Der Schauprozess

In der dritten Episode der klassischen Serie “Mission Impossible” bekommt es der Anführer des IMF-Teams, Dan Briggs (Steven Hill), mit einem Terroristen zu tun. Imre Rogosh (Fritz Weaver) ist als Mörder bekannt, der in Afrika, Asien und Südamerika für Anschläge verantwortlich war, die tausenden Menschen das Leben kosteten. Als der Terror-Pate, der im Auftrag einer ominösen Volksrepublik tätig ist, nach Los Angeles kommt, befürchten die Auftraggeber des IMF-Kommandos, dass weitere Anschläge in den Staaten geplant sind.

Inszenierung eines Unfalls

Daher erhält Briggs ein weiteres Mal ein Tonband, das in einem Fahrzeug deponiert ist. Die auf dem Band befindliche Botschaft fordert den schweigsamen Geheimagenten auf, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um den Terroristen zu Rogosh stoppen. Im Gegensatz zu anderen Episoden, bei der sich die Botschaft von selber zerstört, muss Briggs tätig werden. Er führt das Tonband einem Feuer zu, bevor er seine Agenten wählt, die für diesen Auftrag in Frage kommen. Zum Team gehören ein tollkühner Motorradfahrer und die üblichen Verdächtigen, die zum regelmäßigen Cast der Serie gehörten.

Dass die IMF-Agenten nicht zimperlich sind, zeigt sich in den folgenden Szenen. Als Rogosh durch die Stadt der Engel flaniert, wird er durch den Motorradfahrer attackiert. Aufgrund der Verletzungen kann Rogosh auf offener Straße entführt werden. Als der Terrorist erwacht, befindet er sich in einer Zelle. Die Geheimagenten, die durch zahlreiche Hilfskräfte unterstützt werden, gaukeln Rogosh vor, dass er sich in seiner Heimat, einer Volksrepublik, befindet. Nun droht ihm ein Schauprozess, in dem es um die Taten geht, die der Terrorist in vergangenen Zeiten begangen hat.

Knast im Kalten Krieg

Der Mörder glaubt, dass seit den Ereignissen in Los Angeles drei Jahre vergangen sind. Weil in dem Schauprozess, bei der die Mitglieder des Agenten-Teams in die Rollen des Anklägers, des Verteidigers und des Richters schlüpfen, über die Vergangenheit gerichtet wird, erhoffen sich Briggs und die anderen Agenten, dass Rogosh über den Plan berichtet, den er in Los Angeles ins Rollen brachte. Doch Imre Rogosh, der als osteuropäischer Kommunist inszeniert wird, ist von Misstrauen zerfressen. Es droht die Gefahr, dass der paranoide Terrorist den Plan des IMF-Teams durchschaut. Zugleich versucht ein ehemaliger Genosse, seinen Anführer umzubringen, damit dieser keine Geheimnisse verrät.

Zahlreiche Komparsen ergänzen den Hauptcast in dieser Episode. Schließlich treten namenlose Schließer, Wärter und Handwerker auf, die im Gefängnis, einem Schloss, beschäftigt sind. Zwar wurde bei der Umsetzung auch im Studio der Desilu Productions gedreht, aufwendige Außenaufnahmen, die zur Lebendigkeit der Episode beitragen, ergänzen allerdings das Material.

Dabei werden ideologische Inhalte präsentiert, die dem Antikommunismus der sechziger Jahre entsprechen. Der Terrorist ist ein braver Bürger der totalitären Volksrepublik, in deren Auftrag er bestialische Morde begeht. Rogosh ist nicht überrascht, dass ihm der Prozess droht, der angeblich ein Resultat innerer Fraktionskämpfe blutrünstiger Kommunisten ist. Derartige Inhalte prägen die erste Staffel der Serie, die im Geist des Kalten Krieges geschrieben wurde. “Operation Rogosh”, so der englische Episodentitel, ist da keine Ausnahme.

Erweiterung des Drehbuches

Im Laufe der Folge, die bereits in den sechziger Jahren ausgezeichnet wurde, entwickelt sich ein sehenswerter Kampf zwischen dem mißtrauischen Terror-König und den schauspielernden Geheimdienstlern, Autor Jerome Ross wurde daher für sein Drehbuch mit dem Edgar Award der “Mistery Writers of America” belohnt.

Die ursprüngliche Fassung enthielt weitaus weniger Muster, die die Serie prägten. So war zunächst vorgesehen, dass Brigs den Auftrag durch einen Offizier des Geheimdiensters erhält. Die typische Apartment-Szene war ebenfalls nicht im Drehbuch enthalten. In der letztendlich gedrehten Fassung des Drehbuchs wurden diese Szenen hineingeschrieben, um die bereits im Pilotfilm etablierten Stilmittel zu verwenden, die für den hohen Wiedererkennungswert sorgen..

In der deutschen Version wurde der Titel verändert. Die Episode hieß nun “Der Brunnenvergifter”, womit auf das drohende Attentat angespielt wird, das der amerikanischen Metropole droht. Der durch den Titel entstehende Spoiler verrät einen Teil der Auflösung, wodurch der Folge die Spannung genommen wird. Die Synchronisation bleibt weiterhin ein Ärgernis. Schließlich wird der Auftrag unter anderem mit der Bitte “Kobra – übernehmen sie!” versehen, die im englischen Original nicht zu hören ist.

Mission Impossible – S01E03 – Operation Rogosh. Drehbuch: Jerome Ross. Regie: Leonard Horn. Darsteller: Steven Hill, Fritz Weaver, Barbara Bain, Martin Landau, Greg Morris & Peter Lupus