanisches Ressentiment bedient werden. In den Büchern dieser Verschwörungsideologen wird der amerikanische Bankier Morgan als übermächtiger,„ausländischer Raubritter“ und „Hai“ gezeichnet, der seine angeblich „unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten“ eingesetzt hätte, um „Macht und Profit zu erlangen“. So bleiben die Fakten auf der Strecke. Zwar schildern Gardiner und van der Vat recht akkurat den Untergang und die daran anschließenden Untersuchungen, müssen aber verständlicherweise jeden Beweis für den vermeintlichen Versicherungsbetrug schuldig bleiben und sich auf Gerüchte über J.P. Morgan beschränken. Es bleibt bei Suggestivfragen und Mutmaßungen, mit denen die beiden Autoren jedoch ihren Teil dazu beigetragen haben, dass dieser Verschwörungsmythos über die Titanic bekannt wurde.

Verschiedene Verschwörungsideologen haben sich nach dieser Lektüre ausführlicher mit der Katastrophe befasst und die Werke ihrer Vorgänger benutzt, um ähnliche oder sogar noch waghalsigere Verschwörungsmythen zu propagieren. In diesem Jahr veröffentlichte beispielsweise Gerhard Wisnewski sein Buch über die angebliche Verschwörung, der er ein „Attentat“ auf die Titanic nachsagt. So gebührt ihm der zweifelhafte Verdienst, die Verschwörungsmythen seiner Vorgänger radikalisiert zu haben.

In seinem Buch beruft sich Wisnewski immer wieder auf seine geistigen Vorgänger, die in seinem Buch zu „Titanic-Experten“ mutieren. Der deutsche Verschwörungsideologe, der in diesem Jahr zur Privataudienz mit dem iranischen Holocaustleugner und Antisemiten Ahmadinedschad reiste, bietet gleich mehrere Erklärungsansätze, mit denen er den Untergang des Dampfers verklärt.

Doch zunächst beschäftigt Wisnewski sich mit seinem „liebsten Propagadafilm“. Gemeint ist die berühmte Titanic Verfilmung des John Cameron, der ihn und andere zum „Opfer einer ausgeklügelten Propagandaaktion“ gemacht hätte. Rose, deren fiktive Geschichte im Spielfilm zum Leben erweckt wird, sei „mit dem Nimbus einer Holocaustüberlebenden ausgestattet“, behauptet Wisnewski. Nun versucht Wisnewski den Beweis zu erbringen, dass dieser Spielkitschfilm nicht unbedingt auf historischen Fakten beruht. So möchte Wisnewski den Zweifel am Untergangshergang wecken. Auf eine ähnliche Weise nutzt er die Aquarelle des Künstlers Ken Marschall, auf denen er Beweise für seine wahnwitzigen Verschwörungsideen gefunden haben möchte.

Schnell ist eine erste Erklärung ausgebreitet, die noch schneller durch eine weitere Erklärung ersetzt wird. In Wirklichkeit sei die Titanic im Rahmen eines „verdeckten Krieges“ zwischen England und den USA versenkt worden. Letztendlich geht es aber um einen noch perfideren Plan, bei dem mittels „Bombe im Bauch“eine „Explosion“ verübt wird, um die Titanic, die eigentlich die Olympic ist, „planmäßig absaufen“ zu lassen.

Dafür wurde die falsche Titanic durch einen „irren Kapitän“ in ein „Mienenfeld“ aus Eis gesteuert,  um die passende „Kulisse“ für das „’Massaker’ unter Amerikas reichsten Männern“ zu erzeugen. Währenddessen werden „die Passagiere bei einem fröhlichen Besäufnis abgefüllt“. Danach habe eine „schaurige Selektion” stattgefunden. Natürlich hat die „bewaffnete Bande“, mit Kapitän Smith als Anführer, in Wirklichkeit überlebt. Das ist die Kurzfassung des Märchens, das einem von Gerhard Wisnewski, auf mehr als 400 qualvoll zu lesenden Seiten, aufgetischt wird.

Dabei identifiziert Wisnewski auch Verantwortliche. Er präsentiert den üblichen Bösewicht, der jedoch nur einen Oberbösewicht repräsentiert. Wie so oft in der einschlägigen Verschwörungsliteratur, wird der Industrielle Morgan als „grausamer, angriffslustiger Finanzmann“ gezeichnet, der „Geld aus dem Nichts schaffen“ konnte, für die damaligen kapitalistischen Krisen verantwortlich gemacht wird und „jeden Knochen bis auf die Knochenhaut“ abnagt.

Mit seiner Version des Morgan-Mythos überschreitet Wisnewski, der mit seinen Machwerken bereits possierliche Mythen über den Unfalltod von Jörg Haider, die islamofaschistischen Angriffe des 11. September 2001 und die Mondlandung verbreitete, allerdings noch eine weitere Grenze. Schließlich möchte Wisnewski einen Hintermann ausgemacht haben, den er verantwortlich macht. Wisnewski kolportiert die Behauptung, dass Morgan nur der „US-Statthalter der Rothschilds gewesen“ sei und beruft sich in diesem Kontext auf den fanatischen Antisemiten Eustace Mullins, der Jüdinnen und Juden in schlimmster NS-Tradition als „Parasiten“ bezeichnete.

Um das Märchen vom „Attentat“ glaubwürdig erscheinen zu lassen, macht Wisnewski die Überlebenden unglaubwürdig, die von diesem angeblichen „Attentat“ nichts mitbekommen haben. Der eine Überlebende hätte an „selektiver Demenz“ gelitten, der andere sei betrunken gewesen, wieder andere hätten eventuell „Anweisungen“ bekommen. Sie hätten gelogen, sich „wie ertappte Verbrecher“ verhalten oder heißen Rosenbaum. Viele Erinnerungen von Überlebenden könne man „getrost ins Reich der Phantasie verweisen“, behauptet Wisnewski, der die Überlebenden unglaubwürdig machen muss, weil ihre Erinnerungen oftmals seinem Verschwörungskonstrukt vom „Attentat“ widersprechen.

Dafür werden die Märchen und die Geschichten, mit dem der ein oder andere Zeitgenosse nach dem Untergang der Titanic ein kleines bisschen Bekanntheit erlangen wollte, in aller Ausführlichkeit präsentiert. Außerdem dürfen die Märchenerzähler noch einmal eine Wiederauferstehung erleben. Ihre Geschichten, die sie vom Vater oder Großvater erfahren haben wollten, wurden bereits in Gardiners Buch und in den anderen Machwerken der Verschwörungsindustrie recycelt. Nun bedient sich Wisnewski, um den Mythos vom „Attentat” zu spinnen. Zusätzlich pickt Wisnewski ganz selektiv einige wenige Fakten heraus, die seinen Verklärungsansatz dienlich sind. Doch grundsätzlich werden diese Verschwörungsmythen zum Untergang der „Titanic“ durch die seriöse Forschung widerlegt.

Es ist der irrationale Glaube an die angebliche Weltverschwörung, der die Verschwörungsfans, die sich auf den Spuren ihrer Vorfahren bewegen, auch im Falle der Titanic begeistert. Der Untergang der Titanic ist, wie die Angriffe des 11. September 2001, nur ein Anlass, mit dem der Glaube an die Weltverschwörung belegt werden soll. Die Verschwörungsbücher zum Untergang können ein Baustein für die Verschwörungskonstrukte sein.

Daher werden weitere Filme und Bücher über den angeblichen Versicherungsbetrug oder das vermeintliche Attentat auf die Titanic produziert werden. In diesen Machwerken wird sich jedoch nur der Wahn offenbaren, der die alten Mythen aufs Neue reproduziert, um die vermeintlichen Verantwortlichen ins Fadenkreuz zu nehmen.

Theorien des Schlagfertigkeitstrainers

Die Zeitschrift Capital feiert ihn als „Star”, die Wochenzeitung Stern nennt ihn „Schlagfertigkeitspapst” und das Magazin „Wiener” huldigt ihm als „Meister des Flirts”. Matthias Pöhm arbeitet als „Schlagertigkeitstrainer”, der in Seminaren „mit verstaubten Redestrukturen” aufräumt.

Die Kurse des „Schlagfertigkeitstrainers” kosten wischen 200 und 5000 Euro. Zum Anfixen hat er mehrere Taschenbücher verfasst. Sein Buch „Nicht auf den Mund gefallen” wird gerne gelesen: 170.000 Exemplare wurden bisher verkauft. „Vergessen Sie alles über Rhetorik”, lautet ein weiterer Buchtitel, das der „Rhetoriktrainer aus Leidenschaft” verfasst hat. Das Taschenbuch ist im Goldmann-Verlag erschienen und verspricht eine „handfeste Anleitung”, die jede „Geburtstagslaudatio zum bewegenden Erlebnis” machen würde.

Auf mehr als 200 Seiten propagiert Pöhm rhetorische Tricks, die seine Leser_innen befähigen sollen, „ein David Copperfield” der Redekunst zu werden. Dabei bewirbt er zahlreiche Weisheiten, die Redner_innen zum „Meinungsführer” machen sollen, zu einem Menschen, den „man innerlich als Anführer akzeptiert”. Hinter diesem Wunsch verbirgt sich die autoritäre Denkweise des „Schlagfertigkeitstrainers”:

Menschen wollen geführt werden.

Das behauptet der Trainer, der die Leser_innen gar zu „Rudelführer”machen möchte, die die „Trägheit der Masse” zu ihrem Vorteil nutzen.

Dafür gibt es zahlreiche Ratschläge und Vorbilder, die in dem Buch des Pöhm genannt werden.„Beschreiben sie die Situation, die sie ändern wollen, als ein Horrorszenario und dem stellen sie ihre Lösung gegenüber, die natürlich dann paradiesische Zustände verheißt”, lautet eine dieser Weisheiten des Schlagfertigkeitspapstes. Ein positives Vorbild ist Evita Peron, ein negatives Vorbild Joseph Goebbels. Auf Seite 88 schildert der Autor Gleichnisse, die die angehenden Leser_innen verwenden sollen, um „Unfug plausibel zu machen, den sie vom logisch urteilenden Bewußtsein her ablehnen würden”. Pöhms erklärt auch, warum er derartige Gleichnisse so überaus sinnvoll findet:

Damit bekommen Sie Macht.

Sein Beispiel für einen Redner, der diese Vorgehensweise nutzte, um Macht zu erlangen, ist niemand anderes als Reichspropagandaminister Joseph Goebbels und dessen Rede im Sportpalast in Berlin. Pöhm zitiert einige „erschreckende Passagen”. Er bringt es fertig, Jesus Christus und Joseph Goebbels in einen Satz unterzubringen:

Das wache Bewusstsein, die Logik, wird bei Gleichnissen außer Kraft gesetzt. Das wusste Goebbels leider genauso gut wie Jesus.

Von einer derartigen Qualität ist auch der Rest des Buches. Das scheint selbst Pöhm geahnt zu haben. Bereits im Vorwort empfiehlt er, nur die Kapitel zu lesen, deren Überschriften Interesse wecken. Doch auch davon kann man nur abraten. Es handelt sich um ein Machwerk, das nicht der Lesezeit wert ist.

Angehende „Rudelführer”, die „Macht” erlangen wollen, werden sich von meinem gut gemeinten Ratschlag allerdings nicht abhalten lassen und zu diesem Buch greifen. Danach werden sie vielleicht einen der durchaus esoterisch angehauchten Seminare des Matthias Pöhm besuchen, um sich weiter indoktrinieren zu lassen.

Für nicht weniger als 1150 EUR verspricht Pöhm den esoterischen „Weg zum Glücksdurchbruch”, eine „praktische Spiritualität” für das „zweite Wesen in Ihnen”. Seit 2005 hat Pöhm nämlich eine weitere Einnahmequelle entdeckt: Mit esoterischer Propaganda lässt sich ebenfalls viel Geld verdienen.

Daher hat der fleißige Autor gleich mehrere Bücher verfasst. Im „Weg zum Glückdurchbruch” propagiert Pöhm seine Version der „Spiritualität”, die „das Eigentliche” sei. Hier geht es um Reinkarnation und Karma, Hier beantwortet er auch eine Frage, die ihn umtreibt: „War Hitler böse?” Der „Rhetorikpapst” beantwortet diese Frage in einem esoterischen Sinne:

Morden ist nicht böse, ich habe es, Gott sei Dank, bis jetzt noch nicht aus innerer Verzweiflung tun müssen. Vergewaltigen ist nicht böse, ich habe es, Gott sei Dank, bis jetzt noch nicht aus innerer Verzweiflung tun müssen.

Das sind die esoterischen Lebensweisheiten des Menschen, der in Fernsehen und Zeitschriften als Meister der Rhetorik gefeiert wird. Wer seine gruseligen und gespenstischen Seminare erleben möchte, muss nicht nur viel Geld investieren, sondern auch ein Hotel in der Schweiz besuchen. Alternativ kann man aber auch hier den Play-Knopf drücken. Wie immer gilt: Anschauen auf eigene Gefahr!