Theorien des Schlagfertigkeitstrainers

Die Zeitschrift Capital feiert ihn als „Star”, die Wochenzeitung Stern nennt ihn „Schlagfertigkeitspapst” und das Magazin „Wiener” huldigt ihm als „Meister des Flirts”. Matthias Pöhm arbeitet als „Schlagertigkeitstrainer”, der in Seminaren „mit verstaubten Redestrukturen” aufräumt.

Die Kurse des „Schlagfertigkeitstrainers” kosten wischen 200 und 5000 Euro. Zum Anfixen hat er mehrere Taschenbücher verfasst. Sein Buch „Nicht auf den Mund gefallen” wird gerne gelesen: 170.000 Exemplare wurden bisher verkauft. „Vergessen Sie alles über Rhetorik”, lautet ein weiterer Buchtitel, das der „Rhetoriktrainer aus Leidenschaft” verfasst hat. Das Taschenbuch ist im Goldmann-Verlag erschienen und verspricht eine „handfeste Anleitung”, die jede „Geburtstagslaudatio zum bewegenden Erlebnis” machen würde.

Auf mehr als 200 Seiten propagiert Pöhm rhetorische Tricks, die seine Leser_innen befähigen sollen, „ein David Copperfield” der Redekunst zu werden. Dabei bewirbt er zahlreiche Weisheiten, die Redner_innen zum „Meinungsführer” machen sollen, zu einem Menschen, den „man innerlich als Anführer akzeptiert”. Hinter diesem Wunsch verbirgt sich die autoritäre Denkweise des „Schlagfertigkeitstrainers”:

Menschen wollen geführt werden.

Das behauptet der Trainer, der die Leser_innen gar zu „Rudelführer”machen möchte, die die „Trägheit der Masse” zu ihrem Vorteil nutzen.

Dafür gibt es zahlreiche Ratschläge und Vorbilder, die in dem Buch des Pöhm genannt werden.„Beschreiben sie die Situation, die sie ändern wollen, als ein Horrorszenario und dem stellen sie ihre Lösung gegenüber, die natürlich dann paradiesische Zustände verheißt”, lautet eine dieser Weisheiten des Schlagfertigkeitspapstes. Ein positives Vorbild ist Evita Peron, ein negatives Vorbild Joseph Goebbels. Auf Seite 88 schildert der Autor Gleichnisse, die die angehenden Leser_innen verwenden sollen, um „Unfug plausibel zu machen, den sie vom logisch urteilenden Bewußtsein her ablehnen würden”. Pöhms erklärt auch, warum er derartige Gleichnisse so überaus sinnvoll findet:

Damit bekommen Sie Macht.

Sein Beispiel für einen Redner, der diese Vorgehensweise nutzte, um Macht zu erlangen, ist niemand anderes als Reichspropagandaminister Joseph Goebbels und dessen Rede im Sportpalast in Berlin. Pöhm zitiert einige „erschreckende Passagen”. Er bringt es fertig, Jesus Christus und Joseph Goebbels in einen Satz unterzubringen:

Das wache Bewusstsein, die Logik, wird bei Gleichnissen außer Kraft gesetzt. Das wusste Goebbels leider genauso gut wie Jesus.

Von einer derartigen Qualität ist auch der Rest des Buches. Das scheint selbst Pöhm geahnt zu haben. Bereits im Vorwort empfiehlt er, nur die Kapitel zu lesen, deren Überschriften Interesse wecken. Doch auch davon kann man nur abraten. Es handelt sich um ein Machwerk, das nicht der Lesezeit wert ist.

Angehende „Rudelführer”, die „Macht” erlangen wollen, werden sich von meinem gut gemeinten Ratschlag allerdings nicht abhalten lassen und zu diesem Buch greifen. Danach werden sie vielleicht einen der durchaus esoterisch angehauchten Seminare des Matthias Pöhm besuchen, um sich weiter indoktrinieren zu lassen.

Für nicht weniger als 1150 EUR verspricht Pöhm den esoterischen „Weg zum Glücksdurchbruch”, eine „praktische Spiritualität” für das „zweite Wesen in Ihnen”. Seit 2005 hat Pöhm nämlich eine weitere Einnahmequelle entdeckt: Mit esoterischer Propaganda lässt sich ebenfalls viel Geld verdienen.

Daher hat der fleißige Autor gleich mehrere Bücher verfasst. Im „Weg zum Glückdurchbruch” propagiert Pöhm seine Version der „Spiritualität”, die „das Eigentliche” sei. Hier geht es um Reinkarnation und Karma, Hier beantwortet er auch eine Frage, die ihn umtreibt: „War Hitler böse?” Der „Rhetorikpapst” beantwortet diese Frage in einem esoterischen Sinne:

Morden ist nicht böse, ich habe es, Gott sei Dank, bis jetzt noch nicht aus innerer Verzweiflung tun müssen. Vergewaltigen ist nicht böse, ich habe es, Gott sei Dank, bis jetzt noch nicht aus innerer Verzweiflung tun müssen.

Das sind die esoterischen Lebensweisheiten des Menschen, der in Fernsehen und Zeitschriften als Meister der Rhetorik gefeiert wird. Wer seine gruseligen und gespenstischen Seminare erleben möchte, muss nicht nur viel Geld investieren, sondern auch ein Hotel in der Schweiz besuchen. Alternativ kann man aber auch hier den Play-Knopf drücken. Wie immer gilt: Anschauen auf eigene Gefahr!