Aufmarsch der Assad-Fans

Am Samstag, den 12.05.2012, war es mal wieder soweit. Die Unterstützer_innen des syrischen Diktators Assad kamen zu einer „Riesen-DEMO in Berlin” zusammen. Im Demonstrationsaufruf war von einer geheimnisvollen „Verschwörung” die Rede. Als Urheber dieser angeblichen „Verschwörung” wurde der „Westen” ausgemacht.

Im Aufruf zum Aufmarsch wurden allerdings nicht nur verschwörungsideologische Konstrukte beworben. Hier wurde außerdem vom „geliebten Volk” und von dessen „Liebe zum Präsidenten Bashar Al-Assad” geschrieben. Das Vorgehen des syrischen Regimes, das mit seiner Armee zahlreiche Zivilist_innen ermordete, fand keine Erwähnung. Bei soviel völkischer „Liebe” zu „Volk” und „Präsidenten” ist das allerdings nicht verwunderlich.

Letztlich waren es etwa einhundert Teilnehmer_innen, die zum Aufmarsch zusammenkamen. Anhänger_innen des syrischen Regimes und Aktivist_innen der deutschen Friedensbewegung gingen hier für die Diktatur des Baschar al-Assad auf die Straße.

Dabei wurde nur eine einzelne Fahne der Linkspartei in die Luft gehalten, dafür wurden umso mehr schwarz-rot-goldene und syrische Fahnen geschwenkt. Auf einigen Fahnen und anderen Gegenständen war das Gesicht des syrischen Diktators zu sehen, der als Ikone allgegenwärtig war. Ihm wurde mit verschiedenen Sprechchören gehuldigt: „Assad, Assad”, brüllten die Demonstrant_innen.

Zwischendurch griff Christoph R. Hörstel zum Mikrophon, um eine ausführliche Rede zu halten. Der Verschwörungsideologe warnte vor den angeblichen „Machenschaften”der USA. Hörstel war vor einigen Monaten nach Syrien gereist, von dort gab er ausführliche Interviews mit denen der das Vorgehens das Regimes verharmloste.

Ein Interview gab er damals dem deutschsprachigen Radio des iranischen Rundfunks IRIB, für den sich Hörstel immer wieder befragen lässt, um gegen „USreael” hetzen und vor der NATO-„Verbrecherbande” zu warnen. Ähnlich gestaltete sich auch seine erste Rede vor den anwesenden Assad-Fans in Berlin: „Die Amerikaner beschuldigen die Regierung einer Sache, die sie selbst machen”, brüllte der Verschwörungsideologe, der ansonsten unter anderem die Ereignisse des 11. September 2001 umdeutet. Die Teilnehmer_innen reagierten begeistert.

Bei soviel Zustimmung werden einige Demonstrant_innen den Verschwörungsideologen auch per Unterschrift unterstützt haben. Hörstel sammelte nach seiner Rede nämlich Unterstützungsunterschriften, mit denen er sich als eine Art Berater für das syrische Regime in Stellung bringen möchte. Dafür nimmt Hörstel sogar seinen Tod in Kauf:

Wenn mir Verrat nachgewiesen wird – oder ich falsch berate, lasse ich mich freiwillig in der Hauptstadt (Damaskus) aufhängen.

Das bietet dieser Verschwörungsideologe großzügig auf der strukturell antisemitischen Internetseite „Alles Schall und Rauch” an.

Während Hörstel einen seiner ausführlichen Monologe hielt, verteilten Demonstrant_innen Zettel auf dem Boden. Auf diesen DIN-A4 Zetteln war unter anderem der Davidstern zu sehen, der nun von den Demonstrant_innen  in den Staub getreten wurde.

Aus ihrer antisemitischen und antiamerikanischen Einstellung machten weder Demonstrant_innen noch die Redner ein Geheimnis. Christoph R. Hörstel hielt vor der amerikanischen Botschaft, in direkter Nähe zum Holocaust-Mahnmal, eine weitere Brandrede. Dort wandte er sich an die Mitarbeiter der Botschaft:

Get the hell out of Germany, take your fucking troops with you.

So brüllte der Demagoge. Mit völkischen Parolen begeisterte er die Jubelsyrier:

We want Germany für the Germans. We want Syria for the Syrians.

Das schrie der Verschwörungsideologe. Solche Sätze wurden von den Demonstrant_innen mit Jubel quittiert.

Die anderen Redner äußerten sich durchaus ähnlich. Nur das Grußwort von Brigitte Queck wirkte vergleichsweise harmlos. Die Aktivistin der „Mütter gegen den Krieg Berlin-Brandenburg” überbrachte „Solidaritätsgrüße an das syrische Volk, das mehrheitlich an Assad glaubt”. Weil sie nicht brüllte, ging ihre Solidarisierung mit dem „syrischen Volk” allerdings unter.

Ein weiterer Redner gab dafür einen umso erschreckenderen Einblick in sein antisemitisches Weltbild, mit dem er die Demonstrant_innen begeisterte. In seiner Rede brachte der unbekannte Redner sämtliche Stereotype des Antisemitismus unter.

Er sprach vom „menschenverachtenden Zionismus”, der „alles” dafür tun würde, um „die Macht des Geldes zu bewahren”. Nun würden die „Zionisten” und die USA gegen Syrien mobil machen. Ein verschwörungsideologisches Motiv lieferte der Redner gleich mit: Syrien sei eine „Stütze für die entrechteten Palästinenser und leistet als einziges arabisches Land Widerstand gegen Israel”. Die Menge brüllte begeistert. Der antisemitische Wahn, der für einen ungenehmen Aufstand nur „Zionisten” verantwortlich machen kann, wurde hier offensichtlich.

Die antiamerikanische und antisemitische Demonstration, die am 12.05.2012 durch Berlin zog, wird nun von den Organisatoren begeistert beurteilt: „Es war eine Super-Demo”, schreiben sie auf ihrer Facebook-Pinnwand. Ihren Aufmarsch, bei dem mit völkischen Parolen, gegen die USA angeschrien wurde, wollen die Organisator_innen daher in nächster Zeit wiederholen. Wahrscheinlich werden dann wieder Davidsterne in den Staub getreten und antisemitische Brandreden gehalten werden.