Macho Man

Der Spielfilm „Macho Man“ ist nicht nur der schlechteste Actionfilm aller Zeiten, sondern sogar einer der schlechtesten Filme aller Zeiten. Natürlich stammt er aus Deutschland. „Macho Man“ spielt in einer Zeit als die Oberlippenbärte noch en vogue waren. Gedreht wurde im Jahr 1984. In den Hauptrollen sind der Ex-Boxer Rene Weller sowie der Kickboxer Peter Althof, der heute eine Sicherheitsfirma betreibt, zu sehen.

Die Handlung des Films ist schnell erzählt: Boxweltmeister Danny Wagner (Rene Weller) und Andreas (Peter Althof) legen sich mit der Nürnberger Drogenmafia an. Da trifft es sich gut, dass die beiden Helden des Films Box- beziehungsweise Karateweltmeister sind. Zu Beginn begegnet Danny Wagner seiner zukünftigen Freundin Sandra Petersen (Bea Fiedler), der Drogendealer – aus Rache – die Spritze verabreichen wollen. Doch das blonde, weinende, hilflose Wesen wird durch den wandelnden Oberlippenbart Danny Wagner gerettet. Außerdem verhindern die Helden einen Banküberfall, in dem sie die Täter ins Koma prügeln. Als brave deutsche Staatsbürger übergeben sie der Polizei die Täter, nicht ohne Namen und Anschrift zu hinterlassen um das Kopfgeld zu kassieren. Später kommt es zum fairen sportlichen Kampf zwischen den Helden. Doch hauptsächlich werden 75 Film-Minuten dazu benutzt, die Drogenmafia aus der Provinz-Stadt Nürnberg zu vertreiben.

Der Film strotzt vor sexistischen Klischees und reaktionären Rollenbildern. Frauen werden als hilfslose Wesen inszeniert, die die Männer-Welt nur überstehen können, wenn sie sich dem guten Mann zuwenden, dem sie zu gehorchen haben. Dem sind sie natürlich auch Rechenschaft schuldig. Außerdem haut er ihr auf der Tanzfläche auf den Arsch, erklärt ihr danach Boxen und die Welt. Dazu läuft die „richtige Musik für einen alten Kämpfer“, wie er feststellt, woraufhin sie ihn mit einem gehauchten „Ja, Stark“ bestärkt. Nebenbei geht sie Schuhe shoppen, während er für Gerechtigkeit kämpft.

Der Mann wird als Boxer und Karatekämpfer heroisiert. Das zeigen die langweiligen, dafür aber einschläfernden Kampf-, Disco- und Kussszenen, die die inhaltsleeren Dialoge und letztendlich die Leere des Film übertünchen sollen. Erwähnt seien auch die langen dokumentarfilmähnlichen Aufnahmen der Stadt Nürnberg. Man könnte meinen, dass Leni Riefenstahl in den 80er Jahren einen würdigen Nachfolger gefunden hätte.

Die Helden des Films sind zudem Protagonisten, die das Prinzip einer reaktionären Selbstjustiz pflegen. Sie erfüllen den spießigen Traum von einer puritanischen bürgerlichen Gesellschaft, die auf jede Form des Rausches verzichtet soll. „Meine Jungs machst du mir nicht kaputt“, macht Danny Wagner klar, während im Hintergrund seine „Jungs“ im Boxring aufeinander einschlagen. Wenig später bilden sie zwar keinen NPD-Ortsverein, dafür aber eine Bürgerwehr, die die Drogendealer verprügelt, die ihre Wohnungen mit „Sex Pistols“-Parolen verunstaltet haben: Auch dafür gibt es „was auf die Ohren“. Das einzig Gute sind die Dialoge, die heute unfreiwillig komisch wirken. Auf die Frage, warum Sandra sich einen Boxkampf anschaut, antwortet sie:

Man muss doch wissen was alles passieren kann und warum.

Hervorzuheben sind auch die Klamotten. Wer sich Anregungen für die nächste 80er Jahre Party holen möchte, kann mit diesem Film nichts falsch machen. Außerdem gibt es noch einen Doktor, der von den Helden zunächst in die Disco verschleppt, dort zurückgelassen wird und erst mal ein Pfeifchen raucht. Eine sinnlosere Szene hat es wohl nie mehr zu sehen gegeben: Allerdings passt sie zu diesem Film, dem sowohl eine stringente Handlung als auch ein Spannungsaufbau vollkommen fremd sind.

„Macho Man“ ist – wenn das überhaupt möglich ist – noch viel schlechter als „Hai Alarm auf Mallorca“,„Die Supernasen“, „Die Grenze“ oder „Feuer, Eis und Dosenbier“. Im Gegensatz zu diesen Erzeugnissen der deutschen Kultur wird „Macho Man“ wahrscheinlich nie mehr bei Super-RTL oder Tele 5 zu sehen sein. Es gibt ihn noch nicht einmal auf DVD, was das „Polizeipräsidium Mittelfranken“ nicht vor der Verantwortung befreit, dieses Machwerk auch noch unterstützt zu haben. „Macho Man“ ist vollkommen zu Recht fast so vergessen wie der „Hitler Boxer-Rap“, an dem sich Rene Weller ansonsten versuchte.

„Macho Man“. Deutschland 1984. Regie & Drehbuch: Alexander Titus Benda, Kamera: Adi Gürtner, Klaus Werner, Musik: Michael Landau. Darsteller: René Weller (Dany Wagner), Peter Althof (Andreas), Bea Fiedler (Sandra Petersen), Jacqueline Elber (Lisa), Michael Messing (Markus) & Horst Schreiner (Doktor).

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