Der Aufmarsch

Etwa 600 Antisemiten beteiligten sich in diesem Jahr am „Al Quds”–Marsch in Berlin. Es handelt sich um eine jährliche Propagandaverstanstaltung für das iranischen Regimes und seine Apologeten, die Israel mit Vernichtung bedrohen. Im Aufruf zum größten islamistischen Aufmarsch, an dem sich allerdings auch andere Israel-Hasser beteiligen, wurde zum „Widerstand der Völker” aufgerufen. Auch in diesem Jahr wurden zahlreiche Fahnen verschiedener islamistischer Organisationen, wie die der antisemitischen Hisbollah, geschwenkt.

Auf Bildern waren die Portraits des syrischen Despoten Assad oder des iranischen Vordenkers Ayatolla Khomeini zu sehen. Ergänzt wurde das ganze durch die deutsche Fahne, während in Sprechchören die antisemitische Ritualmordlegende von den ermordeten Kindern eine neue Wiederkehr erfuhr, als die marschierenden Antisemiten Israel als „Kindermörder” verunglimpften

Andere Sprechchöre richten sich gegen „die Zionisten”. Es handelt sich dabei um einen rhetorischen Trick, mit dem Jüdinnen und Juden verunglimpft werden sollen. Wenn Antisemiten gegen „Zionisten” anbrüllen, meinen sie Jüdinnen und Juden. Zu den ekelhaften Sprechchören passten antisemitische Karikaturen, auf denen etwa ein hakennasiger Jude zu sehen war, der die Welt mit Atomwaffen bedroht. Außerdem riefen die Demonstrant_innen die üblichen Sprechchöre, die aus der Mottenkiste des Anti-Imperialismus stammen.

Auf Pappschildern wurden die USA als „Weltbrandstifter” bezeichnet und für acht Millionen Tote verantwortlich gemacht, während zur gleichen Zeit verschiedene Regime, deren mörderische Potenz keine Rolle spielte, in den Himmel gelobt wurden.

Kein Wunder, dass sich auch Nazis und andere Feinde der USA und Israels am antisemitischen Aufmarsch beteiligten. Da wäre zum Beispiel die Nazi-Rapperin „Dee EX”, die mit mit einem selbstgebastelten Transparent teilnahm, um für „Freie Völker” einzutreten. Dieser völkische Jargon der reimenden Nazi-Aktivistin passte zu den antisemitischen Parolen des Aufmarsches, bei dem die „Völker” des Öfteren bemüht wurden. „Deutsche Patrioten wollen keine Kriege”, hieß es auf dem Transparent der Nazi-Rapperin, die noch vor einiger Zeit in der rassistischen Kleinst-Partei „Die Freiheit” aktiv war.

Auf dem Marsch hielt der rechte Verschwörungsaktivist Christoph R. Hörstel auch in diesem Jahr eine rund zehnminütige Rede, bei der er zahlreiche antisemitische Klischees bemühte. Hörstel gilt als Ikone der „Truther” und „Infokrieger”, die die Ereignisse des 11. September 2001 umdeuten und zu einem „Inside Job” der angeblichen Verschwörung machen, hinter der oftmals geheinmnivolle amerikanische Institutionen oder gar der israelische Geheimdienst Mossad verortet wird. Hörstel ist ein ideologischer Vordenker der selbsternannten „Wahrheitsbewegung”.

Hörstel propagiert zahlreiche Verschwörungsmythen, bei denen er sich auch auf die „Freunde von ganz Rechts” beruft, was die nationalbolschewistische Tageszeitung Junge Welt nicht davon abhielt, den Verschwörungsideologen zu interviewen.

Im Mai 2012 war Hörstel auf einem Aufmarsch von Anhängern des syrischen Regimes aufgetreten, dort hatte er am Holocaust-Mahnmal ein Deutschland für Deutsche gefordert und allerlei anti-amerikanische Verbalinjurien von sich gegeben. Mit seiner neuesten Brandrede auf der Al-Quds-Demonstration sprach der völkische Verschwörungsideologe Israel das Existenzrecht ab.

Ich bin mir ganz sicher, wenn die Juden in Israel sich wieder, wie in den früheren Jahrhunderten, in den Schutz der Muslime stellen, dann wird es ihnen besser gehen als heute.

Kurze Zeit später bedankte Hörstel sich bei der Polizei, die den Aufmarsch begleitete. Der nationalistische Verschwörrungsideologe machte danach „die Zionisten” und die „Bänker in New York” für alle Übel verantwortlich, die er ausgemacht haben möchte.

„Als Deutscher” forderte Hörstel „wahre Verantwortung” für „ganz Palästina” ein. Dabei verzichtete der Hetzer in seinem aufgeregten Redeschwall zeitweilig auf die Chiffe von den „Zionisten” und sprach von den „Juden”, was die versammelten Antisemiten mit Beifall bedachten.

Ich sehe nur, dass die Juden die Muslime mit dem Tod bedrohen.

So brüllte Hörstel zur Freude der antisemitischen Querfront aus Nazis, Anti-Imperialisten, Verschwörungsgläubigen und Islamisten. Gegen diese antisemitische Manifestation protestierten etwa 250 Antifaschist_innen.

Behördenmythen

TATSACHE: Im Münchner Kreisverwaltungsreferat sitzen zwei Beamte, die nichts anders tun, als kriminellen Ausländern mit besonderer Schnelligkeit deutsche Pässe zu beschaffen. So bauen wir in Deutschland mannigfaltige kriminelle Szenen auf, die von der Regierung wahlweise benutzt werden können, notfalls auch gegen die eigene Bevölkerung.

Der Erfinder dieses Verschwörungsmythos ist kein NPD-Kader, auch wenn seine Verschwörungsmythen an deren Verschwörungsmythen zur Migration erinnern. Es handelt sich vielmehr um einen Vordenker der „Truther” und „Infokrieger”.

Der Verschwörungsideologe Christoph R. Hörstel, deutet nicht nur die Ereignisse des 11. September 2001 um, sondern ist auch eine der aktivsten Werbefiguren für das syrische Regime in Deutschland. Ob in der Tageszeitung Junge Welt, in den Sendungen des iranische Propaganda-Senders IRIB oder in den Videos der Occupy-Bewegung aus Berlin: Interviews mit dem Verschwörungsideologen sind überall dort zu sehen und zu lesen, wo die verschwörungsideologische Deutung verschiedener bewaffneter Konflikte gefragt ist.

Regelmäßig wird er vom ehemaligen Radiomoderatoren Ken Jebsen befragt, zwischendurch hält er Vorträge, zum Beispiel für die „Deutsch Syrische Gesellschaft” und für Stammtische der Verschwörungsszene.

Außerdem ist Hörstel ein gefragter Redner: In diesem Jahr sprach er zum Beispiel auf dem antisemitischen Al Quds-Marsch und auf einer Demonstration der Freunde des syrische Regimes, auf der Hörstel ein „Germany for the Germans” forderte.

Nun erfreut er seine Anhänger_innen mit dem Verschwörungsmythos über die Mitarbeiter einer Behörde in München. Von den rassistischen Zuständen, denen Menschen ohne deutschen Pass in derartigen Behörden ausgesetzt sind, schweigt der Demagoge.

Dafür meint Christoph R. Hörstel die Verschwörer zu kennen, die die beiden Beamten beauftragt haben, um möglichst viele „kriminelle Ausländer” nach Deutschland zu holen. Er raunt er über die ominösen ein Prozent, die „hier in Deutschland Krach zwischen den Menschen (…) inszenieren”. So einfach ist die Welt, zumindest für einen deutschnationalen Verschwörungsideologen.

Festival des deutschen Friedens

In der vergangenen Woche kamen sie auf dem Alexanderplatz in Berlin zusammen: Tibet-Fans, Trikot-Verkäufer, Occupy-Aktivisten und die Kader rechter Kleinparteien veranstalteten ein „Friedensfestival”. Verschiedene Marktschreier, die den flanierenden Besuchern und verirrten Touristen ihre esoterischen Wahnideen anpriesen, waren allgegenwärtig. Außerdem redeten verschiedene Verschwörungsideologen und andere Scharlatane.

Es ist ein ruhiger Samstag. Etwa 30 Menschen haben sich am 16. Juni 2012 vor der großen Bühne versammelt. Am Rande steht ein Zelt der „Occupy-Bewegung”, einige Regenschirm werden ebenfalls zur Schau gestellt. In verschiedenen Zelten werben ganz unterschiedliche Organisationen für ihre Ideen: Da wäre zum Beispiel die rechtskonservative „Ökologisch-Demokratische Partei” (ÖDP) oder der „Berliner Wassertisch”. Auf einem Markt der Ideen wird für esoterische Yoga-Übungen geworben. Direkt daneben wird die tibetische Fahne verschenkt und dementsprechend geschwenkt.

Ein Mensch läuft kreischend über den Platz: „Achtung, hier kommen die Friedenselefanten”. Er zieht eine Holzkonstruktion vor sich her und verteilt Flugblätter, mit denen die Internetseite der „Friedenselefanten” beworben wird. Dort wird zu einem „Aufmarsch” aufgerufen:

Auf dem ehemaligen Reichsparteitaggelände, werden die Werke der Friedenselefanten (…) aufmarschieren

Unterstützt wird diese wahnwitzige Aktion durch verschiedene Bürgermeister, Botschafter und Sparkassen. Auf dem „Friedensfestival” sind allerdings keine bürgerlichen Honoratioren, sondern nur die Holzelefanten zu sehen.

Die Touristen, die sich zwischen den Zelten verirrt haben, dürfen Elefanten und anderen esoterischen Ramsch erstehen. Doch die meisten Besucher interessieren sich nur für den ökologischen Orangensaft und die Deutschland-Devotionalien, die von einem Händler an die Fans der deutschen Nation verkauft werden. Selbst vor der Bühne bleiben kaum Menschen stehen, hier werden Theaterstücke aufgeführt.

Zwischendurch wird gesungen. Auf der großen Bühne ist eine Deutschland-Fahne zu sehen, während kleine Kinder ein Friedenslied aus der DDR intonieren. Sie singen über die weiße Friedenstaube, eine „Occupy-Aktivistin” stimmt vor der Bühne in den Kinderchor ein. Daneben sitzt ein gealterter Friedensfreund, der nicht nur das Peace-Zeichen, sondern auch seine schwarz-rot-goldene Mütze spazieren trägt, an der die Friedens-Rune zuvor befestigt wurde.

Die Organisatoren um Ina Edelkraut scheinen zufrieden sein. Ein vorläufiges Fazit findet sich auf ihrer Facebook-Seite:

Wir geben nicht auf, den Frieden ist auch eine Lösung! YEAHHH!

Seit 2009 findet dieses krude Festival statt. Der Ruf nach Frieden war schon damals ein mehr als „weitgedehnter Nenner”. Auch in diesem Jahr wird die ideologische Verkommenheit dieser deutschen Friedensfreunde, zum Beispiel durch das Veranstaltungsangebot, besonders deutlich: Hier wird die „Gemeinwohl-Ökonomie” beworben, die durch die Ideen des Anthroposophen Rudolf Steiner inspiriert wurde. Abgerundet wird dieser esoterische Firlefanz durch „Lachyoga” und  „Friedensmeditationen”, die einen „Impuls für Inneren Frieden” bieten sollen.

Zwischendurch darf Wolfgang Baron von Hildebrandt, der nicht nur „Menschenrechtsaktivist”, sondern auch „Liedermacher” sein möchte, die Lieder von Paul Simon missbrauchen. Danach stellt sich die„World Peace Prayer Society” vor und es wird gemeinsam für nicht mehr und nicht weniger als den „Weltfrieden” gebetet.

Am Abend wird es dann politischer. Christoph R. Hörstel erklimmt die Bühne und hält eine seinerberüchtigten Brandreden. In diesem Jahr geht es um seine Deutung der Situation in Syrien. Hörstel hat sich voll und ganz der syrischen Despotie verschrieben. Als Redner begeistert er des öfteren die Freunde des Regimes, so zum Beispiel am 12. Mai 2012 in Berlin. Damals forderte vor der amerikanischen Botschaft:„Germany for the Germans”.

Der Verschwörungsideologe ist nicht zum ersten Mal als Redner geladen. Im vergangenen Jahr deutete er die Ereignisse des 11. September 2001 um. In diesem Jahr gibt er sich reichlich Mühe, um das Assad-Regime zu verteidigen. Natürlich wird die ideologische Feindbildpflege, gegen „den Westen” und für das Assad-Regime, von den Friedensfreunden eifrig beklatscht.

„Hinter dem Ruf nach Frieden, verschanzen sich die Mörder”, urteilte Paul Spiegel im Jahr 2002. Das hat sich bis heute nicht geändert. Es verschanzen sich allerdings auch deutschnationale Verschwörungsideologen und esoterische Wanderprediger hinter diesem Ruf. Dies macht das Festival der deutschen Friedensfreunde mehr als deutlich. Im nächsten Jahr werden sie wieder zusammenkommen: Dann wird wieder meditiert, gebetet und gehetzt werden.

Verharmlosen und Vertuschen

Die nationalbolschewistische Tageszeitung Junge Welt berichtete am 14.05.2012 über eine Demonstration in Berlin. Der Autor gab sich viel Mühe, um diese Manifestation der syrischen Regime-Freunde in ein denkbar gutes Licht zu rücken.

In Berlin waren antisemitische und friedensbewegte Demonstrant_innen zusammengekommen, um  dem syrischen Diktator und der dortigen Despotie zu huldigen. Auf der Demonstration wurden zahlreiche schwarz-rot-goldene Fahnen geschwenkt. Der verschwörungsideologische Redner Christoph Hörstel forderte, zwischen amerikanischer Botschaft und Holocaustmahnmal, im NPD Jargon:

Germany for the Germans.

Teilnehmer_innen traten Davidsterne in den Staub, ein Redner verdammte den „Zionismus”. Dieser wurde als mächtige Verschwörung dargestellt, die für bestimmte Revolten gegen einige Regierungen verantwortlich sei. Hier wurde also auch antisemitische Propaganda betrieben.

All diese Ereignisse finden sich allerdings nicht in dem Jubelbericht, den André Scheer für die Junge Welt verfasste. Hier wurde stattdessen verharmlost und vertuscht. Scheer schrieb in blumigen Worten von der Demonstration und ließ einige Beschreibungen einfließen, die dem ordinären Leser dieser Tageszeitung erfreut haben dürften.

Die junge Frau in den hautengen Jeans heizt ihren Mitstreitern lautstark ein. »Das Volk will Baschar Al-Assad«, ruft sie in das Mikrofon, das ihre Stimme zu den scheppernden Lautsprechern überträgt.

Man beachte die Wortwahl: Hier wird mit der Darstellung einer jungen Frau, die auf ihre Kleidung reduziert wird, Propaganda betrieben, die der alternden und männlichen Leserschaft dieser Zeitung gefallen dürfte.

Diese Darstellung zieht sich durch den ganzen Jubel-Artikel. Ganz internationalistisch werden die „Mitglieder einer linken türkischen Partei” erwähnt, die sich ebenfalls „an der Aktion” beteiligten. Die Teilnahme eines deutschen Nationalisten, der als Redner auftrat, wird dafür verschiegen, aber das werden die meisten Leser_innen dieser Zeitung sicherlich nicht bemerken. Wer sich für „hautenge Jeans”, alternde Diktatoren und deutschen Internationalismus begeistert, dem dürfte dieser Jubelartikel nämlich gefallen haben.

In der Tageszeitung Junge Welt wurde also ein reaktionärer und antisemitischer Aufmarsch gefeiert. Die Praxis des deutschen Anti-Imperialismus führt eben zu den merkwürdigsten Verbrüderungen, auch mit den Freunden der Despoten und in diesem Fall mit den Fans der Diktatur in Syrien.

Aufmarsch der Assad-Fans

Am Samstag, den 12.05.2012, war es mal wieder soweit. Die Unterstützer_innen des syrischen Diktators Assad kamen zu einer „Riesen-DEMO in Berlin” zusammen. Im Demonstrationsaufruf war von einer geheimnisvollen „Verschwörung” die Rede. Als Urheber dieser angeblichen „Verschwörung” wurde der „Westen” ausgemacht.

Im Aufruf zum Aufmarsch wurden allerdings nicht nur verschwörungsideologische Konstrukte beworben. Hier wurde außerdem vom „geliebten Volk” und von dessen „Liebe zum Präsidenten Bashar Al-Assad” geschrieben. Das Vorgehen des syrischen Regimes, das mit seiner Armee zahlreiche Zivilist_innen ermordete, fand keine Erwähnung. Bei soviel völkischer „Liebe” zu „Volk” und „Präsidenten” ist das allerdings nicht verwunderlich.

Letztlich waren es etwa einhundert Teilnehmer_innen, die zum Aufmarsch zusammenkamen. Anhänger_innen des syrischen Regimes und Aktivist_innen der deutschen Friedensbewegung gingen hier für die Diktatur des Baschar al-Assad auf die Straße.

Dabei wurde nur eine einzelne Fahne der Linkspartei in die Luft gehalten, dafür wurden umso mehr schwarz-rot-goldene und syrische Fahnen geschwenkt. Auf einigen Fahnen und anderen Gegenständen war das Gesicht des syrischen Diktators zu sehen, der als Ikone allgegenwärtig war. Ihm wurde mit verschiedenen Sprechchören gehuldigt: „Assad, Assad”, brüllten die Demonstrant_innen.

Zwischendurch griff Christoph R. Hörstel zum Mikrophon, um eine ausführliche Rede zu halten. Der Verschwörungsideologe warnte vor den angeblichen „Machenschaften”der USA. Hörstel war vor einigen Monaten nach Syrien gereist, von dort gab er ausführliche Interviews mit denen der das Vorgehens das Regimes verharmloste.

Ein Interview gab er damals dem deutschsprachigen Radio des iranischen Rundfunks IRIB, für den sich Hörstel immer wieder befragen lässt, um gegen „USreael” hetzen und vor der NATO-„Verbrecherbande” zu warnen. Ähnlich gestaltete sich auch seine erste Rede vor den anwesenden Assad-Fans in Berlin: „Die Amerikaner beschuldigen die Regierung einer Sache, die sie selbst machen”, brüllte der Verschwörungsideologe, der ansonsten unter anderem die Ereignisse des 11. September 2001 umdeutet. Die Teilnehmer_innen reagierten begeistert.

Bei soviel Zustimmung werden einige Demonstrant_innen den Verschwörungsideologen auch per Unterschrift unterstützt haben. Hörstel sammelte nach seiner Rede nämlich Unterstützungsunterschriften, mit denen er sich als eine Art Berater für das syrische Regime in Stellung bringen möchte. Dafür nimmt Hörstel sogar seinen Tod in Kauf:

Wenn mir Verrat nachgewiesen wird – oder ich falsch berate, lasse ich mich freiwillig in der Hauptstadt (Damaskus) aufhängen.

Das bietet dieser Verschwörungsideologe großzügig auf der strukturell antisemitischen Internetseite „Alles Schall und Rauch” an.

Während Hörstel einen seiner ausführlichen Monologe hielt, verteilten Demonstrant_innen Zettel auf dem Boden. Auf diesen DIN-A4 Zetteln war unter anderem der Davidstern zu sehen, der nun von den Demonstrant_innen  in den Staub getreten wurde.

Aus ihrer antisemitischen und antiamerikanischen Einstellung machten weder Demonstrant_innen noch die Redner ein Geheimnis. Christoph R. Hörstel hielt vor der amerikanischen Botschaft, in direkter Nähe zum Holocaust-Mahnmal, eine weitere Brandrede. Dort wandte er sich an die Mitarbeiter der Botschaft:

Get the hell out of Germany, take your fucking troops with you.

So brüllte der Demagoge. Mit völkischen Parolen begeisterte er die Jubelsyrier:

We want Germany für the Germans. We want Syria for the Syrians.

Das schrie der Verschwörungsideologe. Solche Sätze wurden von den Demonstrant_innen mit Jubel quittiert.

Die anderen Redner äußerten sich durchaus ähnlich. Nur das Grußwort von Brigitte Queck wirkte vergleichsweise harmlos. Die Aktivistin der „Mütter gegen den Krieg Berlin-Brandenburg” überbrachte „Solidaritätsgrüße an das syrische Volk, das mehrheitlich an Assad glaubt”. Weil sie nicht brüllte, ging ihre Solidarisierung mit dem „syrischen Volk” allerdings unter.

Ein weiterer Redner gab dafür einen umso erschreckenderen Einblick in sein antisemitisches Weltbild, mit dem er die Demonstrant_innen begeisterte. In seiner Rede brachte der unbekannte Redner sämtliche Stereotype des Antisemitismus unter.

Er sprach vom „menschenverachtenden Zionismus”, der „alles” dafür tun würde, um „die Macht des Geldes zu bewahren”. Nun würden die „Zionisten” und die USA gegen Syrien mobil machen. Ein verschwörungsideologisches Motiv lieferte der Redner gleich mit: Syrien sei eine „Stütze für die entrechteten Palästinenser und leistet als einziges arabisches Land Widerstand gegen Israel”. Die Menge brüllte begeistert. Der antisemitische Wahn, der für einen ungenehmen Aufstand nur „Zionisten” verantwortlich machen kann, wurde hier offensichtlich.

Die antiamerikanische und antisemitische Demonstration, die am 12.05.2012 durch Berlin zog, wird nun von den Organisatoren begeistert beurteilt: „Es war eine Super-Demo”, schreiben sie auf ihrer Facebook-Pinnwand. Ihren Aufmarsch, bei dem mit völkischen Parolen, gegen die USA angeschrien wurde, wollen die Organisator_innen daher in nächster Zeit wiederholen. Wahrscheinlich werden dann wieder Davidsterne in den Staub getreten und antisemitische Brandreden gehalten werden.

Das Interview

In der gestrigen Ausgabe der Tageszeitung Junge Welt wurde der Verschwörungspropagandist Christoph R. Hörstel befragt, der eine wichtige Figur im Milieu der „Truther” und „Infokrieger” darstellt.

Im Interview mit der Tageszeitung ging es um einige Personen, die vor ein paar Tagen verhaftet wurden, weil sie im Verdacht stehen, an der Überwachung syrischer Oppositioneller in Deutschland beteiligt gewesen zu sein. Christoph R. Hörstel hat sein Urteil bereits gefällt: „

Ich denke nicht, daß auch nur einer der Festgenommenen sich am Ende als einer der Beteiligten herausstellt bei dem rechtswidrigen und gewaltsamen Übergriff gegen den syrischen NATO-Komplizen in Berlin.

In der Jungen Welt wurde Hörstel als „Publizist und Experte für Zentral– und Südasien, Nah– und Mittelost” vorgestellt, seine wichtigsten politischen Positionen kamen dafür nicht zur Sprache, dabei würden sie gut zu dieser Tageszeitung passen.

Der ehemalige ARD-Journalist und Siemens-Mitarbeiter Christoph R. Hörstel betätigt sich seit Jahren als Person, die die Ereignisse des 11. Septembers 2001 umdeutet. Er spricht, im Interview mit dem antisemitischen Internetportal „Muslim Markt”, von einem „angeblichen Attentat” am 11. September 2001. Hörstel ist sich sicher, dass die Anschläge durch „die CIA unter ihrem ehemaligen Chef George Tenet maßgeblich mitorganisiert” wurden. Mit derartigen Theorien sorgt Hörstel für Begeisterung im Milieu der „Truther”, „Infokrieger” und „Wahrheitsbewegten”, die die Anschläge des 11. Septembers 2001 auf ähnliche Weise umdeuten.

Hörstel ist einer der Ihren: Daher durfte er auch am 10. September 2011, auf einem Aufmarsch der Verschwörungsszene in Karlsruhe, eine Brandrede halten, die von den begeisterten Verschwörungsfans mit „Wir sind das Volk”–Rufen quittiert wurde.

Dort propagierte Hörstel verschiedene Mythen und entwarf ein Jahrhundert der Verschwörungen, für das er eine „ganz kleine Clique” verantwortlich machte. Er erinnerte auch an Verschwörungsmythen um den Untergang der Lusitania, der immer wieder als Beispiel für eine frühe „False-Flag”–Aktion angeführt wird.

Im Falle der Lusitania, die am 7. Mai 1915 von einem deutschen U-Boot angegriffen und versenkt wurde, wird die Behauptung aufgestellt, dass die USA für den Untergang des Passagierschiffes verantwortlich gewesen seien, um in den ersten Weltkrieg eingreifen zu können. Dies was allerdings erst zwei Jahre später, am 6. April 1917, der Fall. Mit dem Lusitana-Verschwörungsmythos werden die deutschen Angreifer entlastet. Kein Wunder, dass diese Theorie auch in der rechten Szene beliebt ist. Hörstel sprach in seiner Brandrede wohl auch daher von rechten Freunden:

Da kom­men un­se­re Freun­de von Rechts, die mit den selt­sa­men Stie­feln und den kur­zen Haa­ren und wei­sen auf 1916 hin, auf die­ses Schiff na­mens Lu­si­ta­nia. Ihr Lie­ben, Recht habt ihr! Das war auch eine ge­zink­te Saue­rei.

Die Rede findet sich bis heute im Internet und ist mit „Deutschlands Helden der Wahrheit” betitelt.

Im Interview mit der Tageszeitung Junge Welt sprach Hörstel zwar nicht von seinen rechten Freunden, dafür deutete er aber seine anti-israelischen Positionen an:

Antisemitismus ist auch so ein Vorwurf, der ja auch im Bundestag beliebt geworden ist, wenn es jemand wagen sollte, die abenteuerliche Politik Israels zu kritisieren

Diese Position ist vergleichsweise harmlos, wenn man sich andere Interviews und Offene Briefe anschaut, für die der umtriebige anti-israelische Apologet verantwortlich ist. In einem Offenen Brief an den israelischen Botschafter droht er:

Sollte auch nur eine einzige israelische Bombe auf den Iran fallen, erkläre ich hiermit, dass ich mich danach stets, überall, engagiert und unter allen Umständen für die ‘Ein-Staaten-Lösung’ in Nahost einsetzen werde.

In einem Interview mit dem Verschwörungsfilmer Frank Höfer, der mit seiner NuoViso–Filmproduktion Filme zum 11. September und über Kornkreise produziert, spricht Hörstel ebenfalls Klartext.

Man säubert glaubensmäßig dieses Gebiet von Muslimen. Das ist die zionistische Denkweise.

Dort wird auch eine weitere Position des Christoph R. Hörstel deutlich, die in der Jungen Welt verständlicherweise nicht zur Sprache kam. Hörstel relativiert im Interview mit NuoViso ganz offen die Shoa, indem er die Todeszahlen des Menschheitsverbrechens in Frage stellt:

Wenn es dabei bleibt (…), dass wir (…) die hunderttausenden, vielleicht Millionen Toten eines schrecklichen Verbrechens, verrechnen und sagen, deshalb darf Israel neue Verbrechen begehen und wir Deutschen dürften dagegen nichts sagen, das ist eine Rechnung die historisch (…) nicht aufgeht.

Trotz oder wegen seiner Positionen, die Hörstel bereits im Jahr 2009 formulierte, wurde er nun von der Tageszeitung Junge Welt interviewt. Das nationalbolschewistische Blättchen scheint mit der anti-israelischen und  verschwörungsideologischen Propaganda, für die Christoph R. Hörstel berühmt und berüchtigt ist, gar kein Problem zu haben.

Es ist allerdings nicht nur die Junge Welt, die Interviews mit Christoph Hörstel führt. Ein weiteres Interview wurde bereits am 13. Juni 2011 von der Internetseite„Infokrieger-News” ins Internet gestellt. Dieses Interview wurde am 14. Dezember 2011 von „Radio Zusa” aus Lüneburg erneut gesendet, allerdings ohne Verweis auf dessen Herkunft, einer Internetseite der Verschwörungsszene. Kurz darauf wurde dieses Interview von „Radio Lora” aus München übernommen.

Interviews mit dem Verschwörungsideologen Christoph R. Hörstel finden sich also nicht nur in der nationalbolschewistischen Tageszeitung Junge Welt, sondern auch im Programm einiger linksalternativer Radiosender. Die verschwörungsideologische Verklärung der Realität ist eben nicht nur die Sache von„Truthern” und „Infokriegern”.

Die Liste

Wenn deut­sche Frie­dens­freun­de gegen den Krieg mobilisieren, kann das durchaus gruselige For­men annehmen, die sie an die Seite der schlimmsten an­ti­se­mi­ti­schen Re­gime bringt. Ein ak­tu­el­ler Fall ist der Auf­ruf „Kriegs­vor­be­rei­tun­gen stop­pen! Em­bar­gos be­en­den! So­li­da­ri­tät mit den Völ­kern Irans und Sy­ri­ens!“, der vom Ver­ein „Freund­schaft mit Val­je­vo e.V.“ in­iti­iert und am 05. Ja­nu­ar 2012 in der Ta­ges­zei­tung „Junge Welt“ ver­öf­fent­licht wurde.

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