Disco, KZ & DDR-Familie

Heute fahren deutsche Sozialisten im Sommer auch gen Farkha, um den antisemitischen Kampf gegen Israel mit hohen Geldsummen zu unterstützen. Früher ging es für den Nachwuchs vor allem in die DDR. Im postnazistischen Nachkriegsdeutschland, in dem die neugegründete Kommunistische Partei Deutschland erneut verboten war, straften antikommunistische Richter – unter ihnen viele mit NS-Erfahrung.

Zwei Frauen standen 1961 gar wegen “landesverräterischer Beziehungen”, “staatsgefährdender Nachrichtendienste” sowie “Rädelsführerschaft bei der Förderung einer verfassungsfeindlichen Organisation” vor Gericht. Die Mitarbeiterinnen der westdeutschen Arbeitsgemeinschaft “Frohe Ferien für Kinder” organisierten seit 1954 Fahrten in den ostdeutschen Staatskapitalismus. In Westdeutschland legte die Staatsanwaltschaft dem Gericht sogar Tagebucheinträge von Kindern vor, um den beiden Frauen den kindlichen Kontakt zu sowjetischen Rotarmisten nachzuweisen. Das abenteuerlicher Urteil: ein Jahr Gefängnis sowie fünf Jahre “Ehrverlust”.

In den 1980ern boten deutsche Sozialisten erneut Reisen in das kleinere Deutschland an. Antikommunistische Skandalurteile blieben aus, Werbung erschien in der örtlichen Parteipresse. “Tolle Ferien in der DDR”, hieß es beispielsweise in der “Bismarcker Lupe”, die kurz vor dem Kollaps der ostdeutschen Bürokratie erschien. Der vergleichsweise günstige Ferienspaß an der Berliner Seenplatte versprach drei Hauptmahlzeiten, etwas Kuchen und eine Sanitätsstation. Körperliche Aktivitäten sowie “öfter mal ne Disco” gehörten ebenfalls zum Reiseprogramm.

“Besuch einer Mahn- und Gedenkstätte (meist ein ehemaliges Konzentrationslager) sowie als absoluter Knüller einen Tag Gast in einer DDR-Familie (jeweils 2 Kinder)”.

So warb die DKP-Werbeschrift. “Sie sehen, es ist so ziemlich alles dabei”, säuselte das DKP-Blatt. KZ-Besuch, etwas Disco und eine echte DDR-Familie: DKP-Urlaub, 1989. Die deutsche Vereinigung beendete die Ferienfahrten. Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda und Solingen folgten, während die verbliebene DKP-Mitgliedschaft fortan auf die “Anmeldung zur Kinderferienfahrt” verzichten musste.

Bismarcker Lupe, Stadtteilzeitschrift der DKP-Bismarck, 04/1989

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