Die Brut des Bösen

Der zweitschlechteste Action-Film, der jemals gedreht wurde, hört auf den schaurigen Namen „Die Brut des Bösen“. Der Film aus dem Jahr 1979 wäre nicht ohne den Schlagersänger Christian Anders entstanden, der mit seinem Schmalzstück „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“ die Herzen der Zuhörer_innen erfreute.

In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wollte sich Christian Anders als ernstzunehmender Action-Darsteller etablieren. Dieser Versuch ist gründlich misslungen, vielleicht auch weil der Schlagersänger eine schlechte Bruce Lee Kopie abgab. Für „Die Brut des Bösen“ schrieb Anders das Drehbuch, führte Regie, trat als Hauptdarsteller auf, besorgte den Schnitt und verantwortete den Soundtrack. Natürlich war er auch Stuntkoordinator. Christian Anders tat also alles in seiner Macht Stehende, um dem Film seinen Stempel aufzudrücken.

In „Die Brut des Bösen“ spielt Anders den Karatelehrer Frank Mertens (Gesprochen: Fränk Märtens), der in Madrid eine deutsche „Karateschule“ betreibt. Zu Beginn der Handlung wird Frank Mertens als grundgütiger, heldenhafter Vorturner seiner eigenen Karateschule gezeigt, die dieser von seinem Meister übernommen hat, der von unbekannten Tätern gemeuchelt wurde.

In seiner Karateschule predigt Mertens eine esoterische Anders-Ideologie, die von Gewaltlosigkeit und Frieden geprägt ist, was in der Praxis seltsamerweise darauf hinausläuft, das der Held des Films – ohne Skrupel – innerhalb der nächsten 75 Filmminuten eine Menge Knochen bricht und Gehirnerschütterungen verursacht.

Als ein internationaler Drogenhändler, laut VHS-Klappentext der „größenwahnsinnige Zwerg Van Bullock“(Deep Roy), in der Nachbarschaft ebenfalls eine Karateschule eröffnen möchte, will dieser die Kampf-Konkurrenz des Frank Mertens nicht dulden. Schließlich will er alle Karatekas der Stadt mit Heroin-Spritze versorgen und so ein großes Geschäft machen. Dieses Unternehmen hat der Drogendealer bereits erfolgreich in Tokio umgesetzt, wo es anscheinend keine anderen Karateschulen und keinen Frank Mertens zu geben schien. Ihm Zur Seite steht sein „sklavisch ergebener Zwei-Meter-Leibwächter Komo“ (Fred Harris ), der „für ihn die Schmutzarbeit“ erledigt.

Unterstützt wird der zwielichtige Bösewicht Van Bollock außerdem von einem ebenso zwielichtigen Immobilienmakler, der dem Bösewicht bei der Vertreibung des Frank Mertens zur Seite steht. Der Immobilienmakler hört nicht nur auf einen Namen, der beim deutschen Zuschauer bestimmte Assoziationen auslösen soll, sondern spricht auch mit einem dementsprechenden Slang.

Immobilienmakler Oblonsky spricht nämlich so, wie sich der ordinäre Antisemit seine Hassphantasie vorstellt. Auf diese Art und Weise wird innerhalb des Films eine Figur geschaffen, die die üblen antisemitischen Klischees vom gierigen jüdischen Geschäftemacher reproduziert, der für den Profit vor keiner Tat zurückschreckt.

Die perfiden Pläne des kleinen Bösewichts Van Bullock gehen natürlich nicht auf. Sämtliche Schläger, die er bei Frank Mertens vorbeischickt, werden postwendend zusammengeschlagen; ein ihn verfolgendes Auto rennt der Filmheld einfach davon. Doch Drogenboss Van Bullock hat noch ein Ass – seine Geliebte Cora (Dunja Rajter) – im Ärmel, die er auf den Helden, den blonden Schläger Frank Mertens, ansetzt.

Mertens hat zwar eine Art Geliebte, seine blonde und folgsame Sekräterin, die „kein unreifes kleines Mädchen mehr“ sein möchte, doch in einem schwachen Moment lässt sich der heroische Held von Cora verführen. In der Nacht hinterläßt sie ihm ein Päckchen Heroin. Filmheld Frank Mertens landet tatsächlich im Knast. Aus diesem Gefängnis wird natürlich geflüchtet, um dem wahren Bösewicht zur Rechenschaft zu ziehen, der für den Tod des Meisters verantwortlich ist. Es folgt der belanglose Showdown, den Mertens natürlich mit aller Bravour und ohne große Überraschungen übersteht.

„Die Brut des Bösen“ ist ein handwerklich unglaublich schlecht gemachter Film. Da sind Mikrofone im Spiegel zu sehen, da verlieren Darsteller von einer auf den anderen Schnitt Uhren oder Klamotten, da öffnen sich Jacken. Da teleportieren sich Darsteller sogar auf mysteriöse Art und Weise von einer Sekunde auf die andere an einen anderen Ort. Die Kampf-Szenen sollen wohl an Martial-Arts-Filme erinnern, wirken aber wie Karikatur auf dieses Genre. Hinzu kommen die jämmerlichen Dialoge, die nur dazu dienen, eine Welt zu schaffen, in der sich Christian Anders als heldenhafter Charakter inszenieren kann.

Die fast schon pädagogische Inszenierung ist durchaus anstrengend. Doch vor allem ist „Die Brut des Bösen“, von dem uralte VHS Versionen für mehrere hundert Euro bei Amazon zu erstehen sind, schlimmster Film-Trash, auch wenn er als ernstzunehmender Actionfilm geplant und umgesetzt wurde.

Christian Anders drehte weitere Filme wie „Die Todesgöttinnen des Liebescamps“. Nach diesen Ausflügen auf die Filmleinwände der Bundesrepublik war es mit der schauspielerischen Karriere schnell vorbei. Dafür vertritt der Schlagerbarde heute Inhalte, die die Dummheit des Films noch übertreffen. Das klingt, angesichts dieses Films, wie eine hanebüchene These: Schließlich ist die „Brut des Bösen“ einer der schlechtesten Filme aller Zeiten, doch die heutigen Ideen des Christian Anders sind dermaßen hanebüchen, dass sie den damaligen Film bei weitem übertreffen. Unglaublich, dass das überhaupt möglich ist.

Laut Anders „hätten die meisten Mensch früher auf dem ‚Vorgängerplaneten Mond‘ gelebt. BSE würde durch das ‚Kuhvirus BSV‘ ausgelöst, das auch AIDS auslöse und zu einer ‚Gehirnfäule bei Kuh und Mensch‘ führe. BSE sei die Ursache für HIV-II-Infektionen.“

Unter dem Pseudonym Lanoo veröffentlichte Anders mehrere Bücher zu esoterischen Themen und Verschwörungstheorien, die ihm teilweise durch das Lichtwesen Maha-Chohan diktiert bzw. gechannelt worden seien (…) Natascha Kampusch sei nie entführt worden, Milch sei giftig und der Milchkonsum verursache Osteoporose. Albert Einstein sei ein Betrüger, der lediglich deshalb berühmt geworden sei, weil er Jude war (…). Darüber hinaus verfasst er politische Lieder, z.B. Der Hai, in denen er unverhohlen antisemitische Inhalte propagiert.

S0 beschreibt die Webseite Esowatch den aktuellen Anders. Es kann also noch viel schlimmer kommen. Allerdings wirft die Figur des Immobilienmaklers ein bezeichnendes Licht auf diesen Film, mit dem sich erahnen lässt, wohin die ideologische Reise des Christian Anders gehen sollte.

Die Brut des Bösen. Deutschland, 1979. Regie: Christian Anders. Drehbuch: Christian Anders. Darsteller: Christian Anders, Dunja Reiter, Deep Roy, Fred Harris & Ria Kemp. Musik: Christian Anders. Stundkoordinator: Christian Anders. Schnitt: Christian Anders.

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