Corona-Freude

“Es ist schön zu sehen, dass Menschen von ganz alleine in Panik verfallen, wenn die Einschläge näher kommen”. So erfreute sich “Extinction Rebellion Oldenburg”, die eigentlich mit “friedlichem Ungehorsam auf den drohenden Klimakollaps” aufmerksam machen möchte, an der derzeitigen Lage. Ihre Facebook-Erklärung vergleicht Menschen, die als “größter Feind” dargestellt werden, mit der Viruserkrankung COVID-19. Nicht nur auf Facebook begeisterte sich der hiesige Ableger der Öko-Truppe an der Pandemie.

Mit einem weiteren Instagram-Statement wandten sich die hiesigen Aktivist_innen an die Öffentlichkeit. Dort finden sich ganz ähnliche Positionen. Jetzt könne “eine ganze Welt in Panik verfallen und die außergewöhnlichsten Maßnahmen ergreifen”, schrieben die Verantwortlichen freudig. “Nicht der Corona-Virus, sondern wir Menschen als Verursacher des Klimawandels bilden unsere größte Bedrohung”, hieß es dort. “Wir bleiben dran”, drohten die Verantwortlichen zum Abschluss auf beiden Plattformen.

So führt “Extinction Rebellion” auch in der hiesigen Kleinstadthölle ihre Politik fort. Zuvor gründete die deutsche Truppe, die sich in einem Flyer der Polizei andiente, einen Chor, der im “Land der Richter und Henker” mit nationalistischen Phrasen und plumper Panikmache  manche Aktionen begleitete: “Kämpft für ein lebenswertes Land”, hieß es in einem umgedichteten Kinderlied, während mit einem anderen Song vor einer bald drohenden “Apokalypse” gewarnt wurde.

Dass diese Sänger_innen zudem die antifaschistische Partisan_innen-Hymne “Bella Ciao” durch ihre Umdichtung entwerteten, verwundert angesichts der sonstigen Positionen von “Extinction Rebellion” nicht. Der britische Begründer der menschenfeindlichen Bewegung, Roger Hallam, relativierte schließlich gleich mehrfach die Shoa. In einem Interview mit der “Zeit” verharmloste er das deutsche Menschheitsverbrechen als “fast normales Ereignis”. Derartige Äußerungen wiederholte der ideologische Führer in Gesprächen mit dem “Spiegel” und der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”.

Roger Hallam ist keine Ausnahme. Das zeigen die offenbarenden Statements von weiteren Aktivist_innen wie Gail Bradbrook, die gleichfalls Mitgründerin von “Extinction Rebellion” ist. Die Vordenkerin der autoritären Bewegung, die mit der Angst vor dem Weltuntergang arbeitet, verglich in einem Vortrag den Einsatz von Zyklon-B in der Shoa mit dem menschengemachten Klimawandel. Zwar distanzierte sich Tino Pfaff, der deutsche Sprecher der Struktur, in einem Interview halbherzig von solchen Ausführungen. Allerdings gelang es ihm, nur wenige Sätze darauf, gleichfalls die Shoa zu relativieren.

Dass solche Positionen für einen völkischen Aktivismus attraktiv sind, offenbaren zustimmende Kommentare aus diesem Spektrum. Auch solche Personen spricht “Extinction  Rebellion” offenbar an. Damit erfüllt sich ein Traum, den die zur Bewegung gehörende “Umweltanwältin” Farhana Yamin in einem Handbuch umschrieb: “Es ist notwendig, dass alle sich zusammenschließen – Linke, Rechte und jede politische Couleur dazwischen.” Wortführer_innen von “Extinction Rebellion”, die von solcher Querfront schwärmen, fordern zudem “Kriegswirtschaft” und “Kriegsmobilierung”.

Die Autorin Jutta Ditfurth wies unter anderem in der Monatszeitschrift “Konkret” darauf hin, dass sich die Vordenker_innen für die sogenannte und menschenfeindliche “Tiefenökologie” begeistern. “Extinction Rebellion” sei eine ökorassistische und antisemitische “Weltuntergangssekte”. Die Anführer_innen propagieren menschenfeindliche Ideologien, der offenbar auch die Aktivist_innen aus Oldenburg verfallen sind. Das zeigen die jüngsten Ausfälle des hiesigen Ablegers sehr deutlich.

Extinction Rebellion Sticker unter antifaschistischem Aufkleber
“Extinction Rebellion” Sticker klebten nicht lange (Alexanderstraße, Oldenburg)

Attacke der Antisemit_innen

Mehr als einhundert Menschen nahmen am vergangenen Donnerstag in Oldenburg an einer Demonstration teil, die “Trauer um die rassistische Ermordung von 9 Menschen in Hanau” ausdrücken sollte. Vorab bewarb vor allem die verschwörungsideologische “Aufstehen”-Struktur für diese Manifestation, die von einem verbandelten Verein zur “Städtefreundschaft” mit der kurdischen Metropole Afrin organisiert wurde. Ansonsten blieb die Mobilisierung mau, was die niedrigen Teilnehmer_innenzahlen erklären dürfte.

“Aufstehen” benutzte zur Werbung eine Fotomontage, wobei sie eine Vorlage verwendeten, die einen islamistischen Aufmarsch des französischen “Collectif Contre l’Islamophobie” zeigte. Im Aufruf der Organisator_innen war unterdessen davon die Rede, dass “wir alle gemeint” (!) seien, wenn Rassist_innen wie in Hanau morden. Der Text erschien auf einem links-alternativen Weblog, der sich “Oldenburger Rundschau” nennt. Vor der Demo-Ankündigung bewarb diese Internetseite einen anthroposophischen Gnadenhof, welcher “Gemeinsamkeiten zwischen Holocaust und Tierhaltung” ausgemacht haben möchte. Hinzu kamen Hinweise auf Veranstaltungen, die das antisemitische “Bremer Friedensforum” organisierte.

Zum Beginn der Demonstration in Oldenburg, die den rassistischen Morden von Haunau folgte und auf der eine Friedens- sowie mehrere Regenbogenfahnen flatterten, attackierten Personen aus der für den Israelboykott eintretenden BDS-Struktur einige Antifaschist_innen, die gegen deren Teilnahme intervenierten. Der plötzliche Übergriff, an dem sich mehrere Antisemit_innen beteiligten, wurde während der Auftaktkundgebung von den Organisator_innen am Lautsprecherwagen, an dem DinA-4-Porträts der Opfer klebten, nicht thematisiert: sie schwiegen zum Vorfall, um stattdessen eine Rede aus München zu recyclen, die dazu aufrief, nicht wegzuschauen.

BDS in Oldenburg
Israel-Feinde: BDS-Kader in Oldenburg (27.02.2020)

Die Attacke der Antisemit_innen, die für die Betroffenen glücklicherweise keine körperlichen Konsequenzen nach sich zog, wurde offenbar toleriert. Anstatt die Täter_innen auszuschließen, übten sich die Organisator_innen im üblichen Appeasement gegenüber den BDS-Aktivist_innen. So konnte der Wortführer der bundesdeutschen BDS-Struktur, Christoph Glanz, mit seinen Unterstützer_innen weiterhin an der Auftaktkundgebung teilnehmen.

Stattdessen wurde, nur wenige Minuten nach dem Vorfall, eine Rede der “Deutsch-Israelischen Gesellschaft” (DIG) durch den Anmelder gestört, der sich in den Lautsprecherwagen begab, um die Sprecherin mehrfach zu unterbrechen. Der Aktivist drohte zudem mit seinem sofortigen Abgang, wenn das Vorzeigegesicht der deutschen BDS-Bewegung, das zur Aktion den symbolischen Kufija trug, nicht an seiner Demonstration teilnehmen könne.

Der Anmelder setzt sich eigentlich für die Städtefreundschaft mit dem geschundenen Afrin ein. Am vergangenen Donnerstag engagierte er sich allerdings für den namhaften Antisemiten, der unter anderem einem Querfront-Blättchen, das den Namen “Neue Rheinische Zeitung” benutzt, ein Interview gab: nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima und nach dem Unfalltod von Jörg Haider munkelte diese Netzpublikation von israelischen Verantwortlichen, was verschwörungsideologische Topoi ihres Antisemitismus sind.

Die Mehrheit der Demonstrant_innen dürfte von dem Vorfall um die DIG-Rednerin und von der Forderung des Anmelders indes nichts erfahren haben: sie wurden nach der Unterbrechung mit Tracks von “Irie Révoltés”, “Danger Dan” und “Green Day” beschallt, wobei vor allem grün-gelb-rote YPG-Winkelemente wehten. Die politische Erpressung des Anmelders funktionierte unterdessen. Glanz und andere Antisemit_innen aus der BDS-Struktur beteiligten sich zumindest zum Beginn an dem Trauermarsch, der die Demonstrant_innen durch das dunkle Oldenburg führte.

Unter diesen Marschierenden befand sich der BDS-Barde Hassan Vivo, der auf seiner Facebook-Seite diverse Mordphantasien gegen Jüdinnen und Juden verbreitet. Dort teilt er zum Beispiel die Hetze des PFLP-Schlächters Ghassan Kanafani, der als Teil der PFLP-Auslandsorganisation 1972 das Lod Airport Massaker orchestrierte, bei dem 26 Menschen ermordet und Dutzende verletzt wurden. Als Sänger von “Seitun” trat Vivo, mit weiteren Feinden des Judenstaates, auf zwei BDS-Veranstaltungen in der Region auf, wobei es mehrfach zu Relativierungen der Shoa kam.

BDS-Barde mit Band (Wilhelmshaven, 27. Mai 2018)
BDS-Barde mit Band (Wilhelmshaven, 27.05.2018)

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Organisator_innen und ihre Unterstützer_innen zukünftig verhalten. Bislang blieb die öffentliche Distanzierung zur antisemitischen Boykott-Bande leider aus. Eine gewisse Nähe bestand ganz offensichtlich bereits zuvor. Dass die Verantwortlichen um den Anmelder die geschilderten Vorfälle aufarbeiten, ist daher sehr unwahrscheinlich.

Vielleicht verschweigt der mittlerweile erschienene Bericht in  der links-alternativen “Oldenburger Rundschau”, die in der Vergangenheit “eine Kritik an der israelischen Politik trotz Auschwitz” einforderte, die geschilderten Geschehnisse genau aus diesem Grund. Immerhin löschte “Aufstehen” ihre krude Fotomontage. Auf ihrer Internetseite findet sich nun Werbung für eine Aktion von Landwirt_innen.

Fast wie in Kabul

“Frau J” liebt ihre “GUTMENSCHEN Tochter”. Die Gefühle sind so groß, dass die AfD-Wählerin auf Twitter regelmäßig über die namenlose Heranwachsende berichtet. Nach einem Besuch in Oldenburg erzählt dieser Nachwuchs angeblich, dass diese Stadt “nur aus Knack…en” besteht: “das muß schlimm sein”, munkelt “Frau J”, während sie ihren Hass im Netz erbricht.

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Alte Feindbilder im neuen Antrag

Die “Deutsche Kommunistische Partei” (DKP) beuteln mittelschwere Machtkämpfe. Einheit verspricht sich die Führung, die den derzeitigen Vorstand dominiert, durch Auflösung der organisierten Opposition. Die träumt vom “dritten Pol”, der gesellschaftliche Kräfte weit über die Linke hinaus” umfasst. Ein Leitantrag dient nun der inhaltlichen Positionierung, die die DKP-Mehrheit betreibt. Es entstanden Inhalte, die einiges über den Zustand der Struktur verraten. Das Papier wendet sich gegen eine Chimäre, die als “antideutsche Bewegung” gezeichnet wird. Linksnationale Phrasen begleiten die entsprechende Einordnung des modernen Antisemitismus, der sich vor allem gegen Israel richtet.

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Alternative für mürbe Mehrheiten

“Besser als ein Rock-Konzert”, behauptet die Partei im Nachhinein.  Beifall brandet auf, als der 1956 geborene Parteiführer Christoph R. Hörstel zum Abschluss des zweiten Bundesparteitags der Deutschen Mitte (DM) an sein Mikrofon tritt. Frenetischer Jubel im Saal, nachdem der Vorsitzende seine Ausführungen beendet. Rund 200 Parteimitglieder zelebrieren durch “tosenden Beifall” die Verbundenheit mit ihrem Vordenker, der sich als Gründer und Visionär inszeniert. Der Verschwörungsideologe offenbart in einem Bio-Hotel in Berlin-Köpenick seine Vorstellungen. Zunächst habe Hörstel eine “Bewegung” geschaffen, die “die 3.000er Marke überschreitet”. Parteimitglieder sollen nun die erschreckenden Pläne realisieren, die die rigide Führung konzipiert.  

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Nazis im Weltall

Manchmal kommen die Nazis mit „Reichsflugscheiben“ aus dem Erdinneren. Es ist kaum zu glauben, aber es gibt tatsächlich Menschen, die behaupten, dass sich die ehemalige Elite der Nationalsozialisten nach 1945 in der Antarktis angesiedelt hätte. Nach dieser wahnhaften Verschwörungstheorie haben sich die Nazis 1945 in der Antarktis, im sogenannten „Neuschwabenland“, niedergelassen. Sie führen von dort einen Krieg gegen die Alliierten.

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Festung Europa

In der Nacht zum Mittwoch sind während der Überfahrt von Libyen nach Italien bis zu 150 Menschen ertrunken. Das Fischerboot (…) war zuvor in rauher See gekentert. Bis Mittwochabend konnten 51 Menschen geborgen werden. Nach Angaben der Küstenwache waren wohl 200 Flüchtlinge an Bord des 13 Meter langen Kutters, der am Montag Libyen verlassen hatte.

Frankfurter Allgemeine – Zeitung für Deutschland, 07.04.2011

Der anarchronistische Zug der Anthroposophen

Zum hundertfünfzigsten Geburtstag (27. Februar 2011) des ideologischen Vordenkers der Anthroposophie, Rudolf Steiner, haben sich dessen Jünger eine geeignete Werbemaßnahme einfallen lassen, um die Ideen der Anthroposophie zu verbreiten.

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Fernseh-Abend mit Sarrazin

Die Aufregung rund um das neue Buch des Deutschen-Bank Aufsichtsratsmitglieds Thilo Sarrazin ließ sich nicht nur auf der Pressekonferenz erkennen, bei der der ehemalige Berliner Finanzsenator sein neuestes Machwerk vorstellte, sondern auch in der ARD-Talkshow „Beckmann“, die am Montagabend über die Bildschirme flimmerte. Bereits das Vorstellungsvideo der Sendung, in dem unter anderem Sarrazins Kampf gegen ein zu üppiges Essen für Hartz-4 Empfänger_innen gezeigt wurde, war eigentlich eine Farce: Da wurden Bilder von Migrant_innen gezeigt, unterlegt durch Beckmanns-Stimme, der Sarrazins Reden von „Kopftuchmädchen“ und „Importbräuten“ rezitierte. Die Szenen und der Zusammenschnitt erinnerten eher an eine Wahlwerbung der „Republikaner“, denn an eine seriöse Fernsehsendung.

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