Apelle des Appeasements

Zum diesjährigen Osterfest drohen altbekannte Rituale: Während einige Menschen ihren Nachwuchs mit der mystischen Geschichte vom Hasen malträtieren, marschieren andere Personen durch Straßen, um für Frieden zu streiten. Dass es um konkrete Parteinahmen geht, beweisen die diesjährigen Aufrufe zum „Ostermarsch“, die aktualisierte Forderungen enthalten. Einige Organisator_innen kämpfen für eine „neue Politik“, die Appeasement mit dem Islamfaschismus erfordert.

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Präsentation eines Verschwörungsideologen

Am 5. Januar 2017 präsentierte Wolfgang Gehrcke seine als Sachbuch getarnte Kampfschrift „Rufmord – Die Antisemitismus-Kampagne gegen links” in einem „Gesellschaftshaus“ genannten Etablissement. Offizieller Veranstalter war das “Oldenburger Friedensbündnis”, das ansonsten durch die Organisation des Ostermarsches ritualisierte Aktivitäten in Oldenburg entfaltet. Aktuelle Ereignisse dienten als Anlass, um den Deputierten der sogenannten Linkspartei zur “Buchvorstellung mit anschließender Diskussion” einzuladen. Kritische Wortmeldungen blieben nicht aus. Antideutsche Communist_innen intervenierten mit einem Reader.    

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Sternstunden des TV-Journalismus (II)

Jede Woche erscheint eine Zeitschrift, die sich „die aktuelle“ nennt. Das Blatt der Funke Mediengruppe berichtet eigentlich über „VIPs und Königshäuser“. Science-Fiction Filme gehören bestimmt nicht zu den Themen, die oft im Magazin besprochen werden. Tode sind Anlass für einen Nachruf, der „‚Prinzessin Leia‘ aus den ‚Star Trek‘-Filmen“ erwähnt. Nicht einfach, die beiden größten Franchises aus dem Bereich Science-Fiction zu trennen, wenn ansonsten Prinz Harry, Krebserkrankungen und Ehedramen im Mittelpunkt stehen.

Faksimile aus der Fachzeitschrift

 

Volkstanz gegen Pop und Pornos

Die „Rote Garde“ entwickelte als Jugendverband der „Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten“ (KPD/ML) besondere Formen der Kulturarbeit, mit der ein „Kampf gegen die ideologische Beeinflussung und Vergiftung der Jugend“ angegangen werden sollte. Auf dem „1. Ordentlichen Kongress der Roten Garde“, der zwischen dem 13. und 15. Mai 1978 mit einem „Massenzeltlager“ und einer „Großveranstaltung“ begangen wurde, forderten Vorsitzende eine politische Praxis, die aus der Diffamierung damaliger Popkultur erwuchs.

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Donald, Drogen, Zionisten

„Kämpfende Jugend“: Zentralorgan des Jugendverbandes der „Kommunistischen Partei Deutschlands“ (KPD/AO), die zwischen 1970 und 1980 für „ein unabhängiges, vereintes und sozialistisches Deutschland“ eintrat. Ihre Mitglieder, die sich als proletarische Kader_innen inszenierten, glorifizierten den chinesischen Staatskapitalismus. Hass gegen Israel vermengte sich mit völkischen Positionen. Mythen dienten der Untermauerung des Standpunkts. Der Zionismus, Comicfiguren und berauschende Substanzen erregten den Unwillen des Jugendverbandes. Heute feiern derartige Positionen, auch durch die Propaganda von maoistischen Jugendbanden, ein unschönes Comeback.

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Werbung im Parteiauftrag

„Bei der ‚Lao Brewery Company‘ gehen die Uhren etwas anders. Nicht nur, dass uns der Braumeister (…) in exzellentem Deutsch begrüßt, weil er seine Ausbildung in Dresden gemacht hat, sondern die Entlohnung (…) ist mit etwa 300 US-Dollar monatlich fast doppelt so hoch wie anderswo im Land. (…) Man hat auf dem riesigen Gelände modernste Brauereianlagen vor sich, die vorwiegend aus deutscher Produktion sind; Arbeitsschutz und Nachhaltigkeit werden groß geschrieben. (…) Inzwischen sucht die Lao Brewery Company ausländische Absatzmärkte. Die Qualität des auf Reisbasis gebrauten Bieres rechtfertigt die Idee.“

Marketing für ein Bierunternehmen? Begeistertes Schreiben eines reisenden Trinkers? Tatsächlich stammen die Zeilen aus dem Reisebericht einer DKP-Delegation, die derzeit in Laos und Vietnam „Wege zum Sozialismus“ erkunden möchte. Dabei besuchten die Kader der K-Gruppe, auf Einladung der „Laotischen Revolutionären Volkspartei“, auch einen „Vorzeigebetrieb“ zur Bierproduktion.

Über die nepotistischen Strukturen der einladenden Organisation, in der in staatskapitalistischer Tradition die Verwandten von Parteikadern hohe Ämter in der Nomenklatura bekleiden, berichten die Autoren nicht. Dafür erfreuen sie sich an „Arbeitsschutz und Nachhaltigkeit“. Phrasen deutscher Sozialisten, die sich weiterhin für den Staatskapitalismus in der Ferne begeistern.

Der Abend der Sozialdemokratie

Oldenburg: Ansammlung von Häusern in der Grenzregion zu Ostfriesland. Besorgte Bewohner_innen betreiben anti-israelische Debatten, die Leserbriefspalten, Weblogs und Kommentarfelder füllen. In den vergangenen Monaten urteilten sie über Israel, weil sich ein hiesiger Pädagoge als Aktivist der antisemitischen Bewegung „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS) inszeniert. Nun wurde auch unter Sozialdemokrat_innen über den Aktivisten, die Boykottkampagne und Israel gesprochen.

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Feindbilder des deutschen Maoismus

Popmusik, Comics Pornographie, Fernsehen und Film hindern am Klassenkampf. Aus einer „Stellungnahme der Zentralen Leitung des KABD zur Jugendarbeit und den Aufgaben des RJVD'“. Der „Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands“ ging in den 1980er Jahren in der MLPD auf, die eine erstaunliche Kontinuität entwickelte und viele klassische K-Gruppen überlebte.

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Faksimile: Deutsche Maoisten versus Comics und Popmusik

 

Gegen die USA – für Russland. Zur Ideologie eines Kreisverbandes

Der hiesige Kreisverband der Linkspartei betreibt nicht nur eine Internetseite, sondern nutzt auch eine Facebook-Präsenz. Auf den Seiten der Linken aus Oldenburg erscheinen Kommentare, durch die die Partei eine gewisse Politik betreibt. Dort verbreitet sie verschwörungsideologische Inhalte. Dabei bewirbt der Kreisverband sogar eine Internetseite, die nationalsozialistische Täter entlastet.

Mausklicks genügen, um auf antisemitische und nationalsozialistische Propaganda zu stoßen. Während der letzten sechs Monate wurden mehr als einhundert Beiträge auf den Internetseiten der Partei publiziert. In diesen Wortmeldungen offenbart sich oftmals Anti-Amerikanismus, der nicht selten mit einer Parteinahme für den russischen Staat einhergeht.

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„Volksdiplomat“ aus Quakenbrück

Kapitalisten als dunkle Seite der Macht, während ein Darth Merkel eine Raute zeigt: Wahlwerbung für die Kommunalwahlen in Oldenburg, bei der die Linkspartei eine eindeutige Politik betreibt. Der örtliche Ableger der Partei missbraucht nicht nur eine Figur aus der „Krieg der Sterne“-Mythologie, um Wähler zu werben, sondern lud auch zu Wahlveranstaltungen. Am 24. August referierte der Kreistagsabgeordnete Andreas Maurer zum Thema „Russland verstehen“. Der umtriebige Agitator, der vor kurzem die Krim bereiste, verbreitet in Interviews mit Ken Jebsen und dem eurasischen Faschisten Wjatscheslaw Seewald bezeichnende Weltbilder.

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Der Sith-Lord der Linkspartei

Kapitalisten als dunkle Seite der Macht. Herren in feinen Anzügen, die Geld besitzen. Mittendrin: ein dunkler Sith-Lord, der die Merkel-Raute macht. Kein Stoff für einen Science-Fiction Film. Stattdessen Werbung anläßlich der Kommunalwahl in Oldenburg. Die hiesige Linkspartei nutzt dabei eine zentrale Figur aus der „Krieg der Sterne“-Mythologie.

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Reichsbürger versus Neo Magazin Royale

Als es große Aufregung gab, weil Jan Böhmermann ein RTL-Format unterwanderte, wurde auch unter den Videos debattiert, die das ZDF auf YouTube veröffentlicht. Dort formulierten verschwörungsgläubige Reichsbürger ganz eigene Theorien. Die fanatisierte Minderheit glaubt, dass das Deutsche Reich in Wirklichkeit noch existiert, allerdings nicht handlungsfähig sei. Die Bundesrepublik wird als „GmbH“ der Alliierten bezeichnet, die Deutschland dauerhaft besetzt hätten.

Das Milieu der „Reichsbürger“ gründet Pseudo-Staaten, die eigene Führerscheine, Nummernschilder und Ausweise verkaufen. Oftmals handelt es sich um ein Geschäftsmodell, das der Finanzierung von „Reichsregierungen“ dient, die untereinander konkurrieren. Das Internet ist Brandbeschleuniger, der die Thesen der „Reichsbürger“ bekannt gemacht hat. Als Wutbürger nutzen ihre Anhänger jede Gelegenheit, um ihre Anschauungen zu verbreiten. Dazu gehört auch der antisemitische Hass, dem ein Großteil der Reichsbürger verfallen scheint.

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München: Konstruktion eines Mythos

Als er in München zur Waffe griff, um Menschen zu ermorden, war David S. erst 18 Jahre alt. Nach der Attacke war das Verlangen nach einer Erklärung groß. Es entstand das mediale Psychogramm eines Täters, der sich an „Killerspielen“ wie „Counter-Strike“ begeisterte. Ein junger Mann eben, psychisch instabil und gemobbt, der als Außenseiter galt. Innenminister De Maizière reanimierte unterdessen eine alte Debatte, indem er ein „Ausmaß von gewaltverherrlichenden Spielen im Internet“ entdeckte, die Jugendliche in ihrer Entwicklung bedrohen.

Währenddessen suchten andere Akteure die Täter, die in Wirklichkeit für die Morde verantwortlich sein sollen. Im Netz wurde bereits in der Nacht nach den Attacken, als noch weniger Informationen bekannt waren, nach Schuldigen gefahndet. So mutierte eine ganze Anzahl an Ungläubigen, die weder Medien noch Bildern trauen, zu Aufklärern, die sich mit den Morden befassten. Bereits kurz nach den Attacken kursierten die ersten Mythen, durch die die Taten erklärt wurden.

Einen Tag nach den Ereignissen veröffentlichte die Facebook-Seite „Neues Bewusstsein“ eine erstaunliche Deutung, die munter geteilt wurde. Nicht nur dort wurde ein Video, das David S. bei seinen Taten zeigte, zur Beweisführung herangezogen. Der Täter sei in die Szene „hineingebeamt“ worden, hieß es. Ob er aus der Zukunft kam, wurde leider nicht beantwortet. Die Theorien vom Beamen wurden auch in anderen Facebook-Gruppen debattiert, in der sich Verschwörungsgläubige sammeln.

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