Apelle des Appeasements

Zum diesjährigen Osterfest drohen altbekannte Rituale: Während einige Menschen ihren Nachwuchs mit der mystischen Geschichte vom Hasen malträtieren, marschieren andere Personen durch Straßen, um für Frieden zu streiten. Dass es um konkrete Parteinahmen geht, beweisen die diesjährigen Aufrufe zum „Ostermarsch“, die aktualisierte Forderungen enthalten. Einige Organisator_innen kämpfen für eine „neue Politik“, die Appeasement mit dem Islamfaschismus erfordert.

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Volkstanz gegen Pop und Pornos

Die „Rote Garde“ entwickelte als Jugendverband der „Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten“ (KPD/ML) besondere Formen der Kulturarbeit, mit der ein „Kampf gegen die ideologische Beeinflussung und Vergiftung der Jugend“ angegangen werden sollte. Auf dem „1. Ordentlichen Kongress der Roten Garde“, der zwischen dem 13. und 15. Mai 1978 mit einem „Massenzeltlager“ und einer „Großveranstaltung“ begangen wurde, forderten Vorsitzende eine politische Praxis, die aus der Diffamierung damaliger Popkultur erwuchs.

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Donald, Drogen, Zionisten

„Kämpfende Jugend“: Zentralorgan des Jugendverbandes der „Kommunistischen Partei Deutschlands“ (KPD/AO), die zwischen 1970 und 1980 für „ein unabhängiges, vereintes und sozialistisches Deutschland“ eintrat. Ihre Mitglieder, die sich als proletarische Kader_innen inszenierten, glorifizierten den chinesischen Staatskapitalismus. Hass gegen Israel vermengte sich mit völkischen Positionen. Mythen dienten der Untermauerung des Standpunkts. Der Zionismus, Comicfiguren und berauschende Substanzen erregten den Unwillen des Jugendverbandes. Heute feiern derartige Positionen, auch durch die Propaganda von maoistischen Jugendbanden, ein unschönes Comeback.

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Der Abend der Sozialdemokratie

Oldenburg: Ansammlung von Häusern in der Grenzregion zu Ostfriesland. Besorgte Bewohner_innen betreiben anti-israelische Debatten, die Leserbriefspalten, Weblogs und Kommentarfelder füllen. In den vergangenen Monaten urteilten sie über Israel, weil sich ein hiesiger Pädagoge als Aktivist der antisemitischen Bewegung „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS) inszeniert. Nun wurde auch unter Sozialdemokrat_innen über den Aktivisten, die Boykottkampagne und Israel gesprochen.

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Feindbilder des deutschen Maoismus

Popmusik, Comics Pornographie, Fernsehen und Film hindern am Klassenkampf. Aus einer „Stellungnahme der Zentralen Leitung des KABD zur Jugendarbeit und den Aufgaben des RJVD'“. Der „Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands“ ging in den 1980er Jahren in der MLPD auf, die eine erstaunliche Kontinuität entwickelte und viele klassische K-Gruppen überlebte.

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Faksimile: Deutsche Maoisten versus Comics und Popmusik

 

Gegen die USA – für Russland. Zur Ideologie eines Kreisverbandes

Der hiesige Kreisverband der Linkspartei betreibt nicht nur eine Internetseite, sondern nutzt auch eine Facebook-Präsenz. Auf den Seiten der Linken aus Oldenburg erscheinen Kommentare, durch die die Partei eine gewisse Politik betreibt. Dort verbreitet sie verschwörungsideologische Inhalte. Dabei bewirbt der Kreisverband sogar eine Internetseite, die nationalsozialistische Täter entlastet.

Mausklicks genügen, um auf antisemitische und nationalsozialistische Propaganda zu stoßen. Während der letzten sechs Monate wurden mehr als einhundert Beiträge auf den Internetseiten der Partei publiziert. In diesen Wortmeldungen offenbart sich oftmals Anti-Amerikanismus, der nicht selten mit einer Parteinahme für den russischen Staat einhergeht.

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„Volksdiplomat“ aus Quakenbrück

Kapitalisten als dunkle Seite der Macht, während ein Darth Merkel eine Raute zeigt: Wahlwerbung für die Kommunalwahlen in Oldenburg, bei der die Linkspartei eine eindeutige Politik betreibt. Der örtliche Ableger der Partei missbraucht nicht nur eine Figur aus der „Krieg der Sterne“-Mythologie, um Wähler zu werben, sondern lud auch zu Wahlveranstaltungen. Am 24. August referierte der Kreistagsabgeordnete Andreas Maurer zum Thema „Russland verstehen“. Der umtriebige Agitator, der vor kurzem die Krim bereiste, verbreitet in Interviews mit Ken Jebsen und dem eurasischen Faschisten Wjatscheslaw Seewald bezeichnende Weltbilder.

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Reichsbürger versus Neo Magazin Royale

Als es große Aufregung gab, weil Jan Böhmermann ein RTL-Format unterwanderte, wurde auch unter den Videos debattiert, die das ZDF auf YouTube veröffentlicht. Dort formulierten verschwörungsgläubige Reichsbürger ganz eigene Theorien. Die fanatisierte Minderheit glaubt, dass das Deutsche Reich in Wirklichkeit noch existiert, allerdings nicht handlungsfähig sei. Die Bundesrepublik wird als „GmbH“ der Alliierten bezeichnet, die Deutschland dauerhaft besetzt hätten.

Das Milieu der „Reichsbürger“ gründet Pseudo-Staaten, die eigene Führerscheine, Nummernschilder und Ausweise verkaufen. Oftmals handelt es sich um ein Geschäftsmodell, das der Finanzierung von „Reichsregierungen“ dient, die untereinander konkurrieren. Das Internet ist Brandbeschleuniger, der die Thesen der „Reichsbürger“ bekannt gemacht hat. Als Wutbürger nutzen ihre Anhänger jede Gelegenheit, um ihre Anschauungen zu verbreiten. Dazu gehört auch der antisemitische Hass, dem ein Großteil der Reichsbürger verfallen scheint.

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München: Konstruktion eines Mythos

Als er in München zur Waffe griff, um Menschen zu ermorden, war David S. erst 18 Jahre alt. Nach der Attacke war das Verlangen nach einer Erklärung groß. Es entstand das mediale Psychogramm eines Täters, der sich an „Killerspielen“ wie „Counter-Strike“ begeisterte. Ein junger Mann eben, psychisch instabil und gemobbt, der als Außenseiter galt. Innenminister De Maizière reanimierte unterdessen eine alte Debatte, indem er ein „Ausmaß von gewaltverherrlichenden Spielen im Internet“ entdeckte, die Jugendliche in ihrer Entwicklung bedrohen.

Währenddessen suchten andere Akteure die Täter, die in Wirklichkeit für die Morde verantwortlich sein sollen. Im Netz wurde bereits in der Nacht nach den Attacken, als noch weniger Informationen bekannt waren, nach Schuldigen gefahndet. So mutierte eine ganze Anzahl an Ungläubigen, die weder Medien noch Bildern trauen, zu Aufklärern, die sich mit den Morden befassten. Bereits kurz nach den Attacken kursierten die ersten Mythen, durch die die Taten erklärt wurden.

Einen Tag nach den Ereignissen veröffentlichte die Facebook-Seite „Neues Bewusstsein“ eine erstaunliche Deutung, die munter geteilt wurde. Nicht nur dort wurde ein Video, das David S. bei seinen Taten zeigte, zur Beweisführung herangezogen. Der Täter sei in die Szene „hineingebeamt“ worden, hieß es. Ob er aus der Zukunft kam, wurde leider nicht beantwortet. Die Theorien vom Beamen wurden auch in anderen Facebook-Gruppen debattiert, in der sich Verschwörungsgläubige sammeln.

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Verschwörungsfans gegen Pokémon Go

Verschwörungsgläubige nutzen fast jedes Ereignis: Anschläge, Katastrophen und Kriege werden auf das Wirken mysteriöser Geheimbünde zurückgeführt, die seit vielen Dekaden die Menschheit beherrschen. Der Konspiration wird eine allumfassende Macht über die Medien nachgesagt. Sie würden Hollywood beherrschen, um Massenmanipulation zu betreiben. Sie entwickeln Spiele, durch die die Manipulation der Massen noch geschickter vorangetrieben wird.

Es muss nicht immer ein Terroranschlag sein, der der verschwörungsideologischen Fehldeutung der Realität dient. Schließlich ist der Glaube an die allmächtige Konspiration oftmals Teil eines geschlossenen Weltbilds, bei dem jedes Ereignis gebraucht wird. Ein Pop-Phänomen eignet sich hervoragend, um krude Mythen zu verbreiten, dem Gläubige verfallen sind. Ein Beispiel ist der für viele Menschen überraschende Erfolg des Smartphone-Games Pokémon Go, bei dem knufflige Wesen gefangen werden, indem sich die Teilnehmer durch die reale Umgebung bewegen.

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Populisten gegen Europa

Mit ihrer neuen Partei wollen sie die „Alternative für Deutschland“ sein. Ein paar erzkonservative und deutschnationale Gestalten haben sich zusammengefunden, um ihren Traum von der Rückkehr zur Deutschen Mark mit einer neuen Organisation Nachdruck zu verleihen. Die „Alternative für Deutschland“ sorgt für Schlagzeilen, das Oberhaupt dieser Gruppierung bewirbt sie zur besten Sendezeit im ZDF. Zuallererst geht es um den Ausstieg aus dem Euro; doch die Unterstützer der Partei vertreten auch deutschnationale, völkische und verschwörungsideologische Positionen.

Voller Freude verweisen die Parteigründer auf einen„wahren Strom an Unterstützung“. Wer einen Blick auf die Liste der offiziellen Unterstützer wirft, dürfte auf verschwörungsideologische Autoren und erzkonservative Politiker stoßen, die die Angst vor Europa eint. Dort fürchtet man eine angeblich drohende Diktatur, die aus der Europäischen Union erwächst. Die Europäische Union scheint ihnen die neue Sowjetunion, Brüssel das neue Moskau und Merkel so etwas wie eine Wiedergeburt des Karl Marx zu sein.

Es sind Personen wie Stefan Milkereit, die nun in der neuen Partei Politik betreiben wollen und die die Angst vor der angeblichen Diktatur anzutreiben scheint. Der Steuerberater aus dem Biebertal sitzt als Beisitzer im Bundesvorstand. Außerdem betreibt er einen Twitter-Account, über den er absurde und belanglose Lebensweisheiten absondert. „Wer tief stapelt, kann nie hoch hinaus kommen“, schreibt er dort. Neben derartig belanglosen Weisheiten finden sich dort aber auch NS-Relativierungen. So zum Beispiel die Behauptung, dass das Löschen von Kommentaren eine neue Form der Bücherverbrennung darstellen würde. Diejenigen, die das „Vaterland“ nicht lieben, würden eine „allgemeine Gefahr“ darstellen, meldet das Parteivorstandsmitglied ebenfalls über Twitter. Der bisherige Höhepunkt aus Tiraden und Phrasen war am 28. November 2012 erreicht. Damals erfand das Parteivorstandsmitglied ein „Multi-Kulti-Gen“ und schrieb in NS-Manier über daraus resultierende „Mutationen“:

Multi-Kulti-Gen führt zu Mutationen und damit zu Krankheiten, die vorher bei Reinrassigkeit nicht vorhanden waren. Wissenschaftlich erwiesen.

Ein weiterer Unterstützer der neuen Gruppierung ist der ehemalige Brigadegeneral Dieter Farwick. Der deutsche Landser tritt als Publizist in Erscheinung. Seine Artikel finden sich unter anderem in der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“, dem Sprachrohr der deutschnationalen Landsmannschaft Ostpreußen, die auch in diesem Jahrtausend mit völkischer Brauchtumspflege an die verlorenen Ostgebiete erinnert.

Dort lässt sich Farwick zum Beispiel über den „Konflikt“ im „Nahen Osten“ aus. Er gibt den deutschen Nachhilfelehrer, der die „Zwei Staatenlösung“ empfiehlt und vor einem israelischen Angriff auf den Iran warnt. In dieser Zeitschrift wird – vielleicht im Gegenzug – das Buch des deutschen Militärs empfohlen. „Sein Buch ‚Wege ins Abseits. Wie Deutschland seine Zukunft verspielt’“ sei „eine hervorragende Ergänzung zu Sarrazins Schriften“. Dieses Buch ist im Übrigen im Osning-Verlag erschienen, in dem die deutsche Kriegsschuld durch die altbekannten Präventivkriegsmythen geleugnet wird.

Ein anderer Unterstützer der entstehenden Partei schreibt nicht für den Verlag, dafür aber für eine andere Zeitung der deutschen Rechten. Es handelt sich um Dr. Bruno Bandulet, der als nach eigenen Angaben für die neu-rechte Junge Freiheit schreibt. Außerdem hat er mehrere Bücher verfasst. Einige sind imverschwörungsideologischen und rechtsesoterischen Kopp-Verlag erschienen. Passenderweise verbreitet das ehemalige Mitglied des deutschnationalen Bund Freier Bürger (BfB) geschichtsrevisionistische Verschwörungsmythen:

Kaum jemand weiß, dass Deutschland bis heute vertraglich gebunden ist, sich an die Geschichtsversion der Siegermächte zu halten. (…) Die Verpflichtung Deutschlands, die eigene Geschichte durch eine fremde Brille zu sehen, wurde 1990 vertraglich verlängert!

Dieses Zitat ist Wasser auf die Mühlen der Geschichtsrevisionisten, Antisemiten und Holocaustleugner. Es findet sich daher auf zahlreichen Internetseiten, die von derartigen Gestalten betrieben werden.

Zahlreiche Verschwörungsgläubige beobachten oder unterstützen das neue Parteien-Projekt. Da wären zum Beispiel beiden Aktivisten des „Aktionsbündnis Direkte Demokratie“ aus Stuttgart. Dieser Zusammenschluss um Hansjörg Schrade und Bernhard Seitz organisiert seit einiger Zeit den Kampf gegen Europa, indem man Politiker anzeigt und auf der Straße marschiert. Nun treten Schrade und Seitz als Unterstützer der neuen Partei in Erscheinung.

Zuvor hatte ihre Gruppierung vor einer „Machtergreifung“durch eine ominöse „EU-Diktatur“ gewarnt. In diesem Zusammenhang ging man auch auf die Straße. In Berlin marschierte man vor dem Reichstag auf. Dort beteiligten sich auch einige Kader der Nationaldemokratischen Partei Deutschland (NPD). Auf anderen Aktionen des „Aktionsbündnis“ sprachen die Vordenker des verschwörungsideologischen Milieus: Auf einer Kundgebung hielt Jens Blecker eine Brandrede. Auf dessen Internetseite findet sich auch antisemitische Hetze. Dort ist zum Beispiel von den „bei­den Fami­li­en­clans Roth­schild und Rocke­fel­ler” die Rede, die die Welt beherrschen würden.

Das neue Parteienprojekt wird außerdem durch Wilhelm Hankel unterstützt. Der verbreitete seine Theorien auch in der National-Zeitung des vor kurzem verstorbenen Nationalsozialisten und DVU-Gründers Gerhard Frey. Ein weiterer Unterstützer ist Karl Albrecht Schachtschneider, der überall dort auftritt, wo man sich vor dem Euro und den dazugehörigen Institutionen fürchtet. Bereits im Jahr 2009 begeisterte er bei die Mitglieder der rassistischen Gruppierung „Pro Köln“.

Mit dem ehemaligen Radiomoderator Ken Jebsen, der für seine anti-amerikanischen und anti-israelischen Tiraden berüchtigt ist, führte Schachtschneider angeregte Gespräche, die der Nachwelt zur Verfügung gestellt wurden. Schachtschneider publiziert ebenfalls im Kopp Verlag. Zahlreiche Unterstützer der neuen Partei stammen ebenfalls aus dem Umfeld des verschwörungsideologischen Verlages, der ihre Machwerke publiziert.

Ein Blick auf diese Unterstützer der neuen Partei macht deutlich, wohin deren Reise gehen wird. Hier geht es um mehr als den Euro. Es geht um eine Sammlungsbewegung, die denjenigen eine Heimat bieten dürfte, die von einem starken Deutschland träumen. Zusätzlich dürfte diese Partei verschiedene Verschwörungsgläubige anziehen, die in der Europäischen Union einen nächsten Schritt zur vermeintlich drohenden Weltdiktatur sehen.

Die anti-europäischen Positionierung dürfte der als kleinster gemeinsamer Nenner sein.  Mit ihrem verschwörungsideologischen Populismus gegen die „’Parasiten in Brüssel’“ könnte die „Alternative“ bei den nächsten Wahlen einen Achtungserfolg erzielen. Damit könnte dieser Partei das gelingen, woran andere Kleinstparteien bisher gescheitert sind.

Der Prozess

Am Montag, den 25.02.2013, stand ein Mensch vor Gericht, weil er keine Fernsehgebühren bezahlt hatte. Im britischen Horsham fand ein Prozess gegen Tony Rooke statt, bei dem es eigentlich nur Fernsehgebühren gehen sollte. Doch es ging auch um die Ereignisse 11. September 2001 und eine gigantische Fernseh-Verschwörung, an die Rooke zu glauben scheint.

In Großbritannien muss man ebenfalls Fernsehgebühren zahlen, mit denen die British Broadcasting Company (BBC) finanziert wird. Rooke hatte die Zahlung dieser Gebühren eingestellt und sich wenig später von einem Kontrolleur erwischen lassen. Gegen einen Zahlungsbefehl legte er einen Widerspruch ein. Rooke wollte das resultierende Gerichtsverfahren vor dem Magistrates Court, um sich als Ankläger aufzuspielen. Dem Angeklagten ging es darum, die BBC der Beihilfe zum Terrorismus zu beschuldigen. Dabei berief er sich auf Paragraph 15, Artikel 3, des „Terrorism Act 2000“, in dem es um die Finanzierung von terroristischen Gruppierungen geht.

Tony Rooke macht die BBC zu einer terroristischen Gruppierung, weil diese angeblich die Hintergründen des 11. September 2001 verschweigen und all diejenigen diffamieren würde, die die Wahrheit ans Licht bringen wollten. Dabei geht es auch um zwei Dokumentationen der BBC, die die Verschwörungsideologen und ihre Konstrukte kritisch beleuchten. Damit war der Sender ins Fadenkreuz der Verschwörungsgläubigen geraten.

Dem Verschwörungsgläubigen ging es vor dem Magistrates Court um seine Sache: Der Aktivist der verschwörungsideologischen Gruppe „Christians for 9/11 Truth“ glaubt, dass die britische „Mainstream-Medien“ ein Teil der gigantischen Verschwörung seien, die er für die Ereignisse des 11. September 2001 verantwortlich macht.

Auf der Internetseite seiner christlich-fundamentalistischen Sekte werden daher Martin Luther King und Jesus Christus in Stellung gebracht, um über die angeblichen Hintergründe des 11. September aufzuklären. Seinen Prozess wollte er zum Fanal machen, mit dem die angebliche Wahrheit ans Licht kommen sollte. Der Truther wurde dabei von verschiedenen Verschwörungsideologen unterstützt, die vor Gericht als Zeugen aussagen sollten.

Der dänische Verschwörungsideologe Niels Holger Harrit, der ein Begründer der so genannten und vielfach widerlegten „Nanothermit-Theorie“ ist, war nach Hersham gereist. Der britische Truther Ian Henshall, der sich gerne über den angeblichen Einfluss von „jüdischen Gruppen“ erregt und die Unterstützung durch den britischen Nationalsozialisten Martin Webster lediglich aus taktischen Gründen ablehnt, war ebenfalls anwesend, um als Zeugen aufgetreten.

Als Kameramann trat der norwegische Verschwörungsideologe Torstein Viddal auf, der bis 2010 ein Mitglied der rechtspopulistischen „Fremskrittspartiet“ (FrP) war. Viddal erregte in letzter Zeit einiges Aufsehen, als er heimlich das Abschlussstatement des Anders Behring Breivik aufnahm und über Youtube verbreitete. Er macht diesen Massenmörder zum „Zionisten“ und erfreut auf diese Weise die Antisemiten in aller Welt. Viddal propagiert dabei das Konstrukt einer zionistischen Weltverschwörung, die die Massenmedien kontrollieren würde. Diese angebliche Verschwörung sei außerdem – direkt oder indirekt — für verschiedene Anschläge verantwortlich.

Die Zeugen und der Kameramann, der sie vor dem Gerichtsgebäude befragte, glauben wie ihr Kompagnon Rooke, dass die BBC bereits vor dem 11. September 2001 über den Ablauf und die Hintergründe der Anschläge informiert war. Sie glauben an die machtvolle Verschwörung, die Politik und Presse kontrolliert und dabei über Leichen geht. Die eigentlichen Täter des 11. September 2001, jene islamofaschistischen Rackets, die damals etwa 3000 Menschen ermordeten, werden vom ihnen entlastet. Sie schreiben dafür eine ganz andere Geschichte, in denen sie selbst als Helden auftreten. Dabei inszenieren sie sich als Aufklärer und Wahrheitssuchende, die diese angebliche Wahrheit gegen alle Widerstände vor Gericht und ans Licht zerren.

Vor dem Prozess hatte man daher Texte verfasst, mit denen der Angeklagte zum Ankläger gemacht wurde. So suggerierte Michel Chossudovsky, dass die BBC „wegen Manipulation von Beweisen und einseitiger Berichterstattung im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 vor Gericht“ stehen würde. Nichts davon ist wahr.

Unterstützung gab es auch aus Deutschland. Der Text des antisemitischen Autors wurde ab dem 24.02.2013 auf der Internetseite des rechtslastigen Kopp-Verlages verbreitet. Einen Tag später griff ein Autor der nationalbolschewistischen Tageszeitung junge Welt das Thema auf. Dort wurde der Verschwörungsgläubige zum „Terrorismusverweigerer des Tages“ gemacht. Dort wurde die Hoffnung geäußert, dass die „Verantwortlichen zur Rechenschaft“ gezogen werden. Ähnliche Äußerungen waren auf zahlreichen Internetseiten des Verschwörungsmilieus zu lesen.

Vor Prozessbeginn hatte sich die Gemeinde der Verschwörungsgläubigen vor dem Gerichtsgebäude versammelt. Etwa 100 Unterstützerinnen und Unterstützer waren eingetroffen, um die angekarrten Zeugen zu hören, die über die Ereignisse des 11. September berichten sollten. Doch dazu kam es nicht. Richter Stephen Nicholls befand Rooke für schuldig. Er muss nun 200 Pfund Verfahrenskosten zahlen. Die eigens eingeflogenen Zeugen kamen nicht zu Wort.

Sicherlich ist das nicht das Ergebnis, von dem die Verschwörungsgläubigen geträumt haben. Daher tun sie nun das, was sie am besten können: Sie deuten die Ereignisse um und blenden die Fakten aus, die nicht mit ihrer Umdeutung übereinstimmen.

Im „American Freedom Radio“ berichtete Rooke und sein Kompagnon Henshall stolz darüber, wie sie den Richter überzeugt hätten. Rooke war in der Sendung des Kevin Barrett zu hören, der von der Anti Defamation-League als einer der bekanntesten Köpfe der antisemitischen Verschwörungsmythen zum 11. September 2001 bezeichnet wird. Auf den Prozess folgten zahlreiche Jubelartikel. Da wurde die Verteilung zum historischen Triumph gemacht. Die Niederlage wurde zum Sieg des Angeklagten umgedeutet.

Die größten Falschbehauptungen finden sich in einem deutschen Jubelartikel. Dort wird die Verurteilung verschwiegen und eine ganze Hauptverhandlung erfunden, von der noch nicht einmal die britischen Truther sprechen:

Rooke wurde nicht abgeurteilt. Stattdessen setzte der Richter den Termin zu einer umfassenden Hauptverhandlung an. Damit wird es jetzt allmählich eng für die BBC, denn nun werden verschiedene international anerkannte Wissenschaftler und weitere Zeugen angehört werden.

Man muss schon ein sehr spezielles Verhältnis zur Realität haben, wenn man aus einer Verurteilung einen Sieg des Angeklagten fabriziert.

Tony Rooke ist nun auf der Suche nach den nächsten Verschwörungsgläubigen, die keine Fernsehgebühren mehr zahlen. Es könnte also in naher Zukunft weitere Verurteilungen geben, die dann in einen Sieg umgedichtet werden, um die Märchen von der Fernseh-Verschwörung zu verbreiten.


 

Itanamuli

Irgendwann im Jahr 2003 kam John Fenley auf eine merkwürdige Idee. Er meldete die Adresse www.itanimulli.com an und leitete sie auf die Internetseite des amerikanischen Nachrichtendienstes National Secret Agency (NSA) weiter. Wenn man nun das Wort Itanamulli von hinten nach vorne liest, kommt Illuminati heraus. Es handelt sich also um den Namen jenes Geheimbundes, der 1776 in Bayern gegründet und wenige Jahre später zerschlagen wurde.

Bis heute ranken sich zahlreiche Mythen um den Geheimbund. Dabei können die heutigen Mystiker, die von einer Fortexistenz des Geheimbundes ausgehen, auf eine umfangreiche Vorarbeit zurückgreifen, die von zahlreichen Verschwörungsideologen fabriziert wurde. So behaupte der britische Autor John Robinson bereits 1778, dass die Illuminaten zahlreiche andere Organisationen, wie die Freimaurer, steuern würden.

Später avancierten die Illuminaten zu einem bevorzugten Hassobjekt zahlreicher Antisemiten, die diese in ihren Machwerken anführten, um den Wahn von der jüdischen Weltverschwörung zu verbreiten. Der Mythos von den Illuminaten, die im Verborgenen fortexistieren würden, wurde also weiterhin benutzt. So wurde der Geheimbund auch durch die Nationalsozialisten herangezogen. Der Name des Anführers dieses Geheimbundes spielte dabei eine wichtige Rolle; mit Adam Weißhaupt machten Antisemiten Politik.

In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts erlebte die Chiffre, in den Werken verschiedener Verschwörungsideologen, eine neue Renaissance: Es waren Autoren wie Des Griffin, die nicht nur die antisemitischen Protokolle der Weisen von Zion, aktualisierten, sondern den Namen des Geheimbundes benutzten, um ihre kruden Thesen von der geheimen Weltverschwörung zu bebildern.

In den Machwerken der Verschwörungsideologen wurde von einer andauernden Existenz der Illuminaten ausgegangen. Dieser Gedanke wurde durch zahlreiche Verschwörungsideologen, wie zum Beispiel Jan Udo Holey oder David Icke, aufgegriffen. Bis heute leben die Illuminaten also in den Machwerken der Verschwörungsindustrie fort.

Auch heute finden verschiedene Verschwörungsgläubige in diesen Machwerken die vermeintliche Bestätigung: Die Illuminaten würden nach wie vor existieren und seien, so meint der Verschwörungsgläubige, ein gewichtiger Teil der angeblichen Weltverschwörung.

Die erwähnte Domain ittanamuli.com und deren Weiterleitung auf die Internetseite eines amerikanischen Nachrichtendienstes gilt in diesem Milieu als Baustein, mit dem die Gläubigen und ihre Vorbeter ihren Glauben an die Weltverschwörung belegen wollen. So wird die Existenz der Domain auf mehr als 50.000 Internetseiten debattiert. Dort wird diese Domain, die eher als Scherz gemeint war, auch als weiterer Hinweis auf die Fortexistenz der angeblichen Verschwörung verstanden.

Der Anmelder wird oftmals zum Teil der angeblichen Verschwörung gemacht. Es sind derartige Mythen, die für den Verschwörungsgläubigen gerade gut genug sind, um sich immer wieder davon zu überzeugen, dass die Weltverschwörung existiert.

Meteoriten, UFOs und die USA

Vor einigen Wochen stürzte ein Meteoritenhagel auf die Erde und verglühte größtenteils über der russischen Region Tscheljabinsk. Die Folgen der Katastrophe vom 15. Februar 2013 waren hunderte verletzte Menschen, tausende zerstörte Fensterscheiben, reißerische Medienberichte und verschiedene Verschwörungsmythen, die über die einschlägigen Internetseiten verbreitet wurden.

Mal wieder hatten die Gläubigen, die jeden Anlass benutzen, um ihn in ihr wahnhaftes Weltbild einzupflegen, ein Ereignis zu Hand, mit dem sie den Mythos von der mysteriösen Verschwörung spinnen konnten. Sie benutzten mal wieder eine Katastrophe und fanden Verantwortliche, die sie nun für den Vorfall verantwortlich machten. Aus der Katastrophe wurde ein UFO-Überfall oder gar ein amerikanischer Angriff gemacht.

Bereits am Tag des Unglücks meldete sich der rechtspopulistische Krakeeler Wladimir Wolfowitsch Schirinowski zu Wort und munkelte von einem Waffen-Experiment, für das er die USA verantwortlich machte: „Das sind keine fallenden Meteoriten, sondern die Amerikaner testen neue Waffen“, behauptete der Politiker der Liberal-Demokratischen Partei Russlands (LDPR), der zumindest in der Vergangenheit vor allem durch antisemitische Hetze aufgefallen war.

Einige Wochen nach dem Unglück findet sich die Behauptung vom angeblichen Waffen-Experiment der USA auf zahlreichen Internetseiten des verschwörungsideologischen Milieus. Unterschiedliche Gruppen berufen sich auf den rechten Russen: So verbreitet die Schweizer Sektion der verschwörungsideologischen„Graswurzelbewegung“ von „We are Change“ ebenso die Behauptungen des Rechtspopulisten wie die „Arbeitsgemeinschaft Staatlicher Selbstverwaltungen“, die ansonsten die Nazi-Mythen der so genannten „Reichsbürger“ verbreitet. Hier munkelte man von „Machenschaften der USA“, die diesmal sogar für einen Meteoriten verantwortlich gemacht werden.

Diejenigen, die diese wahnwitzigen Behauptungen kolportieren, bewegen sich in einer verschwörungsideologischen Tradition: Nach anderen Naturkatastrophen, wie dem Erdbeben, das im Jahr 2010 Haiti verwüstete, raunten die Verschwörungsgläubigen ebenfalls von mysteriösen amerikanischen Waffen, die zum Einsatz gekommen wären. Bereits im Jahr 2004 verbreitete der mittlerweile verstorbene Joe Vialls, eine Ikone der selbsternannten „Truther“, die Behauptung, dass die USA für das Sumatra-Andamanen-Beben verantwortlich seien.

Die Anti-Amerikaner sind einem raserischen Wahn verfallen. Daher sagen sie den USA eine unglaubliche Mach nach: Strahlen-, Erdbeben-, Wetter– und andere Superwaffen gehören zum Repertoire, die in ihren Märchen Verwendung finden. Der Anlass ist durchaus beliebig: Erdbeben, Tsunami und Meteoritenschauer scheinen gerade gut genug, um den Hass auf die Vereinigten Staaten auszuleben. Der Meteorit über Russland ist ein weiterer Anlass, der nun benutzt wird.

Neben den anti-amerikanischen Mythen wurden aber auch andere Märchen verbreitet. Einige Verschwörungsgläubige wollen mal wieder ein UFO entdeckt haben. Daher verbreiten sie nun pixelige Videos, auf dem mit einigem guten Willen ein dunkler Punkt zu erkennen ist. Einige sind sich sicher, dass ein UFO den Einschlag beobachtet habe, andere sprechen davon, dass das angebliche UFO den Meteoriten zerstört haben. Auch dies ist nichts neues: Nach den Mord-Taten des Anders Behring Breivik raunten Verschwörungsgläubige von einem UFO, das sie in den Straßen Oslos entdeckt haben wollten; doch dabei handelte es sich um eine einfache Straßenlaterne.

Verschwörungsgläubige sind vorhersehbar. Sie ordnen jedes Ereignis — vom Fernsehprogramm bis zur Naturkatastrophe — ihrem Wahn unter und machen überall die angebliche Verschwörung aus. Daher kann man sich ausmalen, wie sie auch auf zukünftige Ereignisse reagieren werden. Was folgen wird, ist eine weitere Aktualisierung des Verschwörungswahns. Dann werden mal wieder die USA verantwortlich gemacht. Dort wird man erneut von Strahlen– und Wetterwaffen schwafeln. Außerdem wird man das ein oder andere UFO entdeckt haben wollen. Die nächste Naturkatastrophe kommt ebenso sicher wie das nächste Verschwörungskonstrukt.

Mit Armbrust und Knarre

Am Freitag, den 11. Januar 2013, wurde der amerikanische Programmierer und Autor Aaron Swartz, der an der Entwicklung von RSS-Feeds beteiligt war, tot in seiner Wohnung aufgefunden. Er hatte sich, so berichtete sein Onkel Michael Wolf, offensichtlich erhängt. Dem Mitbegründer der Seite Reddit stand ein Prozess bevor, weil er angeblich 4,8 Millionen Dokumente aus dem Archiv des Massachusetts Institute of Technology (MIT) heruntergeladen haben sollte.

Aaron Swartz setzte sich für ein freieres Internet ein und wollte anderen Nutzerinnen und Nutzern des Netzes den Zugang zu Daten ermöglichen. Er kämpfte aber auch einen anderen Kampf und berichtete von Depressionen, die dazu führten, dass er sich wertlos und düster fühlte. Aaron Swartz wurde gerade einmal 26 Jahre alt.

Am Sonntag, den 13. Januar 20013, betrieb Mike Adams Leichenfledderei. Der Freitod des Programmierers war für Adams der Anlass, um einen Text zu verfassen, der sich rasant  verbreitete und auf zahlreichen Internetseiten der Verschwörungsszene zu finden ist.

Adams machte den Suizid des Programmierers zum perfiden Mord und benannte die vermeintlichen Täter. Er munkelte in diesem Zusammenhang über „tyrannische Urheberrechts-Fanatiker, die jeden zum Verbrecher stempeln wollen, der einen Film aus dem Internet herunterlädt”.

Mike Adams nutzte den Tod, um das Konstrukt einer Hollywood-Verschwörung zu aktualisieren. Er schrieb von den „großen Filmproduzenten der USA”, die wie eine „Mafia-Organisation” agieren würden. Diese angebliche Verschwörung der Filmproduzenten macht er nun für den Tod des Aaron Swartz verantwortlich.

Mike Adams bewirbt allerdings nicht nur Verschwörungsmythen, die sich um das Ende des Aaron Swartz ranken: So deutet er die islamo-faschistischen Anschläge des 11. September 2001 zum „Inside Job” um. Außerdem raunt er über eine  „Pharma Lobby”. Diese würde mit ihren Medikamenten die Immunschwächekrankheit AIDS verbreiten. Im paranoiden Wahn fürchtet sich Adams vor Barack Obama, der für ihn gar eine „neue Art Hitler” darstellt.

Seine Vorbilder sind ganz andere Personen. Es sind antisemitische Verschwörungsideologen wie David Icke oder verschwörungsideologische Holocaust-Leugner wie Jeff Rense, die für ihn „echte Helden” sind. Zusätzlich palavert Adams von einem „Holocaust”, für den er Feministinnen verantwortlich macht. Seine wahnhafte Mythen erfreuen die Verschwörungsgläubigen in aller Welt. Die Pamphlete des Mike Adams werden auch in Deutschland verbreitet.

Am Montag, den 14. Januar 2013, veröffentlichte der rechts-esoterische Kopp-Verlag auf seinen Internetseiten eine deutsche Fassung des Adams-Textes. Nun konnten sich auch die hiesigen Verschwörungsgläubigen über die angeblichen Hintergründe des Todes von Aaron Swartz belehren lassen. Der Text über die Hollywood-Verschwörung verbreitete nun auch auf den deutschsprachigen Internetseiten der Verschwörungsszene und wurde dementsprechend kommentiert.

„Das war Mord”, empörte sich ein Verschwörungsgläubiger, der ansonsten Wahlwerbung für die NPD verbreitet, auf der Facebook-Seite des Kopp-Verlages. Ein Kompagnon assistierte und schrieb über geheimnisvolle Strahlenwaffen, mit denen eine „Manipulierung des Unterbewusstseins” betrieben werden würde. Vielleicht sind auch diese beiden Verschwörungsgläubigen dem Aufruf gefolgt, der am Ende des Adams-Textes zu finden ist. Der Verschwörungsideologe appelliert dort an seine Gefolgschaft: Diese soll sich bewaffnen. Diese Forderung findet sich auch auf den Internetseiten des Kopp-Verlages:

Ich bezweifle, dass Menschen wie Aaron Swartz viel über Selbstverteidigung wussten. Vermutlich besaß er nicht einmal eine Pistole. Aber dies ist eine Lektion, die sich alle Aktivisten zu Herzen nehmen sollten: Schaffen Sie sich eine Waffe an. Bringen Sie sich die Grundzüge der Selbstverteidigung bei. Gehen Sie mit ‘taktischerem’ Denken durch Ihre Umgebung (Städte, Straßen, Parkplätze, Wohnhäuser usw.). Achten Sie auf Ihr Umfeld.

Der Freitod des Internet-Pioniers Aaron Swartz wird also nicht nur benutzt, um ein kleines bisschen Leichenfledderei zu betreiben. Der daraus resultierende Verschwörungsmythos wird auch mit dem Aufruf verknüpft, sich zu bewaffnen. Es könnte tatsächlich Gläubige geben, die diese Aufforderung befolgen werden.

Diejenigen, die sich auf den Internetseiten des Kopp-Verlages informieren und sich daher durch die angebliche Verschwörung der Hollywood-Produzenten bedroht fühlen, weil sie gerade einen Film heruntergeladen haben, können sich in einem anderen Internetshop des Milieus mit Waffen eindecken. Dort finden sie zum Beispiel eine „leicht zu handhabende Gewehrarmbrust, die sowohl mit Pfeilen als auch mit 8 mm Stahlkugeln schiesst und über ein Magazin für 30 Kugeln verfügt”. Sie sei „kinderleicht” zu bedienen und könne daher auch von „Jugendlichen und Frauen” (!) „ohne Probleme gespannt werden”.

Das Verschwörungsmärchen über die mordenden Hollywood-Produzenten ist also nur ein weiterer Anlass, der dazu führen kann, dass sich einige Verschwörungsgläubige bewaffnen. Sie dürften sich mit Armbrust und Knarre ausstatten: So wie es sich Mike Adams auch im Kopp-Verlag erwünscht hat.