Ansichten eines Referenten

Am 07. April referiert der Kommunikationswissenschaftler Kerem Schamberger auf Einladung des „Oldenburger Friedensbündnis“ zur Situation in der Türkei. Die Geschehnisse der vergangenen Monate seien ein „Putsch im Putsch“, heißt es in der Einladung. Andere Inhalte des Referenten finden leider keine Erwähnung. Dabei bezieht Schamberger Positionen, die er „ganz explizit“ offenbart. Der Referent beurteilt Messermorde, denen seit 2015 mehr als 30 Israelis zum Opfer fielen. Statt Empathie zu entfalten, tritt Schamberger in die Fußstapfen deutscher Poeten: Während er Auschwitz zur israelischen Waffe macht, bezieht sich der Referent auf Personen, die die „nationale Einheit“ und den „bewaffneten Widerstand“ reaktionärer Organisationen begrüßen.

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Werbung im Parteiauftrag

„Bei der ‚Lao Brewery Company‘ gehen die Uhren etwas anders. Nicht nur, dass uns der Braumeister (…) in exzellentem Deutsch begrüßt, weil er seine Ausbildung in Dresden gemacht hat, sondern die Entlohnung (…) ist mit etwa 300 US-Dollar monatlich fast doppelt so hoch wie anderswo im Land. (…) Man hat auf dem riesigen Gelände modernste Brauereianlagen vor sich, die vorwiegend aus deutscher Produktion sind; Arbeitsschutz und Nachhaltigkeit werden groß geschrieben. (…) Inzwischen sucht die Lao Brewery Company ausländische Absatzmärkte. Die Qualität des auf Reisbasis gebrauten Bieres rechtfertigt die Idee.“

Marketing für ein Bierunternehmen? Begeistertes Schreiben eines reisenden Trinkers? Tatsächlich stammen die Zeilen aus dem Reisebericht einer DKP-Delegation, die derzeit in Laos und Vietnam „Wege zum Sozialismus“ erkunden möchte. Dabei besuchten die Kader der K-Gruppe, auf Einladung der „Laotischen Revolutionären Volkspartei“, auch einen „Vorzeigebetrieb“ zur Bierproduktion.

Über die nepotistischen Strukturen der einladenden Organisation, in der in staatskapitalistischer Tradition die Verwandten von Parteikadern hohe Ämter in der Nomenklatura bekleiden, berichten die Autoren nicht. Dafür erfreuen sie sich an „Arbeitsschutz und Nachhaltigkeit“. Phrasen deutscher Sozialisten, die sich weiterhin für den Staatskapitalismus in der Ferne begeistern.

Alles Lüge (III)

Die Wahrheit über die Geschehnisse in Libyen: Das verspricht die Ortsgruppe der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) aus Greifswald in einem Artikel, den sie auf ihrer Internetseite veröffentlichte. Ähnlich wie bei den Verschwörungsfans von „Mein Parteibuch“, die zur Solidarität mit Gaddafi aufrufen, wird hier die Behauptung aufgestellt, dass die Erstürmung der libyschen Hauptstadt Tripolis in einem Filmstudio in Katar nachgestellt worden sei:

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Linkes Interview – rechter Auftritt

An dem Tag, an dem die verschwörungstheoretische Band „Die Bandbreite“ – gemeinsam mit den Rechtspopulisten der Schweizer Volkspartei (SVP) und den Verschwörungsfreaks von „Alles Schall und Rauch“ – im schweizerischen St. Moritz über die angebliche Elite namens „Bilderberger“ aufklärte, erschien ein Interview mit der Band – allerdings in einer ganz anderen Zeitung. Im offiziellen Organ der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), der Wochenzeitung „Unsere Zeit“, durfte sich Marcel Wojnarowicz, Sänger der Band „Die Bandbreite“, darstellen.

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Verschwörungsrapper auf dem Pressefest

Am Freitag, den 24.06.2011, beginnt das 17. UZ-Pressefest der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) im Revierpark Dortmund-Wischlingen. Auf diesem Fest, das laut Eigendarstellung das „größte Volksfest der Linken“ ist, soll es nicht nur eine Videoschalte zur nächsten Gaza-Flotille geben. Geplant war auch ein Auftritt, der den Unmut verschiedener antifaschistischer Gruppen erregte, die sich mit einem Offenen Brief zu Wort meldeten. Es handelt sich um den angekündigten Auftritt der verschwörungsideologischen Band „Die Bandbreite“, die Leser_innen dieses Blogs vielleicht ein Begriff sein dürfte.

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Verschwörungsrapper auf dem Pressefest (II)

Natürlich durften sie auftreten: Die Rede ist von der verschwörungsideologischen Band „Die Bandbreite“, die für das 17. UZ-Pressefest der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) angekündigt worden war. Nach Protesten antifaschistischer Gruppen hatten die Organisator_innen des „größten Volksfest der Linken“ behauptet, den Auftritt der Band abgesagt zu haben. Stattdessen sollte es eine „Podiumsdiskussion“ mit namentlich nicht benannten Kritiker_innen und der Band geben.

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Verschwörungsrapper auf dem Pressefest

Im zweijährlichen Rhythmus organisiert die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ein Festival, das nach der Parteizeitung Unsere Zeit (UZ) benannt ist. Zur siebzehnten Auflage dieses Pflichttermins für deutsche Sozialisten werden wieder tausende Menschen erwartet. Hier kommen die „Genossen“ – aus dem orthodoxen dogmatischen  Spektrum – in einer rot-getünchten Parallelwelt zusammen, um Würstchen zu futtern und Arbeiterlieder zu grölen.

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Gänse-Holocaust

In der aktuellen Ausgabe der stalinistischen Kleinzeitschrift „Offensiv“ findet sich ein Artikel eines ehemaligen Mitglieds der „Deutschen Kommunistischen Partei“ (DKP), der sich mittlerweile der „Kommunistischen Initiative“ (KI) zugehörig fühlt. Eigentlich geht es um den üblichen Sekten-Kleinkrieg zwischen und in den beiden Gruppen, doch am Rande berichtet der Autor auch über den Wahlkampf einer DKP-Ortsgruppe in Nordrhein-Westfalen, die das „Gänse-Morden am Unterbachersee“ beenden wollte. Dazu benutzte die Ortsgruppe, wenn man dem Ex-Mitglied glauben will, auch die Phrase vom „Holocaust“ an den Tieren. Sie betrieb auf diese Art und Weise eine ungeheure Verharmlosung der Shoa, die ansonsten bei obskuren Organisationen wie „Peta“ beliebt ist:

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