Deutsche Gemütlichkeit

Wenn in Deutschland ein traditionelles „Volksfest“ begangen wird, kann das mit „Sieg – Heil“ – Rufen enden. Ein ganz normaler Abend auf dem „Barthelmarkt“ in Manching-Oberstimm, einer kleinen Gemeinde, in direkter Nähe zur deutschen Provinzstadt Ingoldstadt. Nachdem die Volksmusikanten, die sich ganz modern „Alley Cat’s“ nennen, einschlägige deutsche Partykracher zum besten gegeben haben, endet das Lied von der „Gemütlichkeit“ im kollektiven Gegröle. Fleißig gibt der Sänger Party-Parolen zum Besten: „Zicke Zacke! Zicke Zacke!“, brüllt der Volksmusikant. „Hoi, Hoi, Hoi“, grölt die Menge.

Es ist eine Halle, in der sich feiernde Deutsche, bei Bier und Gesang, zusammengefunden haben und wie es sie viele gibt, in diesem dunklen, kalten Deutschland. In diesem speziellen Fall wird eines der „ältesten Volksfesten in Bayern, wenn es nicht gar das älteste überhaupt“ begangen. Hier endet das gruselige Party-Parolen-Rufen wie zwischen 1933 und 1945. Ganz am Ende gibt der Sänger der „Alley Cat’s“ den SS-Mann und intoniert ein „Sieg“. Die Menge antwortet tatsächlich mit einem lautstarken „Heil“, während einige den Hitler-Gruß zeigen.

Als das Video bei Youtube hochgeladen wird und die Medien berichten, geben sich der Veranstalter, ein bayrischer Wirt, und der Sänger der „Showband“ recht zerknirscht. Festwirt Lorenz Stiftl sagt der„Süddeutschen Zeitung“, es ist „ein Wahnsinn“. Er habe doch zehn lange Jahre mit der „Showband“ zusammengearbeitet. Nun will er die Band nicht mehr auftreten lassen. Der Sänger der „Alley Cat’s“ kündigt in der lokalen Presse sein Karriere-Ende an. Er will nicht mehr wissen, „warum ich mich dazu hinreißen lassen habe“. Der Bürgermeister will sich die deutsche Party nicht vermiesen lassen und weiterhin feiern: „Wir lassen uns so ein altes Traditionsfest, das es seit dem Jahre 1300 gibt, nicht durch einen solchen Vorfall vermiesen“, lässt sich Herbert Nerb (Freie Wähler) zitieren. Die „Sache“ soll so schnell wie möglich vergessen werden, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Das Video wurde mittlerweile vom Benutzer gelöscht. Nun soll in Oberstimm zur Tagesordnung übergegangen werden. Bis zum nächsten „Volksfest“, bei dem stolze Deutsche ekelhafte Parolen grölen.

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