Isolation & Einsamkeiten

Gegen das “System wechselseitiger Konzessionen” und für die “öffentliche, authentische Isolation”. So positionierte sich Karl Marx. Freund Engels betont in seiner Antwort, dass die Beiden “keinen Support von der Partei irgendwelchen Landes” benötigen. Folge sei aber “auch eine gewisse Einsamkeit…”

Soldat der Querfront

Ostern ist ein ritualisiertes Fest, das deutsche Kleinbürger_innen erfreut. Alte Linke zieht es in die Innenstadt meiner kleinen Provinzmetropole, die manchen Menschen im ländlichen Ostfriesland als Anlaufstelle der Zivilisation gilt. Jedes Jahr mobilisiert das “Oldenburger Friedensforum” zum Ritual für bewegte Einheimische, die in und um die norddeutsche Kleinstadthölle leben. Zum diesjährigen “Ostermarsch” brachte die langjährige Veranstaltungsleitung eine sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete als Vorsprecherin in die Stadt. Sevim Dagdelen trug in den letzten Jahren mit verschwörungsideologischen Positionen zur Unwählbarkeit ihrer Gruppierung bei. Die Linkspartei-Deputierte erhielt rhetorische Unterstützung durch einen ehemaligen Berufssoldaten, der in der Vergangenheit für verschwörungsideologische Organe wie das deutschnationale “Compact”-Magazin schrieb.

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Planschen in “Palästina”

“Der nächste Stopp ist ein Schwimmbad. Hier sollen wir uns nun endlich wirklich erholen. Es gibt zwei Becken, eines für Männer und eines für Frauen. Um das Becken der Männer ist ein Garten angelegt (…). Das Becken der Frauen ist blickdicht abgeschirmt mit Mauern drum herum, einem verdeckten Eingang und verhängten sehr hohen Zäunen. (…) Es geht hierbei um Hygiene, nicht um die Verdeckung weiblicher Reize. (…) Auch Frauen, die Hijab tragen sollen sich hier sicher vor Männerblicken frei bewegen und sich amüsieren können. Nach der ersten Irritation fühlen wir uns schnell wohl in dieser Frauenwelt, planschen wild herum und lachen viel über uns mit unseren komischen Badekappen.”

Aus dem Reisebericht einer linksdeutschen Truppe, die zum diesjährigen Farkha-Festival der antisemitischen “Palestinian People’s Party” fuhr. Die Reiseleitung um den Aktivisten Kerem Schamberger “konnte 5.000 Euro Spenden zur Finanzierung des Farkha-Festivals  mitbringen”. Einen Bericht über die letztjährige Zusammenkunft junger Antisemit_innen gibt es hier.

Heimatschutz im DKP-Blatt

Die Juni-Ausgabe des “blickpunkt”, publiziert durch eine hessische Ortsgruppe der “Deutschen Kommunistischen Partei” (DKP), illustriert den ideologischen Zustand dieser Struktur. In ihrer Zeitschrift suhlt sich die DKP Mörfelden-Walldorf im traditionsreichen Anti-Amerikanismus, dessen Triebkraft die Liebe zur deutschen Heimat ist. “Ami go Home”, heißt es daher auf der fünften Seite des DKP-Blattes, das sich ansonsten gegen konkrete “Steuerhinterzieher” wie Uli Hoeneß sowie bestimmte Unternehmen wie “Google, Amazon, Ikea, Starbucks und Co” wendet, was viel über die Analysen des deutschen Sozialismus offenbart.

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Kleinstadthölle VII

„Moin“, „Moin, Moin“ oder „Tag, Moin”: Wie gruselige Grußformeln gehören lokalpatriotische Heimatvereine zur plattdeutschen Kleinstadthölle. Ihre Autoaufkleber dienen mancher Person als Zeichen der Zugehörigkeit. Beispiele für diese irrationale Identifikation mit der ostfriesischen Scholle finden sich auf den Fahrzeugen, die diesen Kleinbürger_innen als Fortbewegungsmittel dienen: “Ick schnack Platt”, heißt es auf einem exemplarischen Aufkleber, den der “Bürger- und Heimatverein Barßel e.V.” vertreibt.

Fast wie in Kabul

“Frau J” liebt ihre “GUTMENSCHEN Tochter”. Die Gefühle sind so groß, dass die AfD-Wählerin auf Twitter regelmäßig über die namenlose Heranwachsende berichtet. Nach einem Besuch in Oldenburg erzählt dieser Nachwuchs angeblich, dass diese Stadt “nur aus Knack…en” besteht: “das muß schlimm sein”, munkelt “Frau J”, während sie ihren Hass im Netz erbricht.

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Ausführungen eines Akademikers

Eine profane Ankündigung, die US-Botschaft zum 1. Mai nach Jerusalem zu verlegen, empörte die hiesige Gesellschaft, deren Antisemitismus sich immer wieder im ritualisierten Aufschrei gegen Israel erbricht. Daher wollte die Merkel-Administration “die Haltung” der US-Regierung nicht unterstützen, während Gabriel vor einem “Öl” warnte, das nun in ein “Feuer” gelangen könnte. Die “Antikapitalistische Linke”, ein Arbeitskreis innerhalb der Linkspartei, verstieg sich gar in die Behauptung, dass die Entscheidung für die israelische Hauptstadt eine “Demütigung der Palästinenser” sei, was “gewalttätige Kräfte” stärken würde. Die Nazis vom “III. Weg” wandten sich ebenfalls gegen die Ankündigung, wobei sie von “der starken jüdischen Lobby in den Vereinigten Staaten” schwadronierten. In Berlin brannte der Davidstern. In Bremen drohte ein Professor, indem er “Erwartungen” an die Jüdische Gemeinde der Stadt apo­s­t­ro­phie­rte.

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