Nichts ist vergessen! Niemand ist vergessen!

Am 10. November 2018 beteiligten sich ein paar hundert Menschen am Erinnerungsgang, der an die lokalen Ereignisse von 1938 anknüpft. Damals trieben Nationalsozialisten jüdische Männer von der Polizeikaserne am Pferdemarkt zum Gerichtsgefängnis, worauf die hiesige Bevölkerung mit Begeisterung reagierte. Ein Großteil der Gefangenen fiel der Shoah zum Opfer. Mit dem Gang erinnern Einheimische an die Geschehnisse.

Während es in den Vorjahren Attacken auf Menschen gab, die sich mit der israelischen Fahne beteiligten, blieben solche Vorfälle in diesem Jahr aus. Bekannte Israel-Gegner_innen, die sich dem Boykott des Judenstaates verschrieben haben, beteiligten sich nicht. So konnten Teilnehmer_innen diese “wohl eindeutigste Bekundung eines konkreten Antifaschismus” tragen, ohne dass es in diesem Jahr zu verbalen oder gar körperlichen Belästigungen kam.

Mit der Kritik des deutschen Gedenkens befasst sich derweil ein hörenswerter Beitrag, der im Radio Corax ausgestrahlt wurde.

Disco, KZ & DDR-Familie

Heute fahren deutsche Sozialisten im Sommer auch gen Farkha, um den antisemitischen Kampf gegen Israel mit hohen Geldsummen zu unterstützen. Früher ging es für den Nachwuchs vor allem in die DDR. Im postnazistischen Nachkriegsdeutschland, in dem die neugegründete Kommunistische Partei Deutschland erneut verboten war, straften antikommunistische Richter – unter ihnen viele mit NS-Erfahrung.

Zwei Frauen standen 1961 gar wegen “landesverräterischer Beziehungen”, “staatsgefährdender Nachrichtendienste” sowie “Rädelsführerschaft bei der Förderung einer verfassungsfeindlichen Organisation” vor Gericht. Die Mitarbeiterinnen der westdeutschen Arbeitsgemeinschaft “Frohe Ferien für Kinder” organisierten seit 1954 Fahrten in den ostdeutschen Staatskapitalismus. In Westdeutschland legte die Staatsanwaltschaft dem Gericht sogar Tagebucheinträge von Kindern vor, um den beiden Frauen den kindlichen Kontakt zu sowjetischen Rotarmisten nachzuweisen. Das abenteuerlicher Urteil: ein Jahr Gefängnis sowie fünf Jahre “Ehrverlust”.

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Isolation & Einsamkeiten

Gegen das “System wechselseitiger Konzessionen” und für die “öffentliche, authentische Isolation”. So positionierte sich Karl Marx. Freund Engels betont in seiner Antwort, dass die Beiden “keinen Support von der Partei irgendwelchen Landes” benötigen. Folge sei aber “auch eine gewisse Einsamkeit…”

Soldat der Querfront

Ostern ist ein ritualisiertes Fest, das deutsche Kleinbürger_innen erfreut. Alte Linke zieht es in die Innenstadt meiner kleinen Provinzmetropole, die manchen Menschen im ländlichen Ostfriesland als Anlaufstelle der Zivilisation gilt. Jedes Jahr mobilisiert das “Oldenburger Friedensforum” zum Ritual für bewegte Einheimische, die in und um die norddeutsche Kleinstadthölle leben. Zum diesjährigen “Ostermarsch” brachte die langjährige Veranstaltungsleitung eine sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete als Vorsprecherin in die Stadt. Sevim Dagdelen trug in den letzten Jahren mit verschwörungsideologischen Positionen zur Unwählbarkeit ihrer Gruppierung bei. Die Linkspartei-Deputierte erhielt rhetorische Unterstützung durch einen ehemaligen Berufssoldaten, der in der Vergangenheit für verschwörungsideologische Organe wie das deutschnationale “Compact”-Magazin schrieb.

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Planschen in “Palästina”

“Der nächste Stopp ist ein Schwimmbad. Hier sollen wir uns nun endlich wirklich erholen. Es gibt zwei Becken, eines für Männer und eines für Frauen. Um das Becken der Männer ist ein Garten angelegt (…). Das Becken der Frauen ist blickdicht abgeschirmt mit Mauern drum herum, einem verdeckten Eingang und verhängten sehr hohen Zäunen. (…) Es geht hierbei um Hygiene, nicht um die Verdeckung weiblicher Reize. (…) Auch Frauen, die Hijab tragen sollen sich hier sicher vor Männerblicken frei bewegen und sich amüsieren können. Nach der ersten Irritation fühlen wir uns schnell wohl in dieser Frauenwelt, planschen wild herum und lachen viel über uns mit unseren komischen Badekappen.”

Aus dem Reisebericht einer linksdeutschen Truppe, die zum diesjährigen Farkha-Festival der antisemitischen “Palestinian People’s Party” fuhr. Die Reiseleitung um den Aktivisten Kerem Schamberger “konnte 5.000 Euro Spenden zur Finanzierung des Farkha-Festivals  mitbringen”. Einen Bericht über die letztjährige Zusammenkunft junger Antisemit_innen gibt es hier.

Heimatschutz im DKP-Blatt

Die Juni-Ausgabe des “blickpunkt”, publiziert durch eine hessische Ortsgruppe der “Deutschen Kommunistischen Partei” (DKP), illustriert den ideologischen Zustand dieser Struktur. In ihrer Zeitschrift suhlt sich die DKP Mörfelden-Walldorf im traditionsreichen Anti-Amerikanismus, dessen Triebkraft die Liebe zur deutschen Heimat ist. “Ami go Home”, heißt es daher auf der fünften Seite des DKP-Blattes, das sich ansonsten gegen konkrete “Steuerhinterzieher” wie Uli Hoeneß sowie bestimmte Unternehmen wie “Google, Amazon, Ikea, Starbucks und Co” wendet, was viel über die Analysen des deutschen Sozialismus offenbart.

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Kleinstadthölle VII

„Moin“, „Moin, Moin“ oder „Tag, Moin”: Wie gruselige Grußformeln gehören lokalpatriotische Heimatvereine zur plattdeutschen Kleinstadthölle. Ihre Autoaufkleber dienen mancher Person als Zeichen der Zugehörigkeit. Beispiele für diese irrationale Identifikation mit der ostfriesischen Scholle finden sich auf den Fahrzeugen, die diesen Kleinbürger_innen als Fortbewegungsmittel dienen: “Ick schnack Platt”, heißt es auf einem exemplarischen Aufkleber, den der “Bürger- und Heimatverein Barßel e.V.” vertreibt.