Michael-Mythos

Michael Jackson lebt in Wanne-Eickel! Sollte er nicht mehr leben, wurde er ermordet! So funktionieren verschiedene Verschwörungsmythen, die nach dem Tod des „King of Pop” entstanden sind. Sie erinnern an die Mythen um den Tod des Elvis Pressley.

Wie Presley hätte Jackson seinen Tod nur vorgetäuscht oder sei durch Mafia, Illuminaten oder FBI ermordet worden. Michael Jackson würde nun irgendwo auf der Welt in seinem super-geheimen Domizil residieren. Seinen Tod hätte er in Wirklichkeit vorgespiegelt, der „King of Pop” sei auf diese Weise einer ruchlosen Industrie entkommen, die ihn zwingen wollte bis zum Tode zu musizieren, lautet die eine Variante des Verschwörungsmythos.

Verschiedene Jackson-Fans glauben tatsächlich, dass sie ihr Idol im örtlichen Supermarkt oder in der Tankstelle gesehen haben. Im Netz finden sich derartige Berichte, die auch mit gutem Willen wenig glaubhaft sind. Zahlreiche Internetseiten widmen sich diesem Thema.

Dort finden sich die Erlebnisberichte derer, die den „King of Pop” gesehen haben wollen. Außerdem gibt es verwackelte Handy-Fotos und schummrige Videos zu sehen, mit denen der Beweis für die wirkliche Wahrheit erbracht werden soll. Diese Verschwörungsfans sind sich sicher, Michael Jackson lebt und wurde an zahlreichen Orten auf dem ganzen Erdball gesichtet.

Eine Straße in Paris, ein Strand in der Südsee, ein Wohnzimmer in Dänemark, ein einsames Schloss in Schottland, eine Wohnung in Wanne-Eickel oder der Flughafen von Miami, Michael ist überall: Der King lebt.

Um diese abstruse Idee mit angeblichen Beweisen zu unterfüttern betreiben die Jackson-Fans, die dem Verschwörungswahn erlegen sind, noch abstrusere Zahlenspiele: Das Testament des Popstars wurde „am 07. Juli 2002 unterschrieben, exakt 7 Jahre vor der Trauerfeier”, heißt es auf der Internetseite „Michael Jackson Death Hoax Investigators”, die sich mit dem angeblich vorgetäuschten Tod beschäftigt. Mit derartigen Zahlen-Übereinstimmungen wird die Verschwörungstheorie gebastelt: „Mit Hilfe der Numerologie können die Zufälle sogar entlarvt werden”, erläutert ein Text auf auf der Internetseite. Dort wird mit Hilfe der Zahlenspielchen der Tod des Michael Jackson geleugnet.

Dies ist die eine Form des Verschwörungswahns, dem wohl nur diejenigen erliegen werden, die den Tod des Superstars nicht verkraftet haben. In der anderen Version, die eher von antisemitischen und antiamerikanischen Verschwörungsfans propagiert wird, ist Michael Jackson zwar verstorben, wurde aber durch eine Verschwörung ermordet.

Bereits kurz nach dem Tod des Popidols, am 25. Juni 2009, wurden die üblichen und üblen Verschwörungsmythen propagiert: FBI, CIA und Mossad oder Satanisten, Reptiloide und Illuminaten wurden für den Tod des Musikanten verantwortlich gemacht. „So war es bei Mölleman, so war es bei Haider, so war es bei Michael Jackson”, jammerte ein deutscher Antisemit in einem Internetforum und vermutete eine Aktion des israelischen Geheimdienstes Mossad.

Die Verschwörungswebsite „Zeitenschrift” machte ebenfalls geheimnisvolle Geheimdienste verantwortlich: „Michael Jackson habe in einer außergerichtlichen Vereinbarung dem Sohn des Königs von Bahrain, Scheich Abdullah bin Hamad al-Khalifa garantiert, seine ausverkauften fünfzig Londoner Konzerte als eine Plattform zu benutzen, um die Welt vor einem bald stattfindenden Massen-Genozid zu warnen”, heißt es hier in der Begründung.

Befeuert wurden derartige Mythen durch verschiedene Interviews, die die Mitglieder des Jackson-Clans gegeben hatten. Vater Joe Jackson sagte beispielsweise: „Ich glaube, es war Mord”. Die Schwester Latoya war sich ebenfalls sicher: „Ich weiß, wer es getan hat! Und ich gebe keine Ruhe, bis ich sie fest genagelt habe“.

Derartige Zitate wurden und werden genutzt, um die Verschwörungsmythen zu untermauern. Zwar meinte die Familie wohl eher den Leibarzt des Musikanten, Doktor Conrad Murray, der am 8. Februar 2010 wegen fahrlässiger Tötung angeklagt und am 7. November 2011 von der Jury schuldig gesprochen wurde, doch solche Details interessieren die Verschwörungsfans bestenfalls am Rande. Sie ignorieren die zahlreichen Stellungnahme der Jackson-Familie. So veröffentlichte La Toya Jackson nach dem Urteil einen „Victory”–Tweet, Joe Jackson sprach davon, dass „der Gerechtigkeit endlich Genüge getan” wurde.

Doch derartige Fakten werden ignoriert. Dafür schwafeln die Fans der angeblichen Verschwörung um Michael Jackson lieber von einem geheimen Plan, den sie durchschaut haben wollen. „Viele Künstler wie Tupac, Bob Marley, Michael Jackson und so viele andere sind einfach nur Marionetten, um die Leute mit Illuminati Gedankengut gehirnzuwaschen. Die Künstler, die das nicht mehr mitmachen wollen und aus dieser Maschinerie ausbrechen wollen, werden beseitigt”, behauptet eine Verschwörungswebsite der „Infokrieger”.

Ganz ähnliche Verschwörungsmythen propagiert auch ein Autor, der das Pseudonym „Ares Einstein” gewählt hat. Er hat bisher vier Bücher zum Thema verfasst, die in einem rumänischen Kleinstverlag erschienen sind. „Einstein” vertreibt seine Machwerke über einen Online-Shop und Amazon. Er scheint mit dem Tod des „King of Pop” gute Geschäfte zu machen.

In seinem Buch „Der Michael Jackson Code”, das tatsächlich in der Schrift „Comic Sans MS” layoutet wurde, behauptet „Einstein”, dass der Tod des Popidols „kein versehen oder die Tat eines einzelnen” war, „sondern ein gezielt geplanter Mordkomplott”. Für „Ares Einstein” sind angebliche Illuminaten, die die Welt beherrschen würden, für den Tod des Popidols verantwortlich.

Diese hätten Jackson absichtlich mit den Hautkrankheiten Lupus und Vitiligo angesteckt. Letztendlich hätten sie ihn bestialisch ermordet. Quellen und Belege bleibt „Einstein” verständlicherweise schuldig, dafür bedient er sich fast wortwörtlich aus den Texten zahlreicher Internetseiten und Foren, in denen ähnliche Behauptungen zu finden sind.

In seinem Buch „Geheimes Leben, Geheimer Mord – der Mord an Michael Jackson“ macht er „sowohl Geheimdienste als auch einflussreiche Personen des öffentlichen Lebens” für den „Jackson-Mordkomplott” verantwortlich. Der Verkauf dieser Machwerke wird durch gezielt gestreute Mythen befeuert. So sei ein Buch durch einen „Generalstaatsanwalt Marius Hinze” zensiert worden, heißt es in einem Jammer-Bericht. Trotz der angeblichen „Zensur” wird das Buch allerdings weiterhin über verschiedene Versandhandel und Webshops vertrieben.

Wahrscheinlich handelt sich um eine Zensur-Legende, die ins Leben gerufen wurde, um den Verkauf anzukurbeln. Den geheimnisvollen „Generalstaatsanwalt Marius Hinze” scheint es ebenso wenig zu geben wie das angebliche Gerichtsurteil. Doch es geht noch dreister: „Ich habe eindeutige Morddrohungen des Mafia-Clans Casalesi erhalten”, behauptet „Einstein”. Die angeblichen Hintermänner des „Mordes an Michael Jackson” wollen „den Autor der beiden Geheimreporte mit einem Todesbefehl für immer zum Schweigen bringen”, heißt es auf einer Internetseite, über die die Bücher des Autoren vertrieben werden, die zwischen zwanzig und dreißig Euro kosten.

Vom Tod des Michael Jackson profitiert also auch die Verschwörungsindustrie, diesmal in Person des „Ares Einstein”. Daneben existieren zahlreiche Verschwörungsmythen, mit denen der CIA oder gar der Mossad verantwortlich gemacht wird. Außerdem dürfen diejenigen, die den Tod des Popidols nicht verwunden haben, weiterhin durch krude Erlebnisberichte auf sich aufmerksam machen, die von der regen Gemeinde der Jackson-Truther aufgegriffen werden. Der frühe Tod des Michael Jackson ist der Stoff für moderne Verschwörungsmythen. In diesem Sinne lebt Michael Jackson tatsächlich. Zwar nicht in Wanne-Eickel, dafür aber in den Verschwörungsmythen im Internet und in den merkwürdigen Machwerken eines Verschwörungsautoren.

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