Nazis im Weltall

Manchmal kommen die Nazis mit „Reichsflugscheiben“ aus dem Erdinneren. Es ist kaum zu glauben, aber es gibt tatsächlich Menschen, die behaupten, dass sich die ehemalige Elite der Nationalsozialisten nach 1945 in der Antarktis angesiedelt hätte. Nach dieser wahnhaften Verschwörungstheorie haben sich die Nazis 1945 in der Antarktis, im sogenannten „Neuschwabenland“, niedergelassen. Sie führen von dort einen Krieg gegen die Alliierten.

Kein Wunder, dass solch eine Idee, die an schlechte Science Fiction erinnert, literarisch aufgegriffen wurde, um einer deutschen Leserschaft einen völkisch-braunen Mythos zu präsentieren. Inbesondere der schweizerische „Unitall“-Verlag, ein Ableger des deutschen „Hans-Joachim-Bernt-Verlages“, der die recht bekannte Science Fiction-Serie „Perry Rhodan“ vertreibt, macht mit solch brauner Science Fiction auf sich aufmerksam.

Ein Beispiel wäre die teilweise indizierte Romanreihe „Stahlfront“. In diesem Machwerk werden die Abenteuer des ehemaligen BND-Mannes Magnus Wittmann geschildert, der sich nach einem Erweckungserlebnis in einer Art Weltkrieg wiederfindet, den die „Arier“ aus dem Eis gegen bösartige Aliens führen. Diese bedienen sich bestimmter Menschen, Amerikaner und Jüdinnen und Juden, um durch diese eine Veränderung der Erdatmosphäre hervorzurufen. Letztendlich wollen die Aliens angenehmere Lebensbedingungen auf der Erde schaffen, um den Planeten zu kolonialisieren.

Der Held dieser plumpen Nazi-Propaganda kämpft mit den „Thule-Truppen“: Das sind „Super-Nazis vom Südpol“ (Spiegel). In selbstgebauten Ufos, den „Reichsflugscheiben“, bekämpfen sie sowohl die finsteren Außerirdischen als auch ihre irdischen Handlanger_innen. Diese Science Fiction Reihe stellt eine Aneinanderreihung plumper, rassistischer Vorurteile und kaum verklausulierter antisemitischer Hetze dar. Zwischendurch wird das Machwerk durch unsägliche sexistische Zuschreibungen unterbrochen. All das wie geschaffen für Nazis und für jene, die mit solchen Gedankengut sympathisieren. Aber auch andere deutsche Reaktionäre, die von einer geheimen Armee der deutschen Übermenschen träumen, dürften diesen Stoff mit großer Freude erlesen.

Was auf der einen Seite als pseudolitararische Auseinandersetzung daherkommt, ist auf der anderen Seite eine im Internet verbreitete Verschwörungstheorie, die tatsächlich davon ausgeht, dass die Nazis in der Antarktis, im „Neuschwabenland“, eine neue Heimat gefunden haben und von dort den Zweiten Weltkrieg fortsetzen.

Die Propagandisten vom „Neuschwabenland“ haben ein Gebilde geschaffen, mit dem sie tatsächlich die Behauptung aufstellen, dass die Nachfahren der Nazis und sogar Adolf Hitler höchstpersönlich im eiskalten Eis überwintern würden, um von dort den Zweiten Krieg fortzuführen, der auf diese Art und Weise noch immer nicht verloren ist.

Solche Phantasien wurden bereits kurz nach der militärischen Zerschlagung des Nationalsozialismus kolportiert. So propagierte der argentinische Journalist Ladislas Szabo am 16. Juli 1945 in der „La Critica“ erstmals die Vorstellung einer Flucht Hitlers in die Antarktis:

Die Geschichte erwies sich als so erfolgreich, dass sie von zahlreichen Zeitungen übernommen wurde, von denen die meisten sie allerdings später widerriefen. Als am 17. August 1945 ein weiteres deutsches U-Boot – U 977 – in Mar del Plata auftauchte, war Szabo endgültig von der Richtigkeit seiner Thesen überzeugt und machte sich daran, ein Buch zu verfassen, welches den Grundstein aller späteren Verschwörungstheorien um Neuschwabenland bilden sollte: ‚Hitler está vivo‘ (Hitler ist am Leben) erschien 1947 im argentinischen Tabano-Verlag und wurde über Nacht zu einem Bestseller der Verschwörungsliteratur.

Die krude Verschwörungstheorie von den Nazis in der Antarktis erfreut sich in braun-esoterischen Kreisen einer ungeheuren Beliebtheit. Nach der deutschen Niederlage 1945 versuchten sich verschiedene Ideologen des Nationalsozialismus an einer esoterischen, religiösen Deutung: Adolf Hitler und der ihn umgebende Führungszirkel wurden als mystische Macht geschildert, die den Krieg überlebt hätten. Diese würden Ufos und Geheimbasen besitzen und den zweiten Weltkrieg bis zur herbeigesehnten Wiederkehr des „Reiches“ fortführen.

Verantwortlich für derartige Theorien war unter anderem der chilenische Nationalsozialist Miguel Serrano, der einen esoterischen Science Fiction Cocktail propagierte:

Exoterisch gesehen hat das Dritte Reich den Zweiten Weltkrieg verloren, doch auf der feinstofflichen Ebene geht der Kampf bis heute weiter. Es ist nicht nur ein Kampf zwischen Menschen, sondern auch zwischen überzeitlichen Mächten. Geheime Obere benutzten und benutzen Adolf Hitler im Kampf des Lichts gegen die Finsternis, der seinen Ursprung auf anderen Planeten hat. Die Arier stammen ursprünglich nicht von der Erde. Ihre Vorfahren sind weiße Götter, die bei der Schwarzen Sonne lebten, die vielleicht sogar in einer anderen Dimension liegt (…). Adolf Hitler ist nicht tot. Er lebt und kämpft im Inneren der Erde (…), dessen Eingang in der Antarktis ist. Inzwischen ist er vielleicht sogar per UFO im Weltall verschwunden.

So propagieren verschiedene Nazis und andere Verschwörungsgläubige bis heute nicht nur die Existenz von Nazis in der Antarktis, sondern berichten auch von „Reichsflugscheiben“ und anderen geheimen Flugobjekten, mit denen sie Ufo-Sichtungen erklären.

Im Rahmen der „Hohle Erde“-Theorie wird behauptet, dass sich unter der Antarktis riesige unterirdische Höhlen befinden würden, die von den Nachfahren der historischen Nationalsozialisten bewohnbar gemacht worden wären. Verschiedene Verschwörungsideologen, wie zum Beispiel der antisemitische Autor „Jan van Helsing“ (eigentlich: Udo Holey) behaupten sogar, dass die Nordpol-Nazis Kontakte zu außerirdischen „Ariern“ pflegen würden.

In seinem 1997 erschienen Machwerk „Unternehmen Aldebaran“ halluzinierte Holey von einem geheimen Kontakt zwischen der nationalsozialistischer SS und Außerirdischen vom Planeten Aldebaran. Außerdem reicherte er sein Werk durch umfangreichere Bezüge auf NS-Ufos und auf geheime Basen in der Antarktis an.

Derartige Theorien finden sich in verschiedenen Formen auf zahlreichen Internetseiten. Die erwähnte Roman-Reihe „Stahlfront“ stellt nur eine entsprechende Fortführung dieser wahnhaften Verschwörungstheorien dar. In beiden Fällen kommen die Nazis auch aus dem Weltall; in geheimen„Reichsflugscheiben“ und mit besten Kontakten zu außerirdischen Nazi-Wesen vom Planeten Aldebaran.

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