Wiederkehr der Corona-Partys

Im dritten Jahr der Corona-Pandemie, die jeden Tag alleine in Deutschland rund 300 Tote kostet, soll die nachhaltige Feierei, ein Freizeitvergnügen deutscher Kleinbürger_innen, auch in Oldenburg weitergehen. Im Rahmen eines Neustarts, der dieses Wochenende begann, bewirbt die Lokalität “Polyester”, die laut des wichtigsten Wortführers ein Ort der “gelebten Postwachstumsökonomie” ist, die nun anstehenden Partys. Für seine Events lockt das Etablissement mit Versprechen, die verschwörungsgläubige Corona-Leugnende und notorische Impf-Verweigernde zur Teilnahme bewegen könnten.

CoVID-FEIERN Und CORONA-NAZIS

“Wir freuen uns wie Bolle (…). Wir sehen uns zum abhotten (…)! Wir weisen euch aufrichtig darauf hin, dass der Aufenthalt (…) im Klub (…) ein hohes Risiko birgt, sich mit Covid-19 anzustecken.”

Freudentrunkene Ankündigungen des Klubs, der dieser Tage sein Comeback feierte, finden sich auf der Homepage, auf Instagram sowie auf Facebook. Bereits der Ansteckungshinweis der Kneipe könnte das Interesse manches Corona-Leugners erwecken. Einige ganz besonders verkommene Gestalten infizieren sich schließlich bei passenden Gelegenheiten absichtlich bei Gleichgesinnten, was anderswo bereits Notaufnahmen belastete und manchmal zum Tode von Verschwörungsgläubigen führte.

Ob Intention oder Dilettantismus: Impfverweigernde spricht der “Polyester-Klub” mit seiner Werbung derzeit ganz besonders an. Nicht auszuschließen ist, dass der Gründer der Schänke, in der aus Gründen angeblicher Nachhaltigkeit alle Gegenstände gebraucht sind, solche Personen zum Besuch animieren möchte. Weil es für den Besuch seiner Bar noch nicht einmal eine Testpflicht gibt, könnte deren Besuch die gesundheitlichen Risiken für andere Feiernde und Mitarbeitende immens erhöhen.

“Querdenker” und andere Corona-Leugnende dürften die riesigen Hinweise der Kneipe erfreuen. Es gibt, so wirbt das “Polyester” derzeit, in den nächsten Monaten keine “Impf- oder Testkontrollen”. Grundlage für den Einlass sei eine “Vertrauensbasis”. Der ignorante Umgang mit der Covid-Erkrankung machte die Kneipe, nach Angaben von gut informierten Personen aus dem Umfeld des Klubs, bereits zuvor zum Treffpunkt für verschwörungsgläubiges Publikum, das die Gefahren der Pandemie verleugnet.

Monate vor dem “Restart”, der dieses Wochenende stattfand, veröffentlichten Verantwortliche eine längere Erklärung, in der sie sich ganz verschreckt gaben. Der “Polyester-Klub” hätte von “Gerüchten erfahren, die uns Sympathien mit der Querdenker- Bewegung und der Partei die Basis unterstellen”. Tatsächlich geht es nicht um Klatschgeschichten, sondern um Tatsachen. Schon im vergangenen Jahr kritisierten antifaschistische Zusammenhänge beispielsweise, dass ein verschwörungsideologischer Musikant, der bis Ende 2021 im Aufsichtsrat der für den Klub gegründeten Genossenschaft “Polygenos” saß, für die verschwörungsideologisch-antisemitische Kleingruppierung zu den Kommunalwahlen kandidierte.

Alexander Goretzki, der sich auf “germanische Wurzeln” bezieht, arbeitet außerdem, was die Erklärung verschweigt, dauerhaft als Funktionär der verschwörungsideologischen Struktur. Der Künstler beteiligte sich bereits intensiv am lokalen Gründungsprozess der Verschwörungspartei. Er nahm mit anderen “Basis”-Mitgliedern an Aufmärschen der Corona-Leugnenden teil. In der Nähe von rechten Hetzenden, die vielfach den Holocaust leugnen oder relativieren, wurde Goretzki zum Teil des sich auch in Oldenburg formierenden Mobs, der die pandemische Lage mit verschwörungsideologischen Mythen verklärt. Über den Aktivisten, der innerhalb der “Basis”-Struktur einen Mordaufruf gegen den niedersächsischen Ministerpräsidenten relativierte, berichteten unter anderem die antifaschistische Gruppe “Auf Abstand” und der Autor dieser Zeilen.

Das damalige "Polygenos"-Vorstandsmitglied Alexander Goretzki (2. v. l.) im Wahlkampf für eine antisemitische Partei
Das damalige “Polygenos”-Vorstandsmitglied Goretzki (2. v. l.) im Wahlkampf für seine antisemitische Partei

Kneipen-DJ und KRISEN-Apokalyptiker

Die “Polygenos”-Genossenschaft, die ihr verschwörungsgläubiges Vorstandsmitglied mit einer Anklage gegen die kritische Berichterstattung verteidigte und die ihm nach dem Rücktritt explizit für seine Arbeit dankte, besitzt das mehrstöckige Gebäude, in dessen Erdgeschoss sich der “Polyester-Klub” befindet. Die Namensähnlichkeit ist, trotz kürzlich verbreiteter Verschleierungen, kein Zufall. Schließlich erzählten die maßgeblichen Figuren zuvor vielfach und freimütig vom Anlass für die Entstehung ihrer Genossenschaft. Der Vordenker der reaktionären Postwachstumsideologie, Niko Paech, gründete mit dem Klub-Besitzer, Stefan Mühlhaus, sowie mit fördernden Gleichgesinnten den Verbund, der den Bau übernahm.

“Vor zwei Tagen haben wir eine Genossenschaft gegründet, um das Gebäude sanieren zu können. Wir brauchen mindestens 600 Genossen.”

Das erzählte der deutsche Volkswirt einem geneigten Journalisten, während er dem Mitarbeiter der “Zeit” seinen Kompagnon Mühlhaus vorstellte. Niko Paech, der lange in Oldenburg an der Universität lehrte, vertritt nicht nur in dem Interview mit dieser Publikation einen “Mix aus obskuren, konservativen und kulturpessimistischen Ansichten”. Das “Polyester” versteht der alternative Konservative, der mit seiner Band, “Matini Schmerzverstärker”, öfter im nahe gelegenen autonomen Zentrum auftritt, als weiteren Ort, der seinen Vorstellungen entspricht.

An der engen Kooperation zwischen Paech, der Genossenschaft und dem dazugehörigen Klub ist nicht zu zweifeln. Der maßgebliche Ideologe sitzt seit Jahren im Aufsichtsrat der Genossenschaft, in deren Räumlichkeiten sich seine Kneipe befindet. Die Struktur um den apokalyptischen Professor, der anscheinend kein Gemüse aus Israel kauft, entstand schon 2014, um die Bar mit Tanzfläche “zu erhalten”. Dass die Ideen des Enthaltsamkeit und Verzicht predigenden Vordenkers der deutschen “Gemeinwohlökonomie”, der wie weite Teile der verschwörungsideologischen Szene “Selbstversorgungspraktiken reaktivieren” möchte, viele Menschen begeistert, zeigte sich am finanziellen Zuspruch für die gegründete Genossenschaft, der die Kneipe ihr Überleben verdankt.

Das "Polyester": Lokalität der "Gemeinwohlökonomie"
Unterschiedlich sind nur die Eingänge: Der “Polyester-Klub” im “Poly-Haus” des “Polygenos”.

VON DER SANIERUNG ZUM COMEBACK

Mehr als 800 Personen kamen – auch dank tatkräftiger Unterstützung der Lokalpresse –  zur Genossenschaft zusammen. Sie verbrannten in kurzer Zeit 275.000 Euro für die “Anteile”. Nach dem Kauf des Hauses, das zukünftig zur Vernetzung “jenseits des Mainstreams” dienen sollte, nutzten diverse Initiativen, die sich auf die “Gemeinwohlökonomie” beziehen, die oberen Räumlichkeiten. Die von Paech als “Kultkneipe Oldenburgs” gefeierte Einrichtung verblieb derweil wie angestrebt im Erdgeschoss. In den folgenden Jahren bestand das Programm oft aus Auftritten des Bar-Betreibers.

Während der Pandemie blieb der Laden, der zuvor auch ein linksalternatives Publikum anzog, aber über Monate geschlossen, sodass Mühlhaus seine Platten per Livestream erklingen ließ. In der zur Absicherung des jetzigen “Restarts” veröffentlichten Erklärung des Klubs werden die Gründungsgeschichte der Lokalität als auch die ideellen Gemeinsamkeiten zwischen den dazugehörigen Strukturen verschleiert.

Schließlich erscheint das Etablissement, in der Betreiber Mühlhaus gerne als “Mr. 5ooo seine alten Schallplatten auf die Plattenteller legt”, während er mit einem “legendären Telefonhörer” hantiert, nur wie die Mietpartei einer nicht näher beschriebene Gemeinschaft von Unbekannten, die “das Gebäude, indem sich der Polyester Klub befindet, gekauft” habe. “Das heißt, der Polyester Klub steht lediglich in einem Mietverhältnis zu der Genossenschaft Polygenos.”

Dass der Betreiber ein wichtiges Gründungsmitglied und ein maßgeblicher Multiplikator der angeblich unabhängig existierenden Genossenschaft ist, verrät die verschleiernde Erklärung nicht. Stattdessen kündigt die Verlautbarung, die sich eines zum Hühnchen gemachten jüdischen Kronzeugen bedient, vor allem das nun anstehende “Comeback” an. Vorab gab es blumige Versprechen, die der Klub aber offenbar nicht einhalten möchte.

Das angekündigte “fette Programm” fehlt, wie es zu erwarten war, ebenso wie ein verantwortungsvoller Umgang mit den Gefahren durch Corona-Infektionen. Im Januar behauptete der Klub noch, es ginge “auch” darum die “Gäste (…) vor dem Virus zu schützen”. Im April sind solche Versprechen offenbar vergessen. Stattdessen versprechen die werbenden Ankündigungen nun eher eine Praxis der Gesundheitsgefährdung. Hinzu kommt der dazugehörige Ausschluss von Menschen, die zu einer der Covid-Risikogruppen gehören.

Lassen sich gut entfernen: Aufkleber des Corona-Klubs

ENDLICH WIEDER NENA

Vorerkrankte Personen, die ohnehin größtenteils von der gesellschaftlichen Partizipation ausgeschlossen sind, sollen offensichtlich nicht im “Polyester” feiern. Selbiges gilt anscheinend für alle Interessierten, die in einer Kranken- oder Pflegeeinrichtung arbeiten. Schließlich bittet der Klub bereits potentielle Besuchende, den angekündigten Events fernzubleiben, wenn sie Menschen mit besonderen gesundheitlichen Risiken nach einer der Partys besuchen. Mit den Übertragungsrisiken an anderen Orten sowie dem Entstehen von Infektionsketten haben sich die Verantwortlichen offenbar nicht befasst.

Es geht ihnen mit den Events des Klubs, in dem nach Informationen des Autors in der jüngeren Vergangenheit missionierende Verschwörungsgläubige ohne Testung arbeiteten, offenbar um eine andere Zielgruppe. Mit einer großen Grafik wirbt das “Polyester”, in dem nach eigenem Eingeständnis auch ungeimpfte Personen die Getränke servierten, schließlich um Impfverweigernde, was die menschenverachtende Durchseuchungspraxis in Partyform auf die Spitze treibt.

“Endlich wieder Nena”, kommentiert ein Freund der Kneipe diese Feierei. Die Künstlerin passt zum Klub. Sie wurde mit der Pandemie bei Verschwörungsgläubigen populär, weil sie Mythen der “Querdenker”-Szene reproduzierte und sich mit einem Video für den Aufmarsch eines Mobs von Corona-Leugnenden in Kassel bedankte.

Ob die Integration der oftmals Verschwörungsmythen verfallenen Impfunwilligen sowie der sprachlich kaum verschleierte Ausschluss mit Menschen aus Risikogruppen für weitere Kritik sorgt, ist indes unwahrscheinlich. Das in der Ausrichtung mehrheitlich konservative Lokalblatt, die “Nordwest-Zeitung” (NWZ), bewarb die gesundheitsgefährdenden Corona-Partys des Wochenendes im Vorfeld mit einem langen Text. Das Stück gab den Verantwortlichen erneut viel Raum zur Inszenierung. Schon vor Jahren trug die Tageszeitung, die zahlreiche Manifestationen von Corona-Leugnern sowie ihre Organisationen vielfach unkritisch einordnete, durch entsprechende Artikel zur Etablierung des Zentrums der in Oldenburg durchaus populären “Gemeinwohlökonomie” bei.

Aufgabe eines kritischen Journalismus wäre es indes, die ideologischen Positionen der Verantwortlichen einzuordnen, die lokalen Verstrickungen in verschwörungsgläubige Milieus aufzudecken sowie auf die offenbar gesundheitsgefährdenden Praktiken des Lokals hinzuweisen. Solche Berichterstattung ist von der “Nordwest-Zeitung” nicht zu erwarten. Recherchen über Tatsachen, die das “Polyester” um Betreiber Stefan Mühlhaus und das “Polygenos” um den konservativen Alternativen Niko Paech zu “Gerüchten” macht, wurden durch die Tageszeitung ignoriert. Die Genossenschaft, in deren Aufsichtsrat ein Landtagskandidat der sogenannten Linkspartei sitzt, hat sich bis heute nicht von ihrem “Basis”-Kader distanziert.

Keine Impf- oder Testkontrollen. Faksimile von der Klub-Homepage
Keine Impf- oder Testkontrollen. Faksimile der wichtigsten Werbung auf der Klub-Homepage

 

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Putins-Apologeten und der Corona-Leugner

Zum diesjährigen “Ostermarsch” versammelten sich etwa 280 Personen in Oldenburg. Der Aufruf des hiesigen “Friedensbündnisses”, das in der Vergangenheit unter anderem eine die antisemitische BDS-Strukturen verharmlosende Veranstaltung über den angeblichen Einfluss von “Antideutschen” organisierte, bagatellisierte den russischen Angriffskrieg. In Verkehrung der Tatsachen hieß es: “Der Ukraine-Krieg ist eine Folge der NATO-Osterweiterung bis an die russische Grenze”.

Teilnehmende des Ostermarsches in Oldenburg
Ostermarsch 2022: Teilnehmende in Oldenburg
Endzeit-Aktivistin und Bundeswehr-Major

Zum diesjährigen Ostermarsch forderte das “Antideutsche” fürchtende “Bündnis” letztlich, dass sich die Angegriffenen mit dem Aggressor  einigen müsse:  “Verhandlungen auf höchster Ebene zwischen USA, NATO, Russland und der Ukraine” sowie “neutrale Sachverständige” zur “Aufklärung von Kriegsverbrechen”, hieß es beispielsweise im kurz vor Ostern verbreiteten Aufruf gegen den “eskalierenden Krieg”, der die mörderischen Folgen des russischen Angriffs verschweigt.

Das unsägliche Schreiben bewarb der hiesige Ableger der sogenannten Linkspartei, der auch eine Sprecherin entsandte. Multifunktionärin Sonja Manderbach ist unter anderem Aktivistin bei der rechten Endzeitsekte “Extinction Rebellion” (ER) sowie bei deren Ableger “Letzte Generation”, wobei sie an deren klimapolitischen Protesten partizipiert, die vor allem das Proletariat treffen. Außerdem singt die Gläubige, zum Beispiel im Rahmen der örtlichen “Christians for Future”-Gruppe, gegen die Umweltzerstörung an, wobei die konservativen Untertöne in den ER-Werbesongs der Gläubigen nicht zu überhören sind. “Kämpft für ein lebenswertes Land”hieß es zum Beispiel in einem umgedichteten Kinderlied, während mit einem anderen Song vor einer bald drohenden “Apokalypse” gewarnt wurde.

Ein weiterer Sprecher des diesjährigen Ostermarsches trat früher vielfach in Olivgrün auf. Florian Pfaff ist ehemaliger Bundeswehrsoldat, der in den vergangenen Jahren in zahlreichen Videoformaten der verschwörungsideologischen Szene zu sehen war. Dort zeichnete er die Bundesrepublik als Vasallen der von ihm dämonisierten USA, wofür es reichlich Zustimmung von ganz Rechts gab. Anfang des Jahres war der praktizierende Katholik beispielsweise beim rechten Verschwörungsproduzenten Daniel Ganser zu Gast, was nationalistische Zusehende kommentierend beantworteten: “Männer wie Ihr,seid es wert die Hoffnung nicht aufzugeben”, begeisterte sich zum Beispiel ein Anhänger mit den in der Verschwörungsszene üblichen orthografischen Schwierigkeiten.

Vor einigen Jahren gab der damalige Offizier dem von antisemitischen Apologeten des iranischen Regimes betriebenen Online-Portal “Muslim-Markt” ein Interview, in dem er ein bezeichnendes Endziel seiner politischen Tätigkeit formulierte. Es ginge darum, so der antisemitische Motive aufgreifende Bundeswehr-Offizier, “dass keiner mehr Märchen erfindet, um seine Bevölkerung (…) aufzuhetzen”. Dieses Ziel lasse sich weltweit aber nur realisieren, wenn “es gelingt, den Konflikt in Nahen Osten zu lösen, also die Besetzung des palästinensischen Gebietes durch Israel, welche die Israelis mit Angriffen gegen sie rechtfertigen (sic!)”.

Nicht zu übersehen: Fahnen der Endzeitsekte "Extinction Rebellion" 
Mal wieder nicht zu übersehen: Fahnen der Endzeitsekte “Extinction Rebellion”
Reime und Verschwörungspropaganda

In Oldenburg sprach der verschwörungsideologische Aktivist aber nicht von der offenbar angestrebten Endlösung der Israel-Frage, sondern monologisierte von einem lange geplanten Krieg in der Ukraine, wobei der vormalige Bundeswehr-Major – wenig überraschend – die NATO verantwortlich machte, die er als “Verbrecherbündnis” bezeichnete. Seine reaktionäre Einlage, für die es nur spärlichen Beifall gab, dokumentierte der linksdeutsche Amateurfilmer Hermann Jack. Der YouTuber begleitet ansonsten schon seit mehreren Jahren die Proteste von Corona-Leugnenden.  Wortführenden und Gläubigen bereit Jack eine Bühne für Menschenverachtung, während er Protestierende wider den reaktionären Mob unter anderem als “Corona-Heulbojen” verunglimpft.

Jack spricht selbst von “Diskriminierung” der “Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen”. Von ihm vielfach genutzte Terme wie “Maskenzwang” zeigen, dass der Filmende den Narrativen der die Gefährlichkeit von Covid-19 leugnenden Verschwörungsszene verfallen ist. Über seine Facebook-Seiten verbreitet Jack schließlich entsprechende Propaganda, wobei er antisemitische Mythen und mörderische Feindbilder von und für Corona-Leugnende aufgreift. Vielfach warb der Filmende, dessen Anwesenheit auf dem Ostermarsch auch in diesem Jahr offenbar niemanden störte, für die gefährlichen Aufmärsche von rechten Wut- und Reichsbürgern.

Bei den Manifestationen von Corona-Leugnenden filmt er, was Nazis die Recherchen erleichtert, immer wieder antifaschistische Personen, die gegen diese Zusammenkünfte protestieren. Dass sich bei dem von ihn beworbenen “Montagsdemos” regelmäßig eine einflussreiche Holocaust-Leugnerin, zahlreiche Nazi-Rocker und prominente AfD-Kader tummeln, verrät sein den die Shoa- und Corona-Leugnenden Sucharit Bhakdi als Kronzeugen nennender “Tu Was”-Kanal nicht. Stattdessen bietet der seit Jahren den Ostermarsch in Oldenburg dokumentierende Verschwörungsproduzent derzeit das Interview mit einem “Rap Activist”, der sich selbst als “RechtsXtrem” bezeichnet.

“Wir gehen für unser Land, ist der Weg noch so lang, nichts was uns halten kann, bei unserem Spaziergang”, reimt der durch Hermann Jack beworbene Verschwörungsmusikant. Der deutsche Dichter beschwört das kämpfende “Volk”, wobei er zahlreiche Motive aus der Verschwörungsszene aufgreift. “SchwrzVyce”, so der Künstlername des gegen den bei Corona-Leugnenden verhassten Bill Gates rappenden Hessen, liefert den reaktionären Soundtrack für rechte Zeiten. Herman Jack scheinen solche Inhalte anzusprechen.

Ganz rechts: Corona-Leugner Hermann Jack
Aufzeichnungen eines Verschwörungsproduzenten

Zuletzt bewarb der Filmemacher mit seinen kurzen Propaganda-Clips gleich mehrfach die antisemitisch-verschwörungsideologische Kleinpartei “Die Basis”, deren niedersächsische Kader er vor der letztjährigen Bundestagswahl zum Wahlwerbegespräch bat. Allerdings ist der Kameramann laut gut informierten Quellen noch immer Mitglied der sogenannten Linkspartei. Abgrenzungen gibt es offenbar keine. Der ehemalige Vorsitzende der Linksfraktion im Rat der Stadt Oldenburg, Hans-Hennig Adler, stellte sich seinem Genossen, der im vergangenen Jahr mit der die mörderischen QAnon-Mythen verbreitenden “Basis”-Aktivistin Eva Rosen plauderte, während des Ostermarschs erneut zum Gespräch. Dort verdrehte der Sozialdemokrat die Tatsachen. Der Landtagskandidat der der sogenannten Linkspartei brachte erschreckend viel Verständnis für das russische Vorgehen auf.

Russland wolle doch nur ein “Sicherheitsproblem lösen” und “Menschen in der Ostukraine schützen”, trug der Jurist die den Angriffskrieg rechtfertigenden Lügen des Putin-Regimes vor. Zudem munkelte Adler, dass es “nachvollziehbare Gründe” für den russischen Angriffskrieg geben könne. Es sei indes “tragisch”, so der eine Krokodils-Träne herauspressende Politiker, “dass auf diese Weise ganz viele unschuldige Menschen ihr Leben verlieren, nur damit die Beteiligten (sic!) besser verhandeln können”. Zum Gesprächsende wandte sich Adler nicht gegen Putin, aber gegen den ukrainischen Präsidenten. “Obwohl Selenskyj immer wieder versucht, die NATO reinzuziehen, bisher ist ja Gott sei Dank der Widerstand noch stark genug”, freute sich Adler über das allgegenwärtige Appeasement in Deutschland.

Mit keinem Wort kritisierte der Anwalt das Putin-Regime. Stattdessen blieb es bei Verharmlosungen, die in Schuldumkehr gipfelten, wobei die ukrainische Regierung als Aggressor erschien. Ähnliche Verbalinjurien sonderte der bereits erwähnte ehemalige Bundeswehr-Major ab. Der Pfaff gab ebenfalls den Putin-Versteher. Es ginge “darum, zu verstehen, dass die NATO, in den Augen von Putin, (…) eine aggressive Angriffskonstitution” sei, behauptete der deutsche Militär, bevor er gleichfalls der Ukraine die Schuld am russischen Angriffskrieg gab, in seinem Interview für den Corona-Leugner.

Vorschwörungsproduzent Hermann Jack zwischen Teilnehmenden
Widerspruch Und Intervention

Manche Teilnehmenden waren, so heißt es im gewohnt freundlichen Werbetext der Lokalzeitung, mit diesen Verdrehungen nicht einverstanden. Das zeigte sich laut Nordwest-Zeitung (NWZ) am ausbleibenden Beifall. Eine deutliche Positionierung gab es zudem durch Anwesende, die mit ukrainischen Fahnen am Ostermarsch teilnahmen. Offensichtlich gingen die Ausfälle des Ex-Mayors sogar manchen Organisierenden zu weit.

Für das selbsternannte “Oldenburger Friedensbündnis” distanzierte sich Ulrich Glade direkt nach den Ausfällen: “Das war jetzt die Meinung von Herrn Pfaff. Das heißt nicht, dass das Friedensbündnis die gleiche Meinung hat. Das Gegenteil ist sicher der Fall”, behauptete der Sprecher, wofür es lauteren Beifall gab. “Niederträchtig wie immer benehmen sich die Preußen”, schrieb Friedrich Engels im Februar 1863 an Karl Marx. Angesichts der Zustände in Oldenburg, scheint dieses Urteil auch auf die porträtierten Akteure aus der norddeutschen Provinz zuzutreffen.

Dass der Aufruf seines “Bündnisses” zuvor ähnliche Inhalte wie der geladene Militär brachte, benannte der für die Organisierenden sprechende Ulrich Glade vor Ort jedenfalls nicht. Von ihrem Dokumentarfilmer hat sich weder das “Bündnis” noch die sogenannte Linkspartei distanziert. Stattdessen erneuerte sich die Kooperation zwischen dem Corona-Leugner und seinem Genossen, der für die Linke in den Landtag einziehen möchte. Auch in diesem Jahr blieben nötige Proteste gegen diese Zusammenarbeit aus. Ob es in Zukunft die angebrachten Interventionen durch Menschen, die sich der Emanzipation verpflichtet fühlen, geben wird, bleibt ein weiteres Mal abzuwarten.

Abwiegeln eines Biedermanns: Ulrich Glade (Die Linke) distanziert sich für das “Bündnis” vom Redner
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Geschmackloses aus Oldenburg

“No Döner on a dead Planet”. Das besagt eine Verkündigung der Endzeit-Sekte “Extinction Rebellion”. In Oldenburg verklebten Mitglieder der Gruppierung, die sich zu Beginn der Pandemie an angeblicher “Panik” ihrer Mitmenschen erfreute, ihre Losung über bereits angerissenes Plakat. Das zeigte die Köpfe der Menschen, die ein Nazi in Hanau ermordete, wofür sich die plakatierenden Akteure der Struktur offensichtlich nicht interessierten. 

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Abstecher in ein deutsches Dorf

Das ehemalige “Gaumusterdorf” Dötlingen ist ein Beispiel für postnazistische Verhältnisse in Norddeutschland. Symbole aus den Zeiten des Nationalsozialismus finden sich auch heute auf den alten Gebäuden, die rechte Reisende noch im neuen Jahrtausend bewundern. In der Gemeinde stellte die NS-Nachfolgepartei NPD nach der CDU und über Jahre die zweitstärkste Fraktion im Gemeinderat. In diesem Jahrtausend nutzen Nazi-Banden das bei Oldenburg gelegene Dorf, das die eigene Vergangenheit weitgehend verdrängt, als Kulisse für rechten Aktionismus.

Doetlingen-Karte

Braunes Idyll im Grünen

Mit dem Jahr 1933 kam nicht nur die Machtübergabe an die NSDAP. Schließlich entstand damals die geografische Einheit namens Dötlingen. In der neu gebildeten Gemeinde lebten zu diesen Zeiten rund 6.000 Personen. Drei Jahre später ernannten die Nazis das Gebiet zum „Gaumusterdorf“. Dötlingen diente bereits zuvor als Drehort für NS-Heimatfilme. Im April 1934 wurde im Örtchen bei Oldenburg die letzte Szene eines völkischen Machwerkes gefilmt.

Im NS-Streifen „Das alte Recht“ geht es um den deutschen Bauern, seine Ehefrau und die Scholle. In der Blut- und Boden-Schmonzette traten Darsteller auf, die in weiteren Propagandafilmen zur Legitimierung der antisemitischen Vernichtungspraxis beitrugen. So stellte sich Schauspieler Bernhard Goetzke ebenso wie Komponist Wolfang Zeller für das filmische Verbrechen „Jud Süß“ zur Verfügung.

In „Das alte Recht“ sind derweil auch Laiendarsteller aus der Region sowie Statist_innen aus der Gemeinde zu sehen. „Wir treffen viele gute Bekannte in unserem Heimatfilm“, bemerkten die Oldenburger „Nachrichten“ daher nach der Premiere. Schließlich waren regional bekannte Darsteller wie Fritz Hoopts zuvor als Laienschauspieler an der Niederdeutschen Bühne Oldenburg aktiv.

Carl Röver, der damalige Gauleiter im Freistaat Oldenburg, begeisterte sich bei der Uraufführung für den völkischen Streifen. Der fanatische Nationalsozialist lobte den „Geist der unauflösbaren Verbundenheit von Blut und Boden, der so eindringlich aus dem Film spricht“. Dötlingen sei „ein Gebiet von seltener Schönheit und großen Reizen“, hieß es derweil im nationalsozialistischen „Filmkurier“.

Wallfahrtsort für Völkische

Dieses Dötlingen profitierte damals von rechten Reisenden, die gerne durch die NS-Kulisse flanierten. Die bäuerliche Ansiedlung im Grünen wurde von NS-Kadern und sympathisierenden Kameradschaften aus dem Ausland besucht. Solche Gestalten erfreuten sich an der bis heute vorherrschenden völkischen Ästhetik, die aus uralten Eichen, nationalsozialistischen Symbolen und übergroßen Findlingen entsteht.

Besuchende bewunderten bereits damals einen gewaltigen Brocken, den die Bewohnenden 1933, zur Feier des an die Macht gelangten „Führers“, auf dem zur Gemeinde gehörenden Gierenberg weihten. Ihr Stein zierte ein großes Hakenkreuz und eine Rune. Letztere ist noch heute auf dem Brocken zu erkennen, den die Gemeinde mit einem Hinweisschild bewirbt.

Angehörige der „Hitler-Jugend“ erhielten am Fuße des Berges im Püttenhus ideologische Schulungen. Es waren die Einheiten der Alliierten, die den deutschen Spuk zu Dötlingen beendeten. Das Hakenkreuz wurde entfernt und der Stein auf die Seite gelegt. Andere Symbole blieben ebenso wie die Runen am HJ-Schulungsheim erhalten. Dass sich rechte Besuchende bis in dieses Jahrtausend für Dötlingen begeistern, scheint die Gemeinde nicht zu stören. Schließlich verzichtet das deutsche Dorf auch im 21. Jahrhundert auf kritische Einordnungen, wobei Verantwortliche die braune Vergangenheit oftmals verschweigen.

Manchen Gebäuden fehlt jeder Hinweis auf die Vergangenheit. Das gilt zum Beispiel für das Rogge-Haus. Den gleichnamigen Bauern ermordeten Männer des „Freikorps Adolf Hitler“, nachdem sie den „Gegner des Nazisystems“ am 14. April 1945 und unter einem Vorwand in ihr Fahrzeug gelockt hatten, auf der Landstraße in Richtung des nächsten Kaffs. Seine Leiche ließen die Mörder liegen. Sie dekorierten den Körper des Willi Rogge dafür mit einem Schild: „Wer sein Volk verrät, stirbt“.

Dötlingens deutsche Kontinuitäten

Dötlingen blieb als Gemeinde auch in den folgenden Jahrzehnten eine rechte Hochburg. Dort kam es 1976 – so berichtete der “Arbeiterkampf” des Kommunistischen Bunds – offenbar zu einer erstaunlichen Kooperation.  “Um doch noch den Bürgermeisterposten zu angeln”, bildeten “SPD und FDP eine Zählgemeinschaft” mit einem “NPD-Faschisten”, kritisierte das Blatt in Ausgabe 95 auf der achten Seite.

“Sie haben mit ihm eine Stimme Mehrheit”. Das Blatt vermutete: “Die Politik dürfte eben dieser Faschist bestimmen”. Lokale Erfolge der NPD, die in der Region weitgehend durch die AfD abgelöst wurde, gerieten in den folgenden Jahrzehnten in Vergessenheit. Die neue Rechtspartei nutzte das „Gaumusterdorf“ ebenfalls als Bühne für ihre Veranstaltungen. Nazi-Gruppen wie die „Brigade 8 Bremen“ kommen gleichfalls in die Gemeinde. Sie hinterlassen Kränze, die verstorbenen Nazis für die “Treue für’s Vaterland“ danken, während auf dazugehörigen Lichtern dem “Tatenruhm” der Toten gedacht wird.

Dötlingen verdrängt derweil weiter, sodass die Gemeinde bis heute nicht an den in den letzten Tagen des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges ermordeten Willi Rogge erinnert. Erst seit 2009 gibt es eine Granitsteele, die diesen Nazi-Gegner einschließen soll, was Angehörige indes als ungenügend kritisieren. Es ginge um “alle zivilen” (sic!) “Opfer des NS-Regimes”, begründete der Heimatverein den Stein, der völkische Denkmäler ergänzt. “Wir waren der Meinung, dass es nunmehr – nach 60 Jahren –  an der Zeit war , dieses Vorhaben anzupacken”, sagte die Vorsitzende zudem.

Ein Kriegerdenkmal findet sich direkt in der Nachbarschaft. Verharmlosende Hinweisschilder stehen derweil bei den in der Nähe zu findenden NS-Stätten. Das gilt nicht nur für den Nazi-Stein auf dem Gierenberg, sondern auch für das Püttenhus, an dem die genannten völkischen Symbole, für die sich ganz bestimmte Touristen begeistern, zu sehen sind. Ihre Begeisterung belegen Berichte, die solche Besuchende nach ihrem Abstecher ins ehemalige „Gaumusterdorf“ in ihren Weblogs für rechte Reiselustige verfassten.

Auf den Spuren ihrer Ahnen

Die im Zentrum rechter Eventkultur stehenden NS-Stätten interessieren auch andere Einrichtungen. So suchte beispielsweise das “Nordwestdeutsche Museum für IndustrieKultur” aus Delmenhorst nach Personen, die sich auf die “Spuren des einstigen ‘Reichsgaumusterdorfes’ Dötlingen begeben” wollten. Derartige “Exkursion” führt, so hieß es in der reißerischen und geschichtsvergessenen Einladung, zu “Kultstätten der Nationalsozialisten”.

Der kollektive Besuch des in Dötlingen installierten Nazi-Steines, den die Organisierenden mit blumigen Worten beschrieben, sollte offenbar das Interesse wecken. Die in Oldenburg und Umgebung relevante “Nordwest-Zeitung” (NWZ) zitierte das Schreiben zum Ausflug ins ehemalige “Gaumusterdorf” recht wohlwollend. Dort wurde der Nazi-Brocken “als Denkmal für die ‘Machtergreifung'” bezeichnet.

Im Artikel idealisierte das Blatt dieses deutsche Dorf, wobei die weitgehend rechtskonservative Zeitung – fast wie damals der „Filmkurier“ –  von einer “noch heute als pittoresk geltende Atmosphäre” schwärmte. Derartige Beschreibungen dürften der Vorsitzenden des Heimatvereines gefallen. „Wir sind noch heute ein Musterdorf“, hieß es von Seiten dieser deutschen Heimatschützerin, deren Dorf die völkische Vergangenheit größtenteils verschweigt.

NS-Stätten als Ausflugsziele

Exkursionen, die in Dötlingen begannen, endeten in den vergangenen Jahrzehnten oft im benachbarten Lohne: Das Event des Museums fand ebenfalls am nahen “Schlageter-Denkmal” einen zum Abstecher passenden Abschluss. Leo Schlageter war schließlich ein nationalistischer “Freikorps”-Aktivist, der mehrere Sprengstoffanschläge beging, wofür er von einem französischen Gericht zum Tode verurteilt wurde. Der völkische Verstorbene avancierte zu einer frühen Ikone der NS-Bewegung.

Die “natur- und denkmalgeschichtlich völlig uninteressante” Steinsammlung zu Lohne  ehrt diesen Antisemiten bis heute. Wie der NS-Brocken im benachbarten Dötlingen, der mit der gleichen Einordnung zu beschreiben ist, gilt das “Schlageter-Denkmal” als ein beliebter Wallfahrtsort für alte und neue Nationalsozialisten. Die Tatsache erwähnten weder das Museum noch die Lokalzeitung, die den Abstecher bewarb, aber auf kritische Einordnungen verzichtete.

Solche Einordnungen fehlen auf den Schildern im ehemaligen „Gaumusterdorf“ ebenfalls. Im früheren Schulungszentrum der Hitler-Jugend wird heute geheiratet, während das Hinweisschild die Geschichte des Hauses verschweigt und seine Symboliken umdeutet. Manchen geht das offenbar nicht weit genug. So gab es „Anträge, den Stein wiederaufzurichten“, während der NS-Heimatfilm „Das alte Recht“ in den vergangenen Jahren im Dorf mehrfach aufgeführt wurde. In Dötlingen, dieser Schreckenskammer der deutschen Provinz, steht die kritische Aufarbeitung der völkischen Vergangenheit offensichtlich weiterhin aus.

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Hetze der Corona-Nazis

Die antifaschistische Struktur “Auf Abstand” weist darauf hin, dass der in Oldenburg vielfach entfernte Aufkleber “aktuelle Erzählungen der verschwörungsideologischen Bewegung” zusammenfasst. Es ginge um “Hetze gegen die Grünen, Anti-Impf Propaganda” sowie NS-Relativierung. Schließlich finden sich zwei SS-Totenköpfe auf den Aufklebern, mit denen hiesige Verschwörungsgläubige zumindest stilistisch an ein vorheriges Machwerk anknüpfen. Im März verbreiteten Corona-Nazis einen Kleber mit der Aufschrift “Impfung macht frei”.

Diese besonders ungeheure Verharmlosung des deutschen Vernichtungsantisemitismus führt der aktuell kursierende Aufkleber mit dem Emblem der “SS-Divison Totenkopf” fort. So verbinden die Verantwortlichen unverwechselbare Signets: neben der Sonnenblume der Partei “Die Grünen” finden sich die gekreuzten NS-Knochen über dem Totenschädel. Ob die den Nationalsozialismus verharmlosende Verknüpfung für die so oft bagatellisierende Polizei ebenfalls “durch die Meinungsfreiheit getragen” ist, bleibt indes abzuwarten.

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Norddeutsche Verharmlosungen

In der “Ostfriesen-Zeitung” (OZ) vom 22. April findet sich ein bestürzender Text, der die verschwörungsideologische Partei “Die Basis” verharmlost. Ein Gruppenfoto zeigt den Vorstand des Kreisverbands Aurich-Emden. Die Corona-Leugnenden, angeführt durch die ehemalige CDU-Politikerin Silvia Lübcke, posieren vor dem bereits im Nationalsozialismus beliebten “Upstalsboom”.

Die-Basis-Aurich-Ostfriesische-Zeitung-Werbetext

Den im ostfriesischen Aurich liegenden Stein nutzten NSDAP-Strukturen zur Inszenierung eines ostfriesisch-völkischen “Deutschtums”. Das als zukünftige “Thingstätte” vorgesehene Gelände entwickelte sich zu einem “idealen Platz für (…) Aufmärsche”. Die während der Corona-Pandemie gegründete Partei knüpft mit dem Foto, das die Lokalzeitung neben dem werbenden Schreiben abdruckte, an nationalsozialistische Praxis in Ostfriesland an. Ansonsten bietet “Die Basis” verschwörungsideologische Politik und entsprechendes Personal.

Das Vorstandsmitglied Martina Krumkamp ist auf der Aufnahme zu sehen. Über ihre Facebook-Seite verbreitet diese Aktivistin vielfach antisemitische und NS-relativierende Propaganda. Wie viele Verschwörungsgläubige teilt die Akteurin in einschlägigen Telegram-Kanälen kursierende Grafiken, die zur Verbreitung der typischen Motive dienen: Es gehe um Jahrzehnte der Manipulation, durch die “wir alle verarscht” werden. Krumkamp mobilisiert gegen den Shoa-Überlebenden George Soros, der im Zentrum antisemitischer Verschwörungslegenden steht. Diese rasch zu recherchierende Tatsache benennt der Artikel der “Ostfriesen-Zeitung” nicht.

Martina Krumkampf (Die Basis): Antisemitismus mit Soros

Stattdessen erhält Silvia Lübcke in der Tageszeitung ausführlich das Wort. In direkter und indirekter Rede darf das Ratsmitglied aus Aurich ihre Partei bewerben. Die aus der CDU ausgetretene Lokalpolitikerin arbeitet eigentlich als Schaustellerin. Das Blatt inszeniert diese Wortführerin aber als Kritikerin von “Corona-Regeln”. Die politischen Ansichten dieser “Die Basis”-Anführerin aus Ostfriesland bleiben im Dunkeln.

Dass Lübcke gleichfalls Antisemitismus und Antikommunismus bedient, können Lesende nach Lektüre des “OZ”-Artikels nicht wissen. Dabei reicht ein Besuch ihres Facebook-Profils aus, um sich von den verschwörungsideologischen Vorstellungen der Politikerin zu überzeugen: Die Lübcke leugnet nicht nur die Gefährlichkeit einer SARS-CoV-2-Erkrankung, sondern hetzt vielfach im Netz, wobei sich auf ihrem Facebook-Profil antisemitische und antikommunistische Motive finden.

Die-Basis-Aurich-Silvia-Luebcke-Antikommunismus-Gruene

Die Autorin des “OZ”-Artikels verzichtete offenbar auf grundlegende Recherchen. Stattdessen erhielten Lübcke und Krumpkamp einen Text, der die verschwörungsideologische Prägung der Partei und die Anschauungen ihrer Mitglieder weitgehend ausblendet. Kein Wunder, dass “Die Basis”-Akteure ihrer Freude über den Persilschein, der frei von kritischen Einordnungen ist, Ausdruck verliehen.

Es ist nicht der einzige Zeitungsartikel, der in den vergangenen Wochen zur “Basis” erschien. Eine in der Nähe arbeitende Gliederung der Kleinpartei durfte sich ebenfalls über kostenlose Werbung freuen. Schließlich stellte die “Nordwest-Zeitung” (NWZ), die im benachbarten Oldenburg erscheint, “Die Basis” ebenfalls vor. Kritik blieb wie im Falle der ostfriesischen Berichterstattung aus. Dass die Gruppe aus Oldenburg im Rahmen der Kreisverbandsgründung über die Erschießung des niedersächsischen Ministerpräsidenten debattierte, war diesem Blatt bislang keine Zeilen wert.

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Prediger gegen Israel

In Oldenburg versammelten sich Anfang April wenige Demonstrierende, die am „Ostermarsch“ teilnahmen. Ganz analog kamen Mitglieder von der sogenannten Linkspartei, von “Fridays for Future” und von der Endzeitsekte “Extinction Rebellion” am Hauptbahnhof zusammen. Teilnehmende lauschten den umfassenden Ausführungen eines Pfaffen. Bert Gedenk reiste aus Ostfriesland an. In den vergangenen Jahren fiel der “Friedensbeauftragte der Evangelisch-reformierten Kirche” durch rabiate Unflätigkeiten gegen den israelischen Staat auf. Mit einem Boykott-Apell wandte er sich im Rahmen von theologischen Debatten sehr deutlich gegen den “bewaffnete[n] Versuch der Juden, den Kommunismus lebend zu erreichen“ (ISF).

Aufruf und Ansprache

Im Aufruf outeten sich die Organisierenden vom “Oldenburger Friedensbündnis“ erneut als deutsche Idealisten, die auch zu Ostern “im Sinne einer lebendigen Demokratie” streiten wollten. Mit ihren Forderungen positionierte sich die Struktur gegen in Deutschland gelagerte Atomwaffen des US-Militärs, das nach dem achten Mai 1945 verständlicherweise auf deutschem Boden verblieb. Ähnliche Ansichten wie die Organisierenden vertritt der christliche Hauptredner aus Emden. Seit 1996 arbeitet der Pfarrer für die dortige evangelisch-reformierte Gemeinde.

In seiner Ostermarsch”-Rede zu Oldenburg pries Gedenk, der außerdem im “Emder Friedensforum” aktiv ist, zunächst eine “Völkerfamilie dieser Welt”, die aufgrund eines ratifizierten Vertragswerks zum Atomwaffenverbot einen Grund zum Feiern hätte. Im Anschluss wandte sich der Prediger gegen die atomare Bewaffnung; und zwar vor allem von ganz bestimmten Staaten. Im Rahmen seiner Ausführungen empörte sich der Redner außerdem über “Medien”, denen er eine unsachgemäße Berichterstattung zum Vertragswerk vorwarf. 

Am Beispiel der “Ostfriesen-Zeitung” (OZ) wurden diese Berichterstattenden vom Priester als “Feind des internationalen Rechtes” gebrandmarkt. Anschließend monologisierte der friedensbewegte Christ von “der Wurzel des Übels”, gegen die sich die erhoffte “Tat” richten müsse. Von Menschen gemachte Götzen”, warnte der Pfaffe, “erkennt man immer daran, dass sie Menschenopfer wollen und Menschenleben fressen”. Dass der ostfriesische Evangele mit solchem Sermon an Bilder des christlichen Antijudaismus anknüpfte, erregte vor Ort keinen Widerspruch.

Sorge um Deutschland

Gedenk ergötzte sich wenig überraschend auch zu Ostern in Oldenburg an der Bibel, aus der er vielfach zitierte. Dieses “Opium” (Marx) erschien ihm als “Buch der Aufklärung und Befreiung”. Am Hauptbahnhof formulierte der Prediger auf dieser Basis abschließende Forderungen, die sich gegen amerikanische Atomsprengköpfe richteten. Es ginge darum, so der in nationalen Kategorien agitierende Gedenk, “alle Atomwaffen von deutschem Boden, also die amerikanischen in pfälzischen Büchel, so wie es die breite Mehrheit unseres Volkes beschlossen hat, auch wirklich zu entfernen” (Rechtschreibfehler im Original).

Abschließend beklagte der ostfriesische Deutsche ganz idealistisch einen “Rechtsbruch gegen das deutsche Volk”. Es handele sich um einen echten “Skandal”, empörte sich der auf dem Bahnhofsvorplatz empörende Priester. Vor Friedens-Flaggen und “Fridays for Future-Fahnen” wurde vom “Ausverkauf der Demokratie durch unsere Regierung“ gesprochen. Mit diesem Topos des Anti-Amerikanismus forderte der Agitierende den Aktivismus der Teilnehmenden.  Diese sollten “nicht als Kämpfer in eigener Sache, sondern im Einsatz für den einen großen Frieden“ aufstehen.

Bert Gedenk tritt nicht nur als Sprecher vom “Emder Friedensforum” und als der “Friedensbeauftragte” seiner Kirche auf. Schließlich ist der evangelische Akteur das Mitglied einer ostfriesischen Struktur, die sich vorgeblich einem “theologisch-gesellschaftspolitischen Diskurs” widmet. In diesem Rahmen forderte der “Arbeitskreis” zunächst den Boykott und dann die Abschaffung Israels. Das belegt ein Papier, das seine Gruppe schon vor Jahren publizierte. 

Pfaffen gegen den Judenstaat

Lange Zeit vor der Osterpredigt am Hauptbahnhof befasste sich Gedenk mit angeblichen “Realitäten” zum “Konfliktfeld Israel” und “Palästina”. Zu seiner phantasievollen Darstellung gehörte 2013 die blutig-blumige Beschreibung von Staatsgrenzen, die Israel von den palästinensischen Autonomiegebieten teilt. Gedenk und seine Compagnons mieden jede Sachlichkeit. Sie schrieben stattdessen über eine “Trennmauer, die Dörfer und Städte zu Gefängnissen” machen würde.

Es folgte eine anti-israelische Anklageschrift mit vielen Unterpunkten. Dort führte der “Arbeitskreis” um Gedenk unter anderem den “Diebstahl von Land durch israelitische Siedlungen” auf. In einem an die Sprache des völkischen Antisemitismus erinnernden Jargon klagten diese Predigenden außerdem über die angebliche “systematische Zersiedelung palästinensischen Lebensraums” (sic!).

Gedenk und die beiden Mitverfassenden verharmlosten die Shoa. Das deutsche Menschheitsverbrechen bagatellisierten sie durch Gleichsetzung mit Geschehnissen im Rahmen des israelischen Verteidigungskriege, die der Staatsgründung von 1948 folgten. In Bezug auf die industrielle Vernichtung munkelten die Schreibenden um Gedenk während dessen von einer “Gefangenschaft in Schuldgefühlen gegenüber Israel”.

Boykottaufruf gegen Israel

Die Dämonisierung des jüdischen Staats zieht sich wie ein roter Faden durch das Papier, mit dem Gedenk und seine Kollegen zunächst einen “Kaufboykott” gegen Israel forderten. In Anlehnung an die antisemitische „Boycott, Divestment and Sanctions“-Struktur (BDS) wünschte sich ihr “Theologischer Arbeitskreis” sogar einen “Kaufverzicht”, der sich gegen jüdische Israelis richten sollte. Es ginge keineswegs darum, “nicht bei ‘Juden’ zu kaufen, weil sie Juden sind”, hieß es zu Beginn verteidigend.

Gefordert wurde stattdessen der Boykott von israelischen Personen, die sich laut Gedenk und seinen Compagnons “fremdes Land (…) auf Kosten anderer angeeignet” hätten. Sie forderten daher “den Aufbau” von “notwendigem Außendruck”. Das Handeln gegen Israel würde auch dazu dienen, den Judenstaat “vor weiterem Unrecht gegen Gott und die Menschen zu bewahren”.

Außerdem ginge es darum, “den Palästinensern das Land (…) zurückzugeben, das ihnen zusteht”. Die BDS-Apologeten um Gedenk verglichen den eingeforderten Boykott von israelischen Jüdinnen und Juden mit dem “Kampf gegen die Apartheid in Südafrika“. So reproduzierten sie schon damals ein bis heute wichtiges Motiv der antisemitischen Boykott-Bewegung.

Wunsch nach Vernichtung

Dass die Veröffentlichung offenbar weiterhin aktuell ist, zeigt sich auch daran, dass sie sich 2021 auf der Internetseite eines christlichen “Solidaritätsnetzwerks” findet. Die sich für “Unterstützung des Boykottaufrufs gegenüber Waren aus völkerrechtswidrigen israelischen Siedlungen” einsetzende Vereinigung lobt die fünfzehnseitige Veröffentlichung von Gesine Jannsen, Dr. Eberhard Mechels und Bert Gedenk, weil sie “zu klarer Positionierung und zu konkretem Handeln” aufrufe.

Vielleicht liegt das an den abschließenden Ausführungen von Gedenk und Co. Dass es für die drei Pfaffen 2013 offenbar nicht beim Boykott bleiben sollte, sondern es ihnen um die Auflösung des israelischen Staates ging, machten sie zum Ende der für den christlichen Israel-Boykott noch heute relevanten fünfzehn Seiten deutlich. Diesem für vom weltweiten Antisemitismus bedrohten Jüdinnen und Juden existierenden Schutzraum wünschten die christlichen Theologen die Abschaffung.

Die Forderung nach Aufhebung des Staates, der auch durch Überlebende der Shoa begründet wurde, beendete den Sermon der ostfriesischen Geistlichen. Schließlich schwebte ihnen vor Jahren ein allerdings noch zu schaffender “Rechtsstaat” vor. Dieser sollte “Juden und arabische Christen und Muslime gleichermaßen“ dienen. Vielleicht, so unkte der anti-israelische Zusammenhang, ginge es auch um eine “dritte, noch ganz unbekannte Lösung oder Zwischenlösung” (sic!).

Verschwörungsredner und Feigenblätter

Bert Gedenk passt hervorragend zum hiesigen Ostermarsch, der in den vergangenen Jahren zahlreiche Redende mit ähnlichen Inhalten nach Oldenburg brachte. Die Organisierenden luden mit dem ehemaligen Militär Jürgen Rose zum Beispiel 2018 einen verschwörungsideologischen Soldaten der Querfront ein. Der munkelte, dass die “Bundeswehr seit dem Ende des Kalten Kriegs (…) auf Kommando der US-amerikanischen Imperialmacht (…) umgebaut wurde”, bevor er eine “sicherheitspolitische Alternative gegen die US-amerikanische Form von Amok-Politik” forderte.

Nach diesem anti-amerikanischen Akteur durfte im folgenden Jahr ein Vertreter der antisemitischen Gruppe “Bremer Friedensforum” sprechen. In dessen Rede wurden die “völkerrechtswidrige Annexion des Golan durch Israel” sowie amerikanische Atomwaffen auf deutschem Boden beklagt. Durch einen Code, “alternative Medien”, empfahl der Sprecher damals die Lektüre der Propaganda von Verschwörungsproduzenten.

Zugehörige Wortführer ließen sich in den vergangenen Jahren im Rahmen von verschwörungsideologischen Events erleben. Vielfach sprach Reiner Braun, der 2017 in Oldenburg ähnliche Inhalte hervorbrachte, obwohl er zuvor unter anderem als Akteur der “Friedenswinter”-Querfront agierte. Auf dem damaligen Ostermarsch warf er dem Judenstaat unter anderem die “Unterstützung von Landraub” vor, während er eine deutsche “Unterwerfung unter die Politik der USA” beklagte.

Die auf Aktionen vielfach vorgenommene Konstruktion eines weltbeherrschenden, amerikanischen Antagonisten, der auch im verschwörungsideologischen Friedensaktivismus dem Frieden der “Völker” entgegensteht, ergänztFridays for Future” seit einigen Jahren durch umweltpolitische Ansprachen. Auch 2021 gab es eine Rede der Umweltorganisation. Beifall gab es zumindest in diesem Jahr durch Akteure, die zur esoterischen Endzeitsekte “Extinction Rebellion” gehören.

Allein das US-Militär”, so ein FFF-Feigenblatt, “verbraucht mehr fossile Energieträger als ganz Afrika“. Mit solchen Sätzen bot “Fridays for Future” zu Ostern eine ökologisch erscheinende Ergänzung, die zum klassischen Anti-Amerikanismus des Geistlichen passte. Der sprach, wie andere Redende der Vorjahre, zu Ostern fast ausschließlich gegen die USA, wobei die offenen anti-israelischen Ausfälle zumindest in diesem Jahr vor dem Hauptbahnhof ausblieben.

FFF-Mobilisierung: Aufruf zum Ostermarsch 2020
“Fridays For Future” und “Friedensbündnis”: Mobilisierung zum Ostermarsch (2020)

Kritik im Handgemenge

Die Abschaffung des Judenstaats, der als “Reaktion auf das Dementi aller Versprechungen der bürgerlichen Nationalrevolution” entstand und “als Antwort auf den stalinistischen Verrat an der kommunistischen Weltrevolution” (ISF) materielle Gewalt wurde, war 2013 ein finales Ziel dieses im Jahr 2021 in Oldenburg redenden Pfaffen. Der Traum von der Vernichtung Israels, dieser nur “als zu spät gekommene Notwehr gegen den Massenmord an den europäischen Juden” (ISF) zu begreifenden Staatlichkeit, dürfte die Organisierenden vom  “Friedensbündnis” nicht stören. Schließlich positionierte sich Struktur selbst immer wieder gegen Israel. 

Im Aufruf zum Ostermarsch des Jahres 2017 wollte die Gruppe vor allem einen “Flächenbrand im Nahen Osten (…) stoppen”, für den sie offenbar Israel verantwortlich macht. Neben innenpolitischem Reformismus, der sich gegen die Bundeswehr und die NATO richtete, wendete sich das “Friedensbündnis” explizit gegen Israel: “Die Duldung der israelischen Besatzungs- und Außenpolitik muss beendet werden”, forderte die Struktur, die auch in diesem Jahr die Zusammenkunft organisierte, im damaligen Aufruf.

Bei einer vorherigen Veranstaltung der Gruppe sprach sich Wolfgang Gehrcke, Autor mit Verschwörungsinhalten, nach Einladung des “Friedensbündnis” gegen “Antideutsche” und für die Verteidigung der BDS-Bewegung aus, wobei anwesende Antisemiten der Boykott-Truppe den Persilschein mit lautem Beifall quittierten. Dass sich der damalige Fraktionsvorsitzende der sogenannten Linkspartei in seinem Buch auch auf einen rechten Holocaust-Leugner beruft, störte die Einladenden offenbar nicht.

Formen deutscher Demagogie kennzeichnete bereits die klassische “Friedensbewegung” in den 1980er Jahren. In Deutschland sei nichts ungefährlich, nicht mal die Begeisterung für den Frieden”, warnte Wolfgang Pohrt damals. Sein Urteil bleibt weiterhin aktuell. Das zeigen Inhalte, die Prediger für das “Oldenburger Friedensbündnis” alljährlich auf dem “Ostermarsch” oder bei einer der raren Veranstaltungen verkünden.

Vor Ort gab es wie in den Vorjahren keinen Widerspruch gegen die Manifestation deutscher Demagogie. “Die Linke” wünschte sich nach der diesjährigen Zusammenkunft stattdessen “im nächsten Jahr” einen “Ostermarsch wieder wie gewohnt”. Dass sich sozialdemokratische Parteien wie “Die Linke” oder links-liberale Organisationen wie “Fridays for Future”, nach mehreren Jahren der konkreten Kollaboration mit dem friedensbewegten Antisemitismus, endlich von dem reaktionären österlichen Ritual distanzieren, ist ebenso wenig wie nötiger Widerspruch durch antifaschistische Gruppen aus der Region zu erwarten.

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