Verschwörungsideologie gegen Menschenwürde

Mehrfach kamen sie in den vergangenen Wochen in Oldenburg zusammen, um für “Grundrechte” und “Menschenwürde” einzutreten. Dem langen Aufruf der Organisatorin, Friederike Pfeiffer-de Bruin, folgten in den vergangenen Wochen eine stetig größere Anzahl von Corona-Leugner_innen. Letztlich stieg die Zahl der Demonstrant_innen in den dreistelligen Bereich. Die Steigerung erklärt sich auch durch die unkritische Einordnungen seitens des hiesigen Regionaljournalismus, der die Demonstrationen zur Corona-Leugnung zunächst bewarb.

Die Zusammenkunft am 18.04 begleitete zum Beispiel der TV-Sender “Oldenburg Eins” genauso wie die hiesige Polizei: es blieb bei einer unkritischen Einordnung. Der Beitrag der lokalen TV-Station bewarb die Aktionen des regionalen Ablegers der bundesweiten Aktionen von deutschen Verschwörungsgläubigen. Die Organisationsstruktur um Friederike Pfeiffer-de Bruin nutzte den Werbeclip, um in Sozialen Netzwerken auf ihre nächste Demonstration hinzuweisen, die der Moderator sogar mit Zeit- und Ortsangabe ankündigte.

Im – mittlerweile gelöschten – Video von “Oldenburg Eins” gibt es viel Verständnis für die Aktionen, die auf dem Schlossplatz in Oldenburg stattfanden: “Manch einer dachte wohl, (…) lebe ich überhaupt in einer Demokratie? Das ging auch Friederike Pfeiffer-de Bruin so”, hieß es zu Anfang des Werbebeitrags, der danach zunächst der Organisatorin das Wort gab, die über die während der Demonstrationen stattfindenden Grundgesetz-Verteilungen sprach. Dabei stellte sich die Aktivistin als Teil der gesellschaftlichen Mitte dar: “Wir sind (…) freie Bürger, die einstehen für unsere Grund- und Menschenrechte”, beteuerte die Aktivistin im Werbebeitrag.

Weitergehende Inhalte der Organisatorin finden sich allerdings auf einer Internetseite, über die Pfeiffer-de Bruin die Aktionen bewirbt. Neben einem “Offenen Brief an alle gewählten Vertreter Deutschlands”, der den “sofortigen Rücktritt von (..) Bundeskanzlerin Merkel” einfordert, veröffentlicht die Aktivistin dort recht umfangreiche Ausführungen. Auf ihrer Seite munkelt sie von fremdbestimmten “PolitikerInnen”, die “augenscheinlich nicht im Sinne der Bürger Deutschlands handeln”

Die Corona-Pandemie erscheint Pfeiffer-de Bruin offenbar als “Experiment”, wobei diese Organisatorin vor einer angeblichen “Impfpflicht” warnt. Immer wieder fällt der Name von Bill Gates: Dass der Microsoft-Gründer, der den anti-amerikanischen Verschwörungsgläubigen nun als Feindbild dient, in diesem Zusammenhang wichtig sei, “wird spätestens klar, wenn man diesen Zusammenhang einmal vorbehaltlos googelt”, belehrt die Impfgegnerin im Netz.

Das Werbevideo des Lokalsenders verschwieg solche Positionen – und gab stattdessen mit der Organisatorin den esoterischen Tipp, doch reichlich Sonnenenergie gegen Covid-19 zu tanken. Zuvor zeigte es nicht nur die Aktivistin, sondern auch ihren Kompagnon. Thorsten Mierswa kam im “Oldenburg Eins”-Clip ebenfalls mit einem ausführlichen O-Ton zu Wort. Es ginge ihm um den “Dialog”, den er derzeit nur über Facebook führen könnte. Das Lokalfernsehen illustriert diese Auslassungen mit Auszügen aus seinem Profil.

Kritische Einordnungen gab es keine. Dabei teilt dieser Organisator über seinen Account viele verschwörungsideologische Positionen. In seinem öffentlichen Facebook-Stream finden sich zum Beispiel Interviews von anti-feministischen Personen wie Eva Herman, Lügentweets von geschichtsrevisionistischen Rechtskonservativen wie Erika Steinbach sowie Statements von völkischen Nationalsozialisten wie Björn Höcke. Hinzu kommen Beiträge der antisemitischen Verschwörungsindustrie, die auch über YouTube-Kanäle ihren Profit realisiert. 

Inhalte des Produzenten Ken Jebsen, der einer der bekannteren Verschwörungspropagandisten in der Bundesrepublik ist, teilt der Aktivist vielfach. Videos von Christoph Hörstel, der seinem Publikum vor allem geschichtsrevisionistische Verschwörungspropaganda und anti-israelische Positionen bietet, finden sich ebenfalls im Facebook-Profil des Organisatoren. Der Organisator verbreitet dort rassistische und antisemitische Erzählungen, die rechten Terror zum “Clan-Krieg” machen.

Staunende Zeitgenoss_innen erfahren auch von einem antisemitischen Märchen, das wie so oft frauenfeindliche Elemente aufweist: Kanzlerin Merkel, Brexit-Premierministerin May sowie die lettische Ministerpräsidentin Straujuma seien, so die Lüge, in einer “Kaderschmiede” der “Rothschild-Familie” für ihre zukünftigen Aufgaben präpariert worden. Solchen Antisemitismus verbreitet der Organisator vielfach über Facebook, was für einen kurzen Moment sogar im Werbebeitrag von “Oldenburg Eins” zu erkennen war.

Die Gruppe um Pfeiffer-de Bruin und Mierswa begreift sich als Teil der bundesdeutschen Querfront-Strukturen, die in den vergangenen Wochen in verschiedenen deutschen Großstädten zum kollektiven Kontaktverbotsverstoß in Form von Durchseuchungsdemonstrationen aufrief. Sie beziehen sich auf die “Kommunikationsstelle Gewaltfreier Widerstand”, die auf ihrer Internetseite auf Aktionen in vielen Städten verweist. Außer Oldenburg finden sich Namen wie Hamburg, Erfurt und Berlin neben der Karte. Dort kam es zu größeren Zusammenkünften, zu denen die antisemitische Verschwörungsszene von ganz Rechts mobilisierte.

Ähnliches lässt sich für die Demonstrationen in Oldenburg belegen. Hier beteiligte sich zum Beispiel die Holocaust-Leugnerin Imke Barnstedt, die als Schauspielerin in Erscheinung trat, an der Demonstration der Corona-Leugner_innen. Kader der völkischen AfD ließen sich am Rande blicken. Mittlerweile verbreitete die Partei eine Rede, die auf einer Kundgebung der Corona-Leugner_innen entstand. Es handelt sich um Inhalte, die der antisemitische Verschwörungsideologe Werner Altnickel, der eigentlich “Reichsbürger”– und Chemtrail-Mythen propagiert, gleichfalls spiegelt

Es verwundert wenig, dass sich auch auf der Facebook-Seite der Organisator_innen antisemitische Inhalte finden. So schrieb ein Unterstützer über “drei jüdische Familien”, die maßgeblicher Teil von “Logen und Machteliten” seien, welche angeblich die Welt beherrschen. Pfeiffer-de Bruin ergänzte diesen Antisemitismus einige Stunden später. “Alles, was gegen Juden vorgebracht wird, (…) wird niedergemacht und gewaltbereit verfolgt”, klagte diese Veranstalterin.

Obwohl manche Organisator_innen und viele Teilnehmer_innen verschwörungsideologische und antisemitische Inhalte produzieren, gab es mehrfache Unterstützung durch die Stadt und ihre Behörden. Das Bürger- und Ordnungsamt sowie die hiesige Polizeiinspektion erstellten offenbar ein Flugblatt. Diesen “Flyer für die Versammlungsteilnehmer/innen” veröffentlichten die Veranstalter_innen auf ihrer Internetseite. 

Die Polizei hielt es so wie die Berichterstatter_innen des Lokalfernsehens, was ebenfalls für viel Lob sorgte. “Wir haben eine sehr konstruktive Zusammenarbeit”, konstatierte die Veranstaltungsleitung,  bezeichnenderweise im Gespräch mit dem Antisemiten Martin Lejeune, über diese Kollaboration. In einem Newsletter beklagte sich Pfeiffer-de Bruin aber über Vorgaben zur “Bedeckungspflicht”, die sie als “einigermaßen absurd” verunglimpfte. Dass die Auflagen ohnehin nur auf dem Papier galten, belegen mehrere Videos, die ein rechtslastiger YouTube-Hetzer produzierte.

Verschwörungsideologische Inhalte, die oft im offenen Antisemitismus enden, begeistern in Zeiten der Corona-Pandemie eine gesellschaftliche Gruppe, welche sich dem deutschen Wahn hingibt. Das zeigten nicht nur die Demonstrationen der letzten Wochen, sondern auch eine Paypal-Spendensammlung der Organisator_innen. In kurzer Zeit kamen über 750 Euro zusammen. Eine Finanzspritze gab es durch eine Gestalt, die sich augenzwinkernd als “antisemitischen, rechtsradikalen, verschwörungstheoretischen Putinversteher” bezeichnete. Offenbar erhalten die Organisator_innen genau die Unterstützung, die sie aufgrund ihrer Inhalte verdienen.

Reisen gegen Israel

Zwischen dem 23. Juli und dem 30. Juli 2017 fand zum 24. Mal das sogenannte “Farkha Youth Festival” statt, mit dem die “Palestinian People’s Party” (PPP) ihren internationalen Anhang gegen Israel mobilisiert. Im kleinen Dorf Farkha, rund 30 Kilometer von Nablus gelegen, begeisterten sich deutsche Teilnehmer_innen, die zuvor in der Bundesrepublik Spenden sammelten, für esoterischen Bioanbau, mordendes Märtyrertum und antisemitische Verschwörungskonstrukte. Reaktionäre Praktiken, die der Emanzipation im Wege stehen, registrierte ein Chronist, dessen Delegation in Farkha mit einem Bäumchen und viel Folklore bedacht wurde, nur am Rande.

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Keine Zeit zum Denken

Die Produktion esoterischer Ratgeberliteratur beschreibt der “Lebenscoach” Elias Fischer, mit deutlichen Worten. In seinem Werk “Mein Leben 2014”, in dem ansonsten über ein “Wechseln der Matrix” und “inneren Frieden” aufgeklärt wird, heißt es: “Ich habe dieses Buch in einem halben Jahr runter getippt. Es geht ziemlich flott, da ich keine Zeit mit Nachdenken und Korrigieren verbringe. Es flutscht einfach.” Der Autor dieser Zeilen wurde beim Lesen dieses Machwerks nicht nur mit den Produktionsbedingungen der Esoterik konfrontiert, sondern stieß auf Vor-, Feind- und Rollenbilder, mit denen sich Fischer “im Namen der Liebe” auseinandersetzt. Er nutzt das Mittel der Reproduktion, um uralte Mythen zu beleben – und ausführliche Anleitungen zu vermitteln, die seiner Vorstellung von “göttlichem Sex” entsprechen.

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Der Waldorf-Heiler

Er ist eine lebende Legende der Waldorf-Fans, die in der niedersächischen Kleinstadt Oldenburg zahlreiche Institutionen, wie zum Beispiel die örtliche Waldorfschule, gegründet haben. Der anthroposophische Doktor, der auf den Namen Ingo Junge hört, gilt in den Waldorf-Kreisen seiner Heimatstadt als eine Art Wunderheiler, der immer ein Globuli oder eine Paste kennt, mit der das Weh-Wehchen oder die potentiell tödliche Krankheit bekämpft werden sollte. Außerdem hält der anthroposophische Vordenker, an den Waldorfschulen und Biohöfen der Region, den ein oder anderen Vortrag, in dem es um die anthroposophischen Inhalte geht, die auch an Waldorfschulen vermittelt werden. Dann lauschen die Anhänger_innen der Anthroposophie dem kleine Guru, der die Ideen des Obergurus  auf seine Weise reproduziert.

Dieser große Guru, ein Herr namens Rudolf Steiner schuf den anthroposophischen Kosmos, ein riesiges Planetarium voller Wesenheiten. Nordische Götter, Zwerge, Erzengel und andere Fantasy-Figuren. Diese bevölkern die hiesige Welt, in die der Mensch immer wieder inkarniert, um eine höhere Bewustseinstufe zu erreichen. Neben diesen irrationalen esoterischen Ideen, vertrat Steiner aber auch eine Rassenlehre, in dem er zu Beispiel über das „starke Triebleben” des „Neger” schwadronierte oder Jüdinnen und Juden als „Zersetzungsferment” bezeichnete. Außerdem spaltete der fleißige Oberguru den Menschen in verschiedene „Wesensglieder” auf und erfand „Ätherleibe” und „Astralkörper”, die wichtige Teile des Menschen darstellen sollen, von denen die Biologie aber noch nie etwas gehört hat. Auf den Oberguru Steiner ist auch eine wahn-witzige Bewegungslehre zurückzuführen, die „Eurythmie” genannt wird und mit der die Waldorfschüler_innen auch heutzutage gequält werden. Bis heute wird der Vordenker der Anthroposophie, auf den die biologisch-dynamische Landwirtschaft und die Waldorfschulen zurückzuführen sind, in seinen Kreisen fast abgöttisch verehrt. Bis heute gibt es Menschen, die die Ideen und die Sprache des Vordenkers übernehmen, um das anthroposophische Weltbild zu bewerben.

Ingo Junge, der Waldorf-Heiler aus dem niedersächsischen Oldenburg, hält zum Beispiel Vorträge, die so beschauliche Titel wie „Die Bedeutung des Kosmos für die menschliche Entwicklung” tragen und mit denen der kleine Guru die Ideen des großen Gurus bewirbt. In anderen Vorträgen beschäftigt sich der Doktor mit „Planetenklängen”, dem „Christus-Impuls” oder dem„Hereinwirken geistiger Hierarchien in die Erdenregion”. Seine Werke werden eifrig in den esoterischen Zirkeln der Region debattiert. Dort wird man sicherlich auch auf andere Vorträge des Waldorf-Heilers zurückgreifen, die mit dem bezeichnenden Vermerk versehen werden, dass ein „Urteil über den Inhalt nur dem Personenkreis zugestanden werden kann, der (…) über ein fundiertes Wissen über die Anthroposophie” verfügt.

In diesen Vorträgen erklärt der Waldorf-Heiler seinen „lieben Freunden” zum Beispiel, dass die Krankheit Alzheimer auch auf die staatliche Vorschulerziehung zurückzuführen sei: „Wurde aber alles Mögliche in die kindliche Seele hineingestopft, so sieht es im Alter oftmals düster aus. Denken wir nur an die Alzheimer Krankheit, die in der Vorschulerziehung ihre Ursachen haben kann”. Dieser Gefahr solle man die „Stimmung zum Gebet” und die „frohe Anerkennung der Autorität” entgegensetzen. Ansonsten können die teuflischen „Widersacher”„Luzifer” und „Ahriman”, auf „unserer Erde Einfluss auf den (…) Menschen gewinnen”. Hier sollen die Ideen des großen und kleinen Gurus helfen, die auf das „Christus-Prinzip” verweisen: Das Leben müsse „durchchristet” werden, fordert Ingo Junge.

Krankheiten werden vom Waldorf-Heiler, der tatsächlich als praktischer Arzt tätig war, begeistert kommentiert. Junge warnt vor der „Wirkung irgendwelcher Chemikalien” und vor „Schmerzmitteln”, die nur dafür sorgen würden, dass die Krankheit „an anderer Stelle wieder” auftreten würde. So sei eine kleine Lungenentzündung eigentlich etwas Gutes: Sie müsse „im Grunde angesehen werden als der Versuch (…) die Summe von jahrelang angestauten Schädlichkeiten zu überwinden”. Würde man nun mit Medizin gegen die Krankheit vorgehen, könne diese „Jahre später erneut als Rheumatismus” auftreten. Schmerzmittel würde in Wirklichkeit dazu führen, dass sich die „äußeren Schmerzen in Seelenschmerzen” verwandeln1. Mit diesen possierlichen Erklärungen begeistert er seine Anhänger_innen. Die Jünger des Dr. Junge verzichten 0ftmals auf echte Medizin, man kann ja auch das ein oder andere Gebet sprechen und Globulis konsumieren.

Der Waldorf-Heiler ist außerdem auch politisch aktiv. Er war Mitbegründer der Initiative „Patienten helfen Patienten”, die in Oldenburg gegen die „Gesundheitsdeformation” vorging. Dabei wurden er und seine Anhänger_innen von verschiedenen sozialen Initiativen — von der Arbeitslosenberatung bis zum Sozialreferat des AStA — unterstützt. Die Initiative forderte eine „Erstattung” von „Naturheilmitteln” durch die Krankenkassen. Der anthroposophische Doktor wollte schließlich, dass die Globulis, Pasten und Kügelchen, deren medizinische Wirkung man durchaus in Frage stellen kann, auch in Zukunft durch die Krankenkassen finanziert werden.

Neben der irrationalen Verklärung der Welt und der politischen Arbeit für „Naturheilmittel” ist der Doktor auch noch für weitere gesellschaftliche Zusammenhängen relevant. Er ist ein Kronzeuge des „Chemtrail”–Ideologen Werner Altnickel, der den Waldorf-Heiler in seinen Vorträgen erwähnt, um seinen „Chemtrail”–Ideen einen wissenschaftlichen Anstrich zu verleihen. Der Verschwörungsideologe, der ebenfalls in Oldenburg lebt, glaubt tatsächlich, dass ein Teil der bekannten Kondensstreifen von Flugzeugen bestimmte Substanzen enthält, mit denen das Wetter manipuliert und die Menschen vergiftet werden: „Es geht um die strategische Zerstörung jeglicher Naturgrundlage”, fürchtet der umtriebige Verschwörungsgläubige. Ansonsten fabuliert er von geheimnisvollen israelischen Laserstrahlen oder von ebenso mysteriösen amerikanischen Erdbebenwaffen. In diesem Zusammenhang propagiert er antisemitische Verschwörungsmythen, in denen er vor den „Rothschilds” warnt, denen er eine unglaubliche Macht nachsagt. In seinen Vorträgen erwähnt er aber nicht nur „die Rothschilds” und geheimnisvolle Superwaffen, sondern auch den Waldorf-Heiler, der seinen verschwörungsideologischen Wahn zumindest teilweise teilt und als Kronzeuge für die Propaganda des Chemtrail-Gurus dient.

„Ich habe im Jahre 2005 den praktischen Arzt Dr. Junge aus Oldenburg zu den Auswirkungen von Chemtrail-Fallout auf die Gesundheit seiner Patienten befragt. Er bestätigte ansteigende Zahlen und Verläufe bestimmter Krankheiten seit 2003″, jubiliert der Chemtrail-Ideologe über ein Video, das er allerdings erst in diesem Jahr ins Internet gestellt hat. Dort äußert sich der esoterische Waldorf-Heiler über jene angeblichen „Chemtrails”, die bei seinen Patienten zu Atemnot, Heiserkeit, Schwindelgefühlen und Augenbeschwerden führen würden. Angesichts der sonstigen Ideen des Waldorf-Heilers ist es nicht verwunderlich, dass dieser auch die in der Realität nicht existenten „Chemtrails für eine reale Gefahr hält. Doch auch dagegen gibt es sicher ein Globuli oder ein Gebet, das der anthroposophische Doktor empfehlen kann.

  1. Alle Junge-Zitate stammen, soweit nicht anders angegeben, aus folgender Quelle: Dr. Ingo Junge: Die Bedeutung der Anthroposophie für praktische Lebensfragen. Vortrag vom 5. und 6. Februar 1999. Initiative zur Förderung der Vertragsarbeit im Freien Therapeutikum. Oldenburg, 1999

Naturgeist im Auto

Waldorfschulen und die Moderne? Das waren schon immer zwei Dinge, die nicht unbedingt harmonieren. Bereits der Gründer der Waldorfschulen, der anthroposophische Vordenker Rudolf Steiner, klagte über die Moderne und den „Materialismus”.

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Erinnerungen des Erzoberlenkers

Seine Erinnerungen an eine „Lebensbegegnung“ findet sich in vielen Bücherregalen von Anthroposophinnen und Anthroposophen. Aktuell werden sie unter anderem in der Waldorf-Zeitschrift „Erziehungskunst“(02/11) beworben. Die Erinnerungen Friedrich Rittelmeyers – ein evangelischer Pfarrer, der sich zum Anhänger Steiners mauserte und zum ersten „Erzoberlenker“ der anthroposophischen, neugnostisch-esoterischen „Christengemeinschaft“ wurde – werden seit Jahrzehnten vertrieben. Der Verlag „Urachhaus“sieht in dem Buch eine Möglichkeit, sich „ein besonders authentisches Bild“ über Rudolf Steiner zu verschaffen.

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Der anarchronistische Zug der Anthroposophen

Zum hundertfünfzigsten Geburtstag (27. Februar 2011) des ideologischen Vordenkers der Anthroposophie, Rudolf Steiner, haben sich dessen Jünger eine geeignete Werbemaßnahme einfallen lassen, um die Ideen der Anthroposophie zu verbreiten.

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Engel-Propaganda

Die Dezember-Ausgabe der anthroposophischen Szene-Zeitschrift „Erziehungskunst“, die vom „Bund der Freien Waldorfschulen“ herausgegeben wird, macht den esoterischen Gehalt der Waldorf-Pädagogik deutlich. Bereits im Editorial wird der Begründer der Waldorfschulen, Rudolf Steiner, als „bedeutender Vordenker des 21. Jahrhunderts“ gehuldigt. Jener Rudolf Steiner, der von „Volksgeistern“,„Ätherleibern“ und anderen geistigen „Wesenheiten“ halluzinierte, sei nach wie vor „unverzichtbar“. Als Geist sei Steiner sogar bei der „Geburtstagsfeier“, die im schweizerischen Dornach stattfand, anwesend gewesen, behauptet Mathias Maurer im Editorial.

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Totenkult im TV

Das große Interesse an esoterischen Themen bedienen verschiedene Menschen. Sie behaupten, dass sie in Kontakt zu „geistigen Welten“ stehen, für die es in der Realität nicht die geringste Spur eines wissenschaftlichen Beweises gibt. Für einiges Aufsehen sorgte die RTL-Sendung „Das Medium“, in der das selbsternannte „Medium“ Kim-Anne Jannes unter anderem einen angeblichen Kontakt mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Uwe Barschel suchte.

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