Ansichten eines Referenten

Am 07. April referiert der Kommunikationswissenschaftler Kerem Schamberger auf Einladung des „Oldenburger Friedensbündnis“ zur Situation in der Türkei. Die Geschehnisse der vergangenen Monate seien ein „Putsch im Putsch“, heißt es in der Einladung. Andere Inhalte des Referenten finden leider keine Erwähnung. Dabei bezieht Schamberger Positionen, die er „ganz explizit“ offenbart. Der Referent beurteilt Messermorde, denen seit 2015 mehr als 30 Israelis zum Opfer fielen. Statt Empathie zu entfalten, tritt Schamberger in die Fußstapfen deutscher Poeten: Während er Auschwitz zur israelischen Waffe macht, bezieht sich der Referent auf Personen, die die „nationale Einheit“ und den „bewaffneten Widerstand“ reaktionärer Organisationen begrüßen.

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Kader auf dem Wehrmachtsfriedhof

Andreas Maurer, Abgeordneter der sogenannten Linkspartei im niedersächsischen Quakenbrück, legte kürzlich mit seiner Begleitung Kränze und Blumen nieder. Er befand sich an einem ungewöhnlichen Ort. Der Kader, der sich als „Volksdiplomat“ inszeniert, begab sich auf einem Friedhof von Wehrmachts-Mördern. Er wolle den Landsern „die Verehrung (…) erweisen“, heißt es in einem Werbefilm, den der YouTube-Kanal „Zar Romanov“ (!) verbreitet.

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Apelle des Appeasements

Zum diesjährigen Osterfest drohen altbekannte Rituale: Während einige Menschen ihren Nachwuchs mit der mystischen Geschichte vom Hasen malträtieren, marschieren andere Personen durch Straßen, um für Frieden zu streiten. Dass es um konkrete Parteinahmen geht, beweisen die diesjährigen Aufrufe zum „Ostermarsch“, die aktualisierte Forderungen enthalten. Einige Organisator_innen kämpfen für eine „neue Politik“, die Appeasement mit dem Islamfaschismus erfordert.

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Präsentation eines Verschwörungsideologen

Am 5. Januar 2017 präsentierte Wolfgang Gehrcke seine als Sachbuch getarnte Kampfschrift „Rufmord – Die Antisemitismus-Kampagne gegen links” in einem „Gesellschaftshaus“ genannten Etablissement. Offizieller Veranstalter war das “Oldenburger Friedensbündnis”, das ansonsten durch die Organisation des Ostermarsches ritualisierte Aktivitäten in Oldenburg entfaltet. Aktuelle Ereignisse dienten als Anlass, um den Deputierten der sogenannten Linkspartei zur “Buchvorstellung mit anschließender Diskussion” einzuladen. Kritische Wortmeldungen blieben nicht aus. Antideutsche Communist_innen intervenierten mit einem Reader.    

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Volkstanz gegen Pop und Pornos

Die „Rote Garde“ entwickelte als Jugendverband der „Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten“ (KPD/ML) besondere Formen der Kulturarbeit, mit der ein „Kampf gegen die ideologische Beeinflussung und Vergiftung der Jugend“ angegangen werden sollte. Auf dem „1. Ordentlichen Kongress der Roten Garde“, der zwischen dem 13. und 15. Mai 1978 mit einem „Massenzeltlager“ und einer „Großveranstaltung“ begangen wurde, forderten Vorsitzende eine politische Praxis, die aus der Diffamierung damaliger Popkultur erwuchs.

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Donald, Drogen, Zionisten

„Kämpfende Jugend“: Zentralorgan des Jugendverbandes der „Kommunistischen Partei Deutschlands“ (KPD/AO), die zwischen 1970 und 1980 für „ein unabhängiges, vereintes und sozialistisches Deutschland“ eintrat. Ihre Mitglieder, die sich als proletarische Kader_innen inszenierten, glorifizierten den chinesischen Staatskapitalismus. Hass gegen Israel vermengte sich mit völkischen Positionen. Mythen dienten der Untermauerung des Standpunkts. Der Zionismus, Comicfiguren und berauschende Substanzen erregten den Unwillen des Jugendverbandes. Heute feiern derartige Positionen, auch durch die Propaganda von maoistischen Jugendbanden, ein unschönes Comeback.

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Werbung im Parteiauftrag

„Bei der ‚Lao Brewery Company‘ gehen die Uhren etwas anders. Nicht nur, dass uns der Braumeister (…) in exzellentem Deutsch begrüßt, weil er seine Ausbildung in Dresden gemacht hat, sondern die Entlohnung (…) ist mit etwa 300 US-Dollar monatlich fast doppelt so hoch wie anderswo im Land. (…) Man hat auf dem riesigen Gelände modernste Brauereianlagen vor sich, die vorwiegend aus deutscher Produktion sind; Arbeitsschutz und Nachhaltigkeit werden groß geschrieben. (…) Inzwischen sucht die Lao Brewery Company ausländische Absatzmärkte. Die Qualität des auf Reisbasis gebrauten Bieres rechtfertigt die Idee.“

Marketing für ein Bierunternehmen? Begeistertes Schreiben eines reisenden Trinkers? Tatsächlich stammen die Zeilen aus dem Reisebericht einer DKP-Delegation, die derzeit in Laos und Vietnam „Wege zum Sozialismus“ erkunden möchte. Dabei besuchten die Kader der K-Gruppe, auf Einladung der „Laotischen Revolutionären Volkspartei“, auch einen „Vorzeigebetrieb“ zur Bierproduktion.

Über die nepotistischen Strukturen der einladenden Organisation, in der in staatskapitalistischer Tradition die Verwandten von Parteikadern hohe Ämter in der Nomenklatura bekleiden, berichten die Autoren nicht. Dafür erfreuen sie sich an „Arbeitsschutz und Nachhaltigkeit“. Phrasen deutscher Sozialisten, die sich weiterhin für den Staatskapitalismus in der Ferne begeistern.

Der Abend der Sozialdemokratie

Oldenburg: Ansammlung von Häusern in der Grenzregion zu Ostfriesland. Besorgte Bewohner_innen betreiben anti-israelische Debatten, die Leserbriefspalten, Weblogs und Kommentarfelder füllen. In den vergangenen Monaten urteilten sie über Israel, weil sich ein hiesiger Pädagoge als Aktivist der antisemitischen Bewegung „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS) inszeniert. Nun wurde auch unter Sozialdemokrat_innen über den Aktivisten, die Boykottkampagne und Israel gesprochen.

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Feindbilder des deutschen Maoismus

Popmusik, Comics Pornographie, Fernsehen und Film hindern am Klassenkampf. Aus einer „Stellungnahme der Zentralen Leitung des KABD zur Jugendarbeit und den Aufgaben des RJVD'“. Der „Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands“ ging in den 1980er Jahren in der MLPD auf, die eine erstaunliche Kontinuität entwickelte und viele klassische K-Gruppen überlebte.

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Faksimile: Deutsche Maoisten versus Comics und Popmusik

 

Gegen die USA – für Russland. Zur Ideologie eines Kreisverbandes

Der hiesige Kreisverband der Linkspartei betreibt nicht nur eine Internetseite, sondern nutzt auch eine Facebook-Präsenz. Auf den Seiten der Linken aus Oldenburg erscheinen Kommentare, durch die die Partei eine gewisse Politik betreibt. Dort verbreitet sie verschwörungsideologische Inhalte. Dabei bewirbt der Kreisverband sogar eine Internetseite, die nationalsozialistische Täter entlastet.

Mausklicks genügen, um auf antisemitische und nationalsozialistische Propaganda zu stoßen. Während der letzten sechs Monate wurden mehr als einhundert Beiträge auf den Internetseiten der Partei publiziert. In diesen Wortmeldungen offenbart sich oftmals Anti-Amerikanismus, der nicht selten mit einer Parteinahme für den russischen Staat einhergeht.

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